BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken / ...
10.03.2026 - 10:47:23 | dpa.deGenossenschaftsbanken erzielen Gewinn im Jahr 2025 von 9,5 Milliarden Euro Berlin (ots) -
- Kredit- und EinlagengeschĂ€ft ĂŒber Erwartung ausgebaut - BVR-PrĂ€sidentin Kolak: robustes Ergebnis zeugt von hohem Kundenvertrauen - WettbewerbsfĂ€higkeit fĂŒr Europa und Deutschland: Forderung nach strukturellen Erneuerungen und einer differenzierten Regionalpolitik
Trotz konjunktureller Stagnation haben die 646 Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und sonstigen Genossenschaftsbanken in Deutschland ihr KreditgeschÀft im GeschÀftsjahr 2025 aktiv ausgebaut und zugleich im Wettbewerb um Einlagen ein solides Wachstum erzielt. Nach vorlÀufigen Zahlen steigerten sie den Gewinn vor Steuern von rund 8,7 Milliarden Euro um 10,1 Prozent auf rund 9,5 Milliarden Euro; das bilanzielle Eigenkapital wuchs um 3,7 Prozent auf 69 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge der Genossenschaftsbanken lag wie im Vorjahr mit rund 2,2 Milliarden Euro auf einem vorsorglich ausgerichteten Niveau, das die konjunkturelle Lage widerspiegelt.
"Die deutschen Genossenschaftsbanken haben mit diesem robusten Ergebnis ihre selbstgesteckten Ziele ĂŒbertroffen. Dahinter steht das Vertrauen von mehr als 30 Millionen Kundinnen und Kunden und 17,5 Millionen Mitgliedern", sagte die PrĂ€sidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, anlĂ€sslich der PrĂ€sentation der GeschĂ€ftsergebnisse. "Auch im sechsten Jahr wirtschaftlicher Stagnation haben die Genossenschaftsbanken ihre Kunden, darunter viele mittelstĂ€ndische Betriebe, durch herausfordernde Zeiten begleitet."
Die Zeichen stĂŒnden weiter auf Unsicherheit. Russlands Krieg gegen die Ukraine und die auĂenpolitische Neuorientierung der USA setzten Europa bereits unter erheblichen Anpassungsdruck. "Nun fĂŒhrt uns auch der Irankrieg vor Augen, wie fragil die geopolitische Lage ist und wie sensibel unsere Waren- und Energiebeziehungen sind. Europa und Deutschland sind gezwungen, kritische AbhĂ€ngigkeiten zu verringern und unsere wirtschaftliche StĂ€rke systematisch zu erneuern", so Kolak. Freihandelsabkommen und die Spar- und Investitionsunion (SIU) könnten dabei einen Beitrag leisten. Eine Absage erteilte die BVR-PrĂ€sidentin Eurobonds ebenso wie dauerhaft höheren Schulden in Deutschland. "ZusĂ€tzliche Verschuldung wird strukturelle Probleme nicht lösen, sondern kĂŒnftige SpielrĂ€ume einengen."
Vor diesem Hintergrund bewertete Marija Kolak die Aussichten fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland differenziert. Es gebe durchaus Anlass fĂŒr Zuversicht: Die andauernde wirtschaftliche SchwĂ€chephase könne 2026 ĂŒberwunden werden. Mit dem Investitionspaket fĂŒr Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung habe die Bundesregierung wichtige Weichen gestellt. Jetzt sei es Aufgabe der KoalitionĂ€re, die strukturelle Erneuerung anzugehen und "endlich entschlossen die richtigen Rahmenbedingungen fĂŒr eine neue WettbewerbsfĂ€higkeit zu schaffen". Gerade langfristig sei Wachsamkeit geboten: Branchenstrukturen, Demografie, FachkrĂ€fte, Infrastruktur und ImmobilienmĂ€rkte entwickelten sich in den deutschen Landkreisen sehr unterschiedlich. Prognosen fĂŒr das Jahr 2035, die der BVR gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft erarbeitet hat, unterstreichen den Bedarf an einer gezielten, differenzierten Regionalpolitik. "Die ZukunftsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland wird inzwischen in jedem Landkreis neu verhandelt. In der Wirtschaftspolitik wird die RealitĂ€t noch nicht ausreichend abgebildet: Ăber 70 Prozent der Bevölkerung leben in Orten mit weniger als 300.000 Einwohnern - Förderung sollte deshalb konsequent auf lĂ€ndliche RĂ€ume und mittelgroĂe StĂ€dte ausgeweitet und passgenau ausgerichtet werden", sagte Marija Kolak weiter. In Ballungsgebieten hingegen zĂ€hle in erster Linie mehr Wohnraum.
