Gründerszene, Umbruch

Gründerszene im Umbruch: Neue Chancen, alte Hürden

18.04.2026 - 21:40:17 | boerse-global.de

Die Rahmenbedingungen für Gründer und Selbstständige entwickeln sich widersprüchlich: Neue digitale Hilfen und Steuererleichterungen stehen einer angespannten Wirtschaftslage gegenüber.

Gründerszene im Umbruch: Neue Chancen, alte Hürden - Foto: über boerse-global.de

Neue Netzwerkformate, digitale Hilfen und politische Initiativen sollen den Weg in die Selbstständigkeit ebnen – doch die wirtschaftliche Großwetterlage bleibt herausfordernd.

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Lobbyarbeit gegen Bürokratie

Am gestrigen Donnerstag trafen sich beim Parlamentarischen Frühstück des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland (BDD) Branchenvertreter und Politiker. Im Fokus: weniger Bürokratie und bessere soziale Absicherung für Solo-Selbstständige. Der Verband vertritt eine Branche mit über 20 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 900.000 Partnern. Gefordert werden praxistauglichere Statusprüfungen und ein leichterer Zugang zur Selbstständigkeit im Nebenerwerb.

Parallel entstehen neue Nischen im Beratungsnetzwerk. So gründete Selina Rex in Dormagen das Startup „Psych You Up“. Es unterstützt Führungskräfte bei mentaler Gesundheit und Produktivität. Auch etablierte Industrieunternehmen spezialisieren sich weiter: Aus der priomold GmbH wurde im Januar die eigenständige prioadd GmbH ausgegründet. Sie konzentriert sich auf 3D-Druck für Prototypen und Kleinserien.

Digitale Tools und Steuererleichterungen

Als Reaktion auf administrative Hürden rollen Behörden neue digitale Angebote aus. Seit Mittwoch bietet die Deutsche Rentenversicherung den kostenlosen „Selbstcheck Erwerbsstatus“ an. Das Online-Tool gibt eine erste Einschätzung, ob eine Tätigkeit als selbstständig oder abhängig beschäftigt gilt. Es ersetzt keine verbindliche Feststellung, warnt aber vor Scheinselbstständigkeit.

Für den stationären Handel gibt es Initiativen zur Förderung von Kartenzahlungen. Kleine Händler können Terminal-Geräte zwölf Monate lang mieten – ohne Transaktionsgebühren bei Umsätzen bis 50.000 Euro. Ziel ist es, Barzahlungen und damit verbundene Risiken zu reduzieren.

In Österreich trat am Mittwoch eine spürbare Deregulierung in Kraft. Die Buchführungspflicht greift nun erst bei einem Umsatz von einer Million Euro statt bisher 700.000 Euro. Zudem können selbst erstellte immaterielle Werte wie Software leichter in die Bilanz aufgenommen werden. Das stärkt die Eigenkapitalbasis von Startups und erleichtert die Kapitalbeschaffung.

Finanzierung: Licht und Schatten

Trotz angespannter Wirtschaftslage fließt weiter Risikokapital. Allein am Dienstag sammelte das Softwareunternehmen Synera 35 Millionen Euro ein, die Flugtaxi-Entwickler von Uplane sicherten sich 4,5 Millionen Euro. Zudem gab es Unternehmenskäufe: Getsafe übernahm helden.de, der Klett-Verlag kaufte Careloop.

Öffentliche Fördertöpfe spielen eine immer größere Rolle. Europäische öffentliche Fonds für Venture Capital und Scale-ups sollen bereits über 80 Milliarden Euro umfassen. In Deutschland zielt die WIN-Initiative darauf ab, bis 2030 zwölf Milliarden Euro zu mobilieren. Schwerpunkte liegen auf Zukunftstechnologien wie Quantencomputing. Deutsche Firmen wie eleQtron, HQS Quantum Simulations und Kiutra profitieren von einem nationalen Fördertopf von rund fümf Milliarden Euro.

Doch die Konjunktur dämpft die Stimmung. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: 43 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Lage schlechter ein als im Vorjahr. Rund 30 Prozent denken über Personalabbau nach. Als Hauptgründe nennen sie die angespannte Wirtschaftslage und die Folgen des Nahost-Konflikts. Der DAX zeigte sich zuletzt dennoch erholt und schloss am Donnerstag bei 24.209 Punkten.

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Geteilte Wirklichkeit für die Wirtschaft

Die aktuelle Lage ist paradox. Während in Zukunftstechnologien investiert wird, kämpfen traditionelle Branchen. So verkaufte die Private-Equity-Firma Triton den Wärmetauscher-Hersteller Kelvion für rund zwei Milliarden Euro an Apollo. Gleichzeitig meldete die Panariagroup Deutschland, Betreiber der größten Fliesenfabrik des Landes, am Donnerstag Insolvenz an. Hohe Energiekosten und ein lahmer Baumarkt wurden als Gründe genannt. Beim insolventen Plastic Manufacturing Group gingen am Freitag 375 Jobs verloren.

Die Zufriedenheit der Selbstständigen ist laut Monitor-Daten auf 73,9 Prozent gesunken. Gründer agieren in einer gespaltenen Wirtschaft: Hightech-Sektoren boomen, der Mittelstand ächzt unter Kosten und Bürokratie.

Was kommt auf Gründer zu?

In der Politik werden weitere Entlastungen diskutiert. Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen schlug am Donnerstag ein Modell für steuerfreie Überstundenvergütung bis 2.000 Euro vor. Es soll die Motivation in den 120.000 KMU des Landes steigern.

Bundesgesundheitspolitiker arbeiten zudem an einem Entwurf für „Teil-Krankmeldungen“. Langzeiterkrankte könnten so schrittweise in den Job zurückkehren. Voraussetzung ist eine enge Abstimmung zwischen Arbeitgeber und Arzt.

Im Technologie-Sektor steht ein Epochenwechsel an: Netflix-Mitgründer Reed Hastings kündigte am Donnerstag an, im Juni nicht wieder für den Verwaltungsrat zu kandidieren. Für Europas Gründer bleibt die Herausforderung 2026, sich zwischen geopolitischen Unsicherheiten und der digital-ökologischen Doppelwende zu behaupten.

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