ROUNDUP, Krieg

Krieg im Nahen Osten bremst SommergeschÀft der Reisebranche

11.04.2026 - 08:04:59 | dpa.de

FĂŒr die Reisebranche entwickelt sich der Krieg im Nahen Osten zunehmend zum Belastungsfaktor im SommergeschĂ€ft.

"Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen fĂŒhren zu einer spĂŒrbaren BuchungszurĂŒckhaltung, ohne die Nachfrage grundsĂ€tzlich zu schwĂ€chen", sagte der PrĂ€sident des Deutschen Reiseverbands, Albin Loidl, der Deutschen Presse-Agentur. "Gleichzeitig sorgen steigende Kosten und operative Herausforderungen fĂŒr zusĂ€tzlichen Druck in der Branche."

Viele Reisende wichen auf alternative Ziele aus. Insgesamt spreche vieles fĂŒr ein temporĂ€res Innehalten - "mit einer Stabilisierung und dem Anziehen der Nachfrage, sobald sich die Lage beruhigt", sagte Loidl.

Stimmung in der Branche eingetrĂŒbt

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Erwartungen der Branche. Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich das GeschĂ€ftsklima bei ReisebĂŒros und Veranstaltern im MĂ€rz deutlich eingetrĂŒbt. Der Branchenindikator fiel auf minus 41,7 Punkte, nach minus 14,8 Punkten im Februar. Die Unternehmen bewerten ihre Lage und die Erwartungen fĂŒr die kommenden Monate deutlich schlechter.

"Die geopolitische Situation fĂŒhrt zu hoher Verunsicherung bei Reisenden und Reiseunternehmen, besonders fĂŒr Reisen ĂŒber die Golfstaaten im Nahen Osten", sagte Ifo-Experte Patrick Höppner. Viele Anbieter mussten demnach bereits Umbuchungen und Stornierungen vornehmen.

Ziele im östlichen Mittelmeer, die nĂ€her an der Krisenregion liegen, verzeichneten derzeit mehr ZurĂŒckhaltung bei Neubuchungen, teilte der Reiseverband weiter mit. Davon profitieren tendenziell Destinationen im westlichen Mittelmeer - auch wenn höhere Preise und begrenzte KapazitĂ€ten die Verlagerung bremsen.

Verschiebungen bei Reisezielen

Besonders gefragt seien vor allem westeuropĂ€ische Ziele wie die Kanaren und Balearen sowie die Kapverden, teilte Tui DE000TUAG505 auf Anfrage mit. Auch ausgewĂ€hlte Fernreiseziele in der Karibik stießen auf Interesse. Dagegen entwickelten sich Destinationen am Golf sowie Teile Asiens derzeit schwĂ€cher - unter anderem wegen eingeschrĂ€nkter Umsteigeverbindungen. Auch bei Reisen in die TĂŒrkei beobachtet der Konzern aus Hannover eine "starke ZurĂŒckhaltung".

Die Preise bewegten sich insgesamt auf einem moderat erhöhten Niveau. FĂŒr bereits gebuchte Reisen blieben sie stabil. Gestiegene Kerosinpreise beschĂ€ftigten die Branche zwar, Tui habe fĂŒr den Sommer aber bereits rund 85 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert. Wie sich die Preise bis zu den Sommerferien weiterentwickeln, sei jedoch offen: "Vieles hĂ€ngt von der Lösung des Konflikts in den nĂ€chsten Tagen ab."

Hohe Nachfrage, aber regionale Unterschiede

Ein Ă€hnliches Bild zeigt sich auch beim Branchenzweiten Dertour. "Wir sehen, dass das Interesse an Reisen grundsĂ€tzlich weiter hoch ist. Allerdings gibt es erhöhten Beratungsbedarf", sagte Produktchef Sven Schikarsky. Die GĂ€stezahlen lĂ€gen fĂŒr die Sommerferien leicht ĂŒber dem Vorjahresniveau. Beliebt seien vor allem klassische Ziele im westlichen Mittelmeer wie Spanien oder Italien, auch Griechenland bleibe stark nachgefragt.

Hoteliers in Griechenland sehen die Lage derzeit vergleichsweise stabil. Die grĂ¶ĂŸere Entfernung zur Krisenregion sorge dafĂŒr, dass die Nachfrage aus Europa stabil bleibe. Zugleich betonen sie, dass der weitere Verlauf der Saison stark von der geopolitischen Lage abhĂ€ngen werde. Auf Zypern zeigen sich die Folgen deutlicher. Die Insel liegt nahe an der Krisenregion, die FlughĂ€fen verzeichneten im MĂ€rz ein Minus von 15,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Die Regierung hat ihre internationale Tourismuswerbung verstĂ€rkt.

Flugpreise könnten weiter steigen

Die geopolitische Lage wirkt sich auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Der Reiseverband geht davon aus, dass gestiegene Kerosinpreise auch mittelfristig zu steigenden Flugpreisen fĂŒhren könnten. Lufthansa DE0008232125 hat nach eigenen Angaben bereits Preiserhöhungen umgesetzt, die Nachfrage nach Reisen bleibe dennoch unverĂ€ndert hoch.

Das Unternehmen sieht sich durch abgesicherte Kerosinpreise besser vor Preisschwankungen geschĂŒtzt. Doch die Unsicherheit bleibt: "Weil das geopolitische Umfeld weiterhin sehr volatil und von kurzfristigen VerĂ€nderungen sowie Marktschwankungen geprĂ€gt ist, können sich die Ticketpreise weiter erhöhen", erklĂ€rte eine Lufthansa-Sprecherin.

Mehr Urlaub im eigenen Land

Deutschland rĂŒckt vor diesem Hintergrund fĂŒr viele Reisende stĂ€rker in den Fokus. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands wollen 41 Prozent der Deutschen, die in den kommenden drei Monaten verreisen möchten, ihren Urlaub im eigenen Land verbringen, 15 Prozent planen sogar zwei bis drei Inlandsreisen. "Damit hat Deutschland als Reiseziel wie schon bisher eine sehr hohe Relevanz", sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Norbert Kunz.

Der Deutschland-Tourismus werde zeitweise von der geopolitischen Sicherheitslage profitieren, sagte Kunz unter Verweis auf erste Zahlen der Reiseveranstalter. Allerdings dĂ€mpften hohe Energie- und Spritpreise sowie die insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten die Aussichten. "Das heißt, Urlaubszeiten könnten verkĂŒrzt oder Tages- und WochenendausflĂŒge reduziert werden."

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