Im Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt sieht die BVR-PrĂ€sidentin die Genossenschaftsbanken breit aufgestellt. Kolak betonte: "Wir wollen liefern, was die Kundinnen und Kunden von morgen beim Banking erwarten." Die Gruppe habe von Depotmodellen bis zum Kryptohandel neue Angebote fĂŒr junge und technikaffine Kunden geschaffen und zugleich strategische Projekte rund ums Girokonto und Brokerage fĂŒr diese Zielgruppe gestartet. Das digitale Angebot werde konsequent ausgebaut und die digitalen Abschluss- und Serviceprozesse verschlankt. KĂŒnstliche Intelligenz sehen die Genossenschaftsbanken vor allem als Chance. Ăber 90 Prozent der jungen Menschen nutzen Atruvia-Analysen zufolge bereits digitale KanĂ€le. Bis 2030 wird rund die HĂ€lfte ihrer Interaktionen mit Banken rein digital erfolgen. Im KI-Kompetenzcenter der genossenschaftlichen FinanzGruppe werden deshalb Antworten zur Relevanz an den Kundenschnittstellen von morgen erarbeitet. Zugleich erschlieĂen sich die Genossenschaftsbanken mit amberra neue GeschĂ€ftsfelder in den Lebenswelten Wohnen, Gesundheit, Nachhaltigkeit und regionale Wirtschaft; im ersten amberra-Fonds sind dafĂŒr 100 Millionen Euro Innovationskapital gebĂŒndelt.
Wachstum im KundengeschÀft prÀgte das GeschÀftsjahr
Die Kredit- und EinlagenbestĂ€nde sind 2025 nahezu im Gleichschritt gestiegen: Kredite wuchsen um 3,8 Prozent auf 827 Milliarden Euro, die Kundeneinlagen legten um 3,7 Prozent auf 925 Milliarden Euro zu. Die addierte Bilanzsumme aller Genossenschaftsbanken stieg um 2,7 Prozent auf 1.240 Milliarden Euro. Der ZinsĂŒberschuss stieg um 5,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro und erreichte damit einen Höchstwert im FĂŒnfjahresvergleich. MaĂgeblich hierfĂŒr waren gesunkene Zinsaufwendungen von minus 14,0 Prozent, wĂ€hrend die ZinsertrĂ€ge um 2,1 Prozent zurĂŒckgingen. Der ProvisionsĂŒberschuss legte um 2,0 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro zu. Er wurde wie in den Vorjahren gröĂtenteils im Zahlungsverkehr sowie im Vermittlungs- und WertpapiergeschĂ€ft erwirtschaftet. Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen stiegen im Berichtszeitraum um 2,9 Prozent. Treiber war insbesondere der Personalaufwand , der sich infolge der Tarifsteigerungen um 4,6 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro erhöhte. Die Zahl der BeschĂ€ftigten wuchs um 1,9 Prozent auf 139.500. Die Ausbildungsquote erreichte 8 Prozent und damit erneut einen Spitzenwert . Der Wettbewerb um NachwuchskrĂ€fte bleibt in der Finanzbranche intensiv, da Institute zunehmend Kompetenzen in Bereichen wie Digitalisierung und KI aufbauen mĂŒssen.
Das operative Teilbetriebsergebnis erhöhte sich um 6,9 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. Die Aufwands-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) verbesserte sich auf 62,1 Prozent nach 63,0 Prozent im Vorjahr. Das Betriebsergebnis vor Bewertung wuchs um 6,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro, wĂ€hrend das Bewertungsergebnis mit minus 2,2 Milliarden Euro auf hohem, aber stabilem Niveau blieb. Abschreibungen auf Wertpapiere wurden in Höhe von minus 0,2 Milliarden Euro vorgenommen, insbesondere wegen der Zinsentwicklung. Ihr bilanzielles Eigenkapital steigerten die Genossenschaftsbanken 2025 um 3,7 Prozent auf 69 Milliarden Euro. Die RĂŒcklagen legten um 3,3 Prozent auf 50 Milliarden Euro zu, die GeschĂ€ftsguthaben - also das gezeichnete Kapital - wuchsen um 4,8 Prozent auf 19 Milliarden Euro. Gerade angesichts des hohen Investitionsbedarfs im Mittelstand etwa fĂŒr energetische Sanierung und Digitalisierung ist diese gut dotierte Eigenkapitalausstattung wichtig, um in der Kreditvergabe weiter zu wachsen. Die regulatorischen Eigenmittel erhöhten sich um 5,8 Prozent auf 125,3 Milliarden Euro. GeprĂ€gt durch die CRR-III-EinfĂŒhrung sank die harte Kernkapitalquote leicht um minus 0,28 Prozentpunkte auf 16,07 Prozent. Der JahresĂŒberschuss vor Steuern stieg um 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Dem Fonds fĂŒr allgemeine Bankrisiken werden voraussichtlich 4,5 Milliarden Euro zugefĂŒhrt. Steuern wurden in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gezahlt, so dass nach Steuern ein voraussichtlicher JahresĂŒberschuss von 2,3 Milliarden Euro verbleibt.
Pressekontakt:
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) Melanie Schmergal, Abteilungsleiterin Kommunikation und Ăffentlichkeitsarbeit / Pressesprecherin Telefon: (030) 20 21-13 00, mailto:presse@bvr.de, http://www.bvr.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/40550/6232563 OTS: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenban ken
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