ifo Institut: Baukrise trotz leicht besserer Stimmung
17.03.2026 - 00:00:22 | boerse-global.deDas ifo Institut meldet eine leichte Aufhellung der Stimmung im Wohnungsbau. Doch die fundamentale Krise bleibt: AuftragsbĂŒcher sind leer, Stornierungen steigen und das Rekorddefizit von 1,4 Millionen Wohnungen wĂ€chst weiter.
Stimmung besser, AuftrÀge fehlen
Im Februar kletterte das GeschĂ€ftsklima im Wohnungsbau von minus 20,8 auf minus 17,6 Punkte. Eine Trendwende ist das aber nicht. âDie Lage wird etwas positiver bewertet, in den AuftragsbĂŒchern schlĂ€gt sich das kaum niederâ, so ifo-Ăkonomen.
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Fast die HĂ€lfte aller Betriebe klagt ĂŒber akuten Auftragsmangel. Die Stornoquote stieg im Februar sogar leicht auf 11,3 Prozent. Investoren und Projektentwickler halten sich weiter zurĂŒck â dringend benötigte Neubauprojekte werden gestoppt oder fallen ganz aus.
Rekorddefizit: 1,4 Millionen Wohnungen fehlen
Die Baukrise verschĂ€rft die ohnehin dramatische Lage. Laut dem âSozialen Wohn-Monitor 2026â fehlen in Deutschland aktuell rund 1,4 Millionen Wohnungen. Es handelt sich fast ausschlieĂlich um fehlenden, bezahlbaren Mietraum.
Besonders hart trifft es Studierende und Senioren. Studierende wenden im Schnitt 53 Prozent ihres Einkommens fĂŒr Miete auf. Um das Defizit bis 2030 abzubauen, wĂ€ren jĂ€hrlich 400.000 Neubauten nötig. Angesichts eingebrochener Baugenehmigungen gilt dieses Ziel als unrealistisch.
Sozialer Wohnungsbau schrumpft weiter
WÀhrend der Bedarf explodiert, schrumpft das Angebot an Sozialwohnungen. JÀhrlich fallen zehntausende Einheiten aus der Förderung. Neugebaut werden laut IG BAU teils nur 27.000 Sozialwohnungen pro Jahr.
In BallungsrĂ€umen ist die Situation extrem: In Baden-WĂŒrttemberg machen Sozialwohnungen nur noch rund ein Prozent des Bestands aus. Dem stehen Hunderttausende armutsgefĂ€hrdete Haushalte gegenĂŒber. Ăkonomen warnen vor wachsender sozialer Spannung.
GroĂprojekte wie die Berliner âElisabeth-Aueâ
Als Antwort planen LĂ€nder und Kommunen GroĂprojekte. In Berlin startete diese Woche eine neue Beteiligungsphase fĂŒr das Quartier âElisabeth-Aueâ. Auf 73 Hektar sollen bis zu 5.000 Wohnungen entstehen.
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Die landeseigenen Gesellschaften HOWOGE und Gesobau werden die Wohnungen vermieten â ein GroĂteil mit strenger Mietpreisbindung. Solche Projekte gelten als effektiver Weg, schnell bezahlbaren Raum zu schaffen.
Hohe Mieten als Wirtschaftsbremse
Der Wohnraummangel entwickelt sich zur Wirtschaftsbremse. WirtschaftsverbÀnde warnen: Extrem hohe Mieten in Ballungszentren erschweren die FachkrÀftegewinnung massiv. Deutschland verliert an AttraktivitÀt.
Auch Europa handelt: Das EU-Parlament forderte Anfang MĂ€rz einen europĂ€ischen Plan fĂŒr erschwingliches Wohnen. In Deutschland verlangt das BĂŒndnis âSoziales Wohnenâ einen Bund-LĂ€nder-Pakt. Aktuelle Förderprogramme laufen oft ins Leere, da die Baukosten auf ĂŒber 3.800 Euro pro Quadratmeter gestiegen sind.
Keine Entspannung in Sicht
FĂŒr 2026 und 2027 prognostizieren Analysten keine Erholung. Die Fertigstellungszahlen werden voraussichtlich weiter sinken â auf nur noch rund 200.000 Wohnungen pro Jahr. Das ist die HĂ€lfte des politischen Ziels.
Ohne tiefgreifende Reformen im Baurecht und eine massive, langfristige Förderung des Mietwohnungsbaus wird sich die LĂŒcke nicht schlieĂen. FĂŒr Millionen Wohnungssuchende bleibt der Markt angespannt und teuer.
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