Leyen, EU-Beistandklausel

Von der Leyen will EU-Beistandklausel zum Leben erwecken

14.02.2026 - 11:29:16 | dpa.de

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hat bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz dafĂŒr geworben, die europĂ€ische Beistandsklausel zum Leben zu erwecken, um sich unabhĂ€ngiger von den USA zu machen.

"Gegenseitiger Beistand ist im Rahmen der EU nicht optional, sondern eine Verpflichtung, die im Vertrag verankert ist - in Artikel 42 Absatz 7", sagte sie. Das Versprechen "Einer fĂŒr alle und alle fĂŒr einen" habe aber nur dann Gewicht, wenn es auf "Vertrauen und den entsprechenden FĂ€higkeiten" beruhe. "Ich glaube, es ist an der Zeit, die europĂ€ische Beistandsklausel zum Leben zu erwecken", sagte sie.

FĂŒr eine stĂ€rkere BeschĂ€ftigung mit der EU-Beistandsklausel hatte sich in MĂŒnchen zuvor auch schon Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen. Er erklĂ€rte, man mĂŒsse "ausbuchstabieren", wie man die Verpflichtung aus Artikel 42 europĂ€isch organisieren wolle.

Ohne Verteidigung keine UnabhÀngigkeit

Von der Leyen sagte nun, neben der militĂ€rischen AufrĂŒstung und der Beschleunigung von Entscheidungsprozessen in der EU brauche es dafĂŒr aus ihrer Sicht auch eine neue europĂ€ische Sicherheitsstrategie. "Ich glaube, wir mĂŒssen dringend neu austarieren, wie wir all unsere politischen Instrumente einsetzen - Handel, Finanzen, Normen, Daten, kritische Infrastrukturen, Technologieplattformen, Informationen", sagte sie.

Man mĂŒsse sicherstellen, dass Europa jederzeit in der Lage sei, sein Territorium, seine Wirtschaft, seine Demokratie und seine Lebensweise zu verteidigen. "Denn das ist letztlich die wahre Bedeutung von UnabhĂ€ngigkeit", sagte sie.

Angebot an Großbritannien

Zudem sprach sich von der Leyen fĂŒr eine engere Zusammenarbeit mit Großbritannien aus. "In diesen Ă€ußert unruhigen Zeiten sollten Europa und insbesondere das Vereinigte Königreich enger zusammenrĂŒcken - bei der Sicherheit, der Wirtschaft oder der Verteidigung unserer Demokratien", sagte sie. Zehn Jahre nach dem Brexit sei man mit Blick auf die Zukunft so sehr aufeinander angewiesen wie eh und je.

Debatte um Beistandsklausel im Grönland-Konflikt

Über die Bedeutung von Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags war zuletzt wieder im Zuge des von US-PrĂ€sident Donald Trump angezettelten Konflikts um Grönland diskutiert worden. Die EU stellte dabei im Januar klar, dass Deutschland und die anderen EU-Staaten im Fall eines gewaltsamen Konflikts auf Antrag DĂ€nemarks hin Beistand leisten mĂŒssten.

In dem Absatz heißt es konkret: "Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und UnterstĂŒtzung (...)."

Er ist damit noch schĂ€rfer formuliert als Artikel 5 der Nato. Nach diesem liegt es im Ermessensspielraum der BĂŒndnisstaaten, wie sie im Fall eines Angriffs den Alliierten zu Hilfe kommen. Den Nato-BĂŒndnisfall könnte DĂ€nemark zudem ohnehin nicht ausrufen, weil dazu auch die USA zustimmen mĂŒssten.

Die EU-Beistandsklausel wurde bislang erst einmal nach den TerroranschlĂ€gen von Paris im Jahr 2015 aktiviert. Deutschland beteiligte sich danach deutlich aktiver am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien. So wurden unter anderem Tornado-Jets fĂŒr AufklĂ€rungsflĂŒge bereitgestellt.

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