Trump verlÀngert Waffenruhe - Iran misstrauisch
22.04.2026 - 06:25:02 | dpa.deAuf Bitten Pakistans werde er von Angriffen absehen, bis die FĂŒhrung im Iran einen "geeinten Vorschlag" zur Beilegung des Krieges unterbreite, teilte er auf Truth Social mit. Die US-Seeblockade iranischer HĂ€fen werde jedoch fortgesetzt.
Teheran habe keine VerlÀngerung der Waffenruhe erbeten, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf Quellen. Eine offizielle Position des Iran werde zu einem spÀteren Zeitpunkt bekanntgegeben, hieà es.
Ein Berater des iranischen ParlamentsprĂ€sidenten Mohammed Bagher Ghalibaf wies derweil Trumps AnkĂŒndigung auf der Plattform X als bedeutungslos zurĂŒck. Die "Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren", schrieb Mahdi Mohammadi. Die Fortsetzung der US-Seeblockade sei mit Bombardierungen gleichzusetzen und mĂŒsse militĂ€risch beantwortet werden.
Iran zeigt Misstrauen und droht
Der Iran werde die fĂŒr den globalen Ălmarkt wichtige StraĂe von Hormus nicht freigeben, solange die US-Blockade andauere, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, schrieb das Sprachrohr der mĂ€chtigen Revolutionsgarden. AuĂenminister Abbas Araghtschi hatte kurz vor Ablauf der Feuerpause auf X geschrieben: "Iranische HĂ€fen zu blockieren, ist ein kriegerischer Akt und somit ein VerstoĂ gegen die Waffenruhe".
Der Berater des ParlamentsprĂ€sidenten Ghalibaf argwöhnt, dass Trumps VerlĂ€ngerung der Waffenruhe eine List sei, "Zeit fĂŒr einen Ăberraschungsangriff zu gewinnen". Es sei an der Zeit, dass Teheran die Initiative ergreife, schrieb Mohammadi auf X weiter. Ein Sprecher des iranischen MilitĂ€rs schrieb auf der Plattform, man bleibe in "höchster Alarmbereitschaft" und sei bereit, auf Bedrohungen oder Taten der Gegner "schnell und entschieden zu reagieren".
Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte laut der Agentur Fars Ălfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, falls diese den USA und Israel weiterhin erlauben wĂŒrden, "ihr Territorium zu nutzen". Das US-Regionalkommando Centcom schrieb auf X, man bleibe einsatzbereit.
Kein Aufatmen am Ălmarkt
An den ĂlmĂ€rkten zeichnet sich vor diesem Hintergrund keine echte Entspannung ab. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete vor Trumps AnkĂŒndigung erstmals seit gut einer Woche wieder ĂŒber hundert Dollar. AnschlieĂend gab der Preis nur etwas nach und lag zuletzt bei 99 Dollar.
Was macht Israel?
Unklar bleibt vorerst, ob sich der Iran an die von Trump verkĂŒndete Feuerpause gebunden fĂŒhlt. Gleiches gilt auch fĂŒr Israel. Vonseiten des BĂŒros des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu gab es zunĂ€chst keine Reaktion auf Trumps AnkĂŒndigung. Irans Erzfeind und die USA hatten den Krieg gemeinsam am 28. Februar begonnen. Ohne VerlĂ€ngerung wĂ€re die Waffenruhe laut Trump in der deutschen Nacht zu Donnerstag ausgelaufen.
Trump: Irans FĂŒhrung gespalten
Trump schrieb, die FĂŒhrung im Iran sei wenig ĂŒberraschend tief gespalten. Deshalb werde er die Feuerpause verlĂ€ngern, bis es aus dem Iran einen "geeinten Vorschlag" gebe und die GesprĂ€che zu einem Ende kĂ€men, "auf die eine oder die andere Art und Weise". Am Vortag hatte der US-PrĂ€sident eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause noch als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet.
Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa beschrieb die Lage auf X als "fragiles Patt". Beide Seiten erwarteten, dass die andere Seite zuerst nachgibt. Vorerst bevorzugten beide, die KÀmpfe nicht wieder aufzunehmen. "Jede Seite wÀhnt sich im Vorteil", schrieb er. Der Iran glaube, dass Trump eine "deutlich niedrigere Schmerzschwelle" habe und angesichts wachsender Unzufriedenheit in seinem eigenen Land und der bevorstehenden Zwischenwahlen zögern werde, den Krieg wieder aufzunehmen, hieà es.
US-Finanzminister: Blockade nimmt Iran wichtige Einnahmen
Die USA dagegen glauben nach Worten von US-Finanzminister Scott Bessent, mit ihrer Seeblockade einen wirksamen Hebel in der Hand zu haben. Die Lager auf der fĂŒr den Ălhandel wichtigen Insel Charg wĂŒrden in wenigen Tagen voll sein, weshalb die Ălfelder stillgelegt werden mĂŒssten, schrieb der US-Finanzminister auf X. "Die BeschrĂ€nkung des iranischen Seehandels zielt direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des Regimes ab", fĂŒgte Bessent hinzu.
Das US-Magazin "Time" berichtete, seit Kriegsbeginn habe sich die Machtlage im Iran weiter konsolidiert. Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Fragen des Krieges, der Diplomatie und der Eskalation habe sich zunehmend auf einen relativ geschlossenen militĂ€risch-sicherheitspolitischen Kern verlagert. Irans Entscheidungsprozesse hĂ€tten sich verĂ€ndert, seit Modschtaba Chamenei nach der Tötung seines Vaters zum Obersten FĂŒhrer ernannt wurde, hieĂ es.
Chamenei Junior sei nicht mehr allmĂ€chtig, sondern agiere als eine Stimme im Rahmen eines umfassenderen Konsensfindungsprozesses der Sicherheitseliten, berichtete das Magazin weiter. Von Modschtaba Chamenei gibt es seit seiner Ernennung am 8. MĂ€rz keine Audio- oder Videoaufnahmen, und niemand weiĂ, wie sein Gesundheitszustand ist und welche Rolle er in dem System spielt.
Pakistan dankt Trump
Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif dankte derweil Trump auf X, Islamabads Ersuchen nach einer VerlĂ€ngerung der Waffenruhe nachgekommen zu sein, "um die laufenden diplomatischen BemĂŒhungen fortsetzen zu können." Zuvor hatte Tasnim gemeldet, Vertreter Teherans wĂŒrden nicht zu neuen Verhandlungen nach Pakistan anreisen. Islamabad vermittelt in dem Konflikt.
MilitĂ€rs planen Einsatz zur Sicherung der StraĂe von Hormus
FĂŒr einen möglichen Einsatz zur Sicherung der StraĂe von Hormus nach einem Ende der Kampfhandlungen treffen sich unterdessen heute MilitĂ€rs aus 30 LĂ€ndern im britischen MilitĂ€rhauptquartier Northwood in London. Das von GroĂbritannien und Frankreich ausgerichtete zweitĂ€gige Planungstreffen folgt auf eine internationale Konferenz in Paris in der vergangenen Woche. London und Paris wollen einen neutralen Marineeinsatz organisieren, der sich klar von den Kriegsparteien abgrenzt, um Handelsschiffe zu begleiten und zu sichern. Auch Deