US-Handelspolitik, Gerichtsurteil

US-Handelspolitik nach Gerichtsurteil in der Schwebe

25.02.2026 - 18:01:13 | boerse-global.de

Nach dem Kippen der alten Zollgrundlage verhÀngt die US-Regierung pauschale Importabgaben von 10 Prozent. Die EU stoppt Handelsabkommen, wÀhrend China relativ profitiert.

US-Handelspolitik nach Gerichtsurteil in der Schwebe - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Washington D.C. – Die US-Handelspolitik steckt in einer tiefen Krise. Nachdem der Oberste Gerichtshof die bisherige Zollgrundlage kippte, verhĂ€ngte die Regierung umgehend neue, globale Importabgaben. Diese abrupte Kehrtwende löst weltweit Alarm aus und bringt auch fĂŒr Deutschland erhebliche wirtschaftliche Unsicherheit.

Supreme Court stoppt Trump-Zölle

In einer historischen Entscheidung erklĂ€rte der US-Supreme Court am 20. Februar die bisherige Rechtsgrundlage fĂŒr umfassende PrĂ€sidialzölle fĂŒr ungĂŒltig. Mit sechs zu drei Stimmen urteilten die Richter, dass das Notstandsgesetz IEEPA dem PrĂ€sidenten keine Befugnis fĂŒr derart weitreichende handelspolitische Maßnahmen gebe. Die seit 2025 auf dieser Basis erhobenen Zölle – mit einem Volumen von schĂ€tzungsweise 175 Milliarden Dollar – sind damit sofort hinfĂ€llig. Die Entscheidung könnte zu milliardenschweren RĂŒckzahlungsforderungen US-amerikanischer Importeure fĂŒhren.

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Regierung kontert mit pauschaler Zehn-Prozent-Abgabe

Die Reaktion aus dem Weißen Haus ließ nicht lange auf sich warten. Nur Stunden nach dem Urteil nutzte die Regierung eine andere gesetzliche Grundlage, um einen neuen, globalen Zoll zu erlassen. Seit dem 24. Februar gilt ein pauschaler Importzuschlag von zehn Prozent auf fast alle Waren. Diese Maßnahme basiert auf dem Handelsgesetz von 1974 und ist zunĂ€chst auf 150 Tage befristet, also bis etwa Ende Juli 2026. PrĂ€sident Trump kĂŒndigte bereits an, den Satz auf 15 Prozent erhöhen zu wollen. Diese neuen Abgaben kommen zu bestehenden sektoralen Zöllen, etwa auf Stahl und Aluminium, noch hinzu.

EU stoppt Handelsabkommen, BDI warnt vor Unsicherheit

Die plötzliche Zollwende sorgt international fĂŒr erhebliche Verunsicherung und konkrete politische Konsequenzen. Die EuropĂ€ische Union hat die Ratifizierung ihres mit den USA ausgehandelten Handelsabkommens vorlĂ€ufig ausgesetzt. Man wolle erst die neue Lage analysieren, hieß es aus BrĂŒssel. Auch die Schweiz beobachtet die Entwicklungen mit Sorge.

In Deutschland reagiert die Wirtschaft gespalten. WĂ€hrend der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) das Gerichtsurteil als StĂ€rkung des regelbasierten Handels begrĂŒĂŸt, warnt er vor den Folgen der anhaltenden Unsicherheit. „Die Lage ist Ă€ußerst angespannt“, sagt Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Die Unklarheit erschwere Investitions- und Lieferkettenentscheidungen massiv.

China profitiert, Deutschland könnte doppelt verlieren

Handelsexperten deuten die neue pauschale Abgabe als strategischen Schachzug, der die globalen WettbewerbsverhÀltnisse verschieben könnte. LÀnder wie China, gegen die zuvor extrem hohe Strafzölle galten, stehen im Vergleich zu europÀischen Handelspartnern nun relativ besser da.

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FĂŒr die deutsche Exportwirtschaft könnte es eine doppelte Niederlage geben. „Die neuen Zölle kommen zu den bestehenden hinzu und verbessern gleichzeitig die Position anderer LĂ€nder auf dem US-Markt“, analysiert Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums fĂŒr Außenwirtschaft. Bisherige Daten des US-Handelsministeriums zeigen zudem, dass die alten Zölle das amerikanische Handelsdefizit kaum verringerten – es sank lediglich um 0,2 Prozent.

Offenes Ende: Droht eine weitere Eskalation?

Die nĂ€chsten 150 Tage werden von dem Ringen um Klarheit geprĂ€gt sein. Die große Frage ist, ob die angekĂŒndigte Erhöhung auf 15 Prozent kommt und welche Strategie Washington nach dem Sommer verfolgt. Die EU hat bereits signalisiert, dass sie im Falle einer weiteren Eskalation mit eigenen Gegenzöllen reagieren könnte. FĂŒr deutsche Unternehmen bedeutet das: Die Phase der hohen Unsicherheit im transatlantischen Handel ist noch lange nicht vorbei.

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