Produktion/Absatz, Hauptversammlungen

Thyssenkrupp-Chef wirbt um Vertrauen - Kritik von AktionÀren

31.01.2025 - 13:27:14 | dpa.de

Thyssenkrupp DE0007500001-Chef Miguel López hat beim jÀhrlichen AktionÀrstreffen um Vertrauen in den eingeschlagenen Kurs des Industriekonzerns geworben.

"Wir gestalten die Erneuerung von Thyssenkrupp und treiben sie konsequent voran", sagte er bei der im Internet veranstalteten Hauptversammlung.

AktionĂ€rsvertreter Ă€ußerten sich hingegen kritisch: "Herr LĂłpez, Ihr erstes volles GeschĂ€ftsjahr war enttĂ€uschend", sagte etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment. Die Lage bei Thyssenkrupp sei "Ă€ußerst angespannt", sagte Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft Deka. "Man könnte auch sagen: Die HĂŒtte brennt."

LĂłpez betonte die Verantwortung des Konzern "auch als Arbeitgeber". "Wir sind und bleiben um einen fairen Interessenausgleich mit den Arbeitnehmervertretungen bemĂŒht", sagte er. "Wir wollen gute Lösungen fĂŒr alle Menschen bei Thyssenkrupp - auch wenn das leider nicht fĂŒr jeden Einzelnen eine dauerhafte Perspektive im Thyssenkrupp-Konzern bedeuten kann." Dies habe man bei Steel Europe und in anderen Segmenten bereits deutlich gemacht. "Es geht um viel: Es gilt, den Konzern endlich aus seiner dramatischen Krise zu fĂŒhren, das Ruder rumzureißen und eine erfolgreiche, profitable Zukunft zu gestalten."

Umbau der Stahlsparte: Betriebsbedingte KĂŒndigungen vermeiden

Im November hatte das Stahl-Management Eckpunkte fĂŒr einen Umbau der Stahlsparte vorgelegt. Demnach ist ein deutlicher KapazitĂ€tsabbau geplant. 5.000 ArbeitsplĂ€tze sollen dabei gestrichen, weitere 6.000 ausgegliedert werden. "Seien Sie dabei versichert: Unser Ziel ist es weiterhin, sozialvertrĂ€gliche Lösungen zu finden und betriebsbedingte KĂŒndigungen zu vermeiden", sagte LĂłpez.

Im Ende September beendeten GeschĂ€ftsjahr 2023/24 hatte vor allem die KonjunkturschwĂ€che dem Konzern zu schaffen gemacht. Der Umsatz ging um sieben Prozent auf 35 Milliarden Euro zurĂŒck. Unterm Strich wies das im Aktienindex MDax DE0008467416 notierte Unternehmen einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro aus, der vor allem auf Wertberichtigungen im Anlagevermögen, aber auch Kosten fĂŒr Restrukturierungen zurĂŒckgeht. Der Hauptversammlung schlug der Vorstand trotzdem eine Dividende von 15 Cent je Aktie vor.

Fondsgesellschaft spricht von einem "verlorenen Jahr" fĂŒr AktionĂ€re

"Das vergangene Jahr war wieder einmal ein verlorenes Jahr fĂŒr uns Thyssenkrupp-AktionĂ€re", sagte AktionĂ€rsvertreter Speich. Jegliche Hoffnungen auf eine Erholung hĂ€tten sich nicht realisiert. "Der Aktienkurs ist im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr um 50 Prozent eingebrochen, im Vergleich mit der Branche sogar um fast 80 Prozent." Die Dividende sei "mickrig" und werde letztlich aus der Substanz bezahlt. "Das Vertrauen des Kapitalmarkts in die Strategie und deren Umsetzung ist weg."

Speich warf LĂłpez "Stillstand" vor und sprach ihn direkt an: "Sie machen es wie Ihre VorgĂ€nger: viel versprechen und nicht liefern. Mit Pauken und Trompeten antreten und dann kommt nichts heraus als heiße Luft." So gebe es noch immer keinen konkreten Plan, wie der Umbau der Stahlsparte konkret aussehen solle. Marc TĂŒngler von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW) mahnte Entscheidungen an. "Alte Zöpfe" mĂŒssten abgeschnitten werden, damit Thyssenkrupp eine gute Zukunft haben. "Es geht um Realismus und Zukunft fĂŒr den Stahl, das dudelt keinen weiteren Aufschub."

AktionÀrsvertreter fordert Wertsteigerung

Vom Vorstand und vom Aufsichtsrat forderte Deka-Vertreter Speich "sichtbare Fortschritte" ein. "Der Wert von Thyssenkrupp muss endlich gesteigert werden. Das ist nicht nur im Sinne des Thyssenkrupp-Konzerns und der AktionÀre, sondern insbesondere auch der vielen tausend Mitarbeitenden, die jeden Tag ihr Bestes geben." DWS DE000DWS1007-Vertreter Schmidt verwies ebenfalls mahnend auf den deutlich gesunkenen Aktienkurs.

Die Stahlsparte des Konzerns, Thyssenkrupp Steel, ist Deutschlands grĂ¶ĂŸter Stahlhersteller. Zu dem Unternehmen gehören auch die Sparten Werkstoffe, Marineschiffbau, Autoteile und grĂŒne Technologien. Ende September beschĂ€ftigte der Konzern gut 98.000 Menschen, zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Rund 27.000 davon arbeiten im Stahlbereich.

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