Immobilienmarkt, Preise

Immobilienmarkt 2026: Preise steigen, Neubau kriselt

13.04.2026 - 20:30:58 | boerse-global.de

Wohnimmobilienpreise und Mieten steigen, wÀhrend der Neubau einbricht. Investoren setzen wieder auf Bestandswohnungen, doch politische Reformen und hohe Baukosten bremsen das Angebot.

Immobilienmarkt 2026: Preise steigen, Neubau kriselt - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt sich gespalten: Bestandspreise ziehen leicht an, wĂ€hrend der Neubau in der Krise steckt. Besonders in BallungsrĂ€umen verschĂ€rft sich die Wohnungsnot dramatisch. Gleichzeitig erwacht der Investmentmarkt fĂŒr Wohnimmobilien wieder zum Leben.

Preise steigen, aber es wird kaum noch gebaut

Aktuelle Daten fĂŒr MĂ€rz 2026 belegen einen leichten AufwĂ€rtstrend. Der Europace Hauspreisindex stieg um 0,28 Prozent. Eigentumswohnungen legten sogar um 0,61 Prozent zu. Im Vorjahresvergleich liegt das Preisniveau insgesamt etwa 1,5 Prozent höher. Parallel kletterten die Mieten im MĂ€rz um ĂŒber 0,7 Prozent – ein Jahresplus von fast 5 Prozent.

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Doch der Schein trĂŒgt. WĂ€hrend die Preise steigen, bricht der Neubau ein. In MĂŒnchen fiel die Zahl fertiggestellter Wohnungen 2025 auf rund 4.350. Das ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren und nur die HĂ€lfte des stĂ€dtischen Ziels. In Sachsen-Anhalt sanken die Baugenehmigungen fĂŒr Wohnungen 2025 um knapp 15 Prozent.

Ein Hauptgrund sind explodierende Bodenpreise. Seit 2015 haben sich GrundstĂŒcke fĂŒr MehrfamilienhĂ€user in StĂ€dten wie Rostock fast verzehnfacht. In Darmstadt, Hamm oder FĂŒrth gab es dreistellige Zuwachsraten. FĂŒr viele Projektentwickler rechnen sich Neubauvorhaben schlicht nicht mehr.

Investoren setzen wieder auf Wohnimmobilien

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen erwacht der Investmentmarkt. Im ersten Quartal 2026 erreichte das Transaktionsvolumen in Deutschland rund 8,9 Milliarden Euro. Das ist un Plus von 12 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Einzeltransaktionen legten sogar um 24 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro zu.

Das stĂ€rkste Segment ist klar definiert: Wohnimmobilien. Sie machten 28 Prozent des Gesamtvolumens aus. Im Bereich der MehrfamilienhĂ€user wurden 2025 etwa 8,4 Milliarden Euro umgesetzt. FĂŒr das Gesamtjahr 2026 erwarten Analysten ein Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro – getrieben vom anhaltenden Mietwachstum.

Andere Segmente starteten verhaltener. Der Markt fĂŒr Logistikimmobilien verzeichnete im ersten Quartal einen RĂŒckgang des Investitionsvolumens um 11 Prozent.

Politik plant Reformen – und erntet Kritik

Die Bundesregierung versucht mit Reformen gegenzusteuern, stĂ¶ĂŸt aber auf Widerstand. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig plant eine schĂ€rfere Regulierung fĂŒr möbliertes Wohnen auf Zeit. Geplant sind eine Höchstdauer von sechs Monaten und eine Deckelung des Möblierungszuschlags.

BranchenverbÀnde laufen Sturm. Sie kritisieren die PlÀne als Misstrauensvotum und warnen vor einer weiteren Verknappung des Angebots.

Gleichzeitig arbeitet Bundesbauministerin Verena Hubertz an einer Novelle des Baugesetzbuches. Sie soll dem Wohnungsbau Vorrang einrĂ€umen – allerdings ohne Umwelt- und Klimaschutzbelange zu vernachlĂ€ssigen. Experten fordern stattdessen eine radikale EntbĂŒrokratisierung und feste Fristen fĂŒr Genehmigungen.

Förderung wird attraktiver, aber reicht das?

Auf der Förderseite gibt es Bewegung. Die KfW hat ihre Zinsen seit Februar 2026 mehrfach gesenkt. FĂŒr das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (Effizienzhaus 40) liegen die Signalzinsen bei etwa 0,6 Prozent effektiv pro Jahr.

Ab Mitte Dezember 2026 plant die KfW zudem die WiedereinfĂŒhrung der Förderung fĂŒr den Standard Effizienzhaus 55. DafĂŒr sind 800 Millionen Euro budgetiert. Seit Anfang April ist außerdem die Zuschussförderung fĂŒr Barrierereduzierung bei Sanierungen wieder beantragbar.

Doch die grundlegende Problematik bleibt: Der Bedarf ĂŒbersteigt das Angebot bei weitem. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert den jĂ€hrlichen Bedarf auf rund 320.000 neue Wohnungen. FĂŒr 2026 werden jedoch nur etwa 215.000 Fertigstellungen prognostiziert – ein RĂŒckgang zum Vorjahr.

WindrÀder und WG-Zimmer: Die versteckten Preistreiber

Ein oft unterschÀtzter Faktor ist die Infrastruktur. Studien des RWI zeigen: Der Hauswert in direkter NÀhe zu neuen Windkraftanlagen kann im Schnitt um etwa 7 Prozent sinken. Klimapolitik und Immobilienwerte geraten so regional in Konflikt.

FĂŒr viele junge Menschen ist die Situation bereits jetzt dramatisch. In MĂŒnchen kosten WG-Zimmer im Schnitt 800 Euro monatlich. Jugendorganisationen fordern staatliche Wohnheim-Garantien und MillionenzuschĂŒsse, um die Belastung fĂŒr Auszubildende und Studierende zu senken.

Kann die Kreislaufwirtschaft im Baugewerbe eine Lösung sein? SachverstĂ€ndigenrĂ€te empfehlen, die Wiederverwendung von Baustoffen stĂ€rker zu fördern. Der Hoch- und Tiefbau verursacht ĂŒber die HĂ€lfte des deutschen Abfallaufkommens. Bundesumweltminister Carsten Schneider befĂŒrwortet den Vorrang fĂŒr recycelte Baustoffe bei Bundesbauten. Neue Steuern auf PrimĂ€rbaustoffe lehnt er jedoch ab, um die Baukosten nicht weiter zu erhöhen.

Wohin steuert der Markt?

Die kommenden Monate versprechen weiterhin volatile Zeiten. Bestandsimmobilien bleiben fĂŒr Investoren attraktiv, nicht zuletzt wegen des hohen Mietwachstums. Ein Risiko bleibt jedoch ein möglicher Zinsanstieg, etwa durch geopolitischen Spannungen, der die Refinanzierungskosten in die Höhe treiben könnte.

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Entscheidende Weichen werden Ende des Jahres gestellt: Die geplante Mietrechtsreform und die WiedereinfĂŒhrung der EH55-Förderung werden die Rahmenbedingungen fĂŒr 2027 prĂ€gen. Solange die LĂŒcke zwischen Bedarf und Neubau nicht geschlossen wird, bleibt der Preisdruck in den BallungsrĂ€umen hoch. Die Suche nach Rendite und bezahlbarem Wohnraum verlagert sich zunehmend in regionale Nischen und spezialisierte Segmente.

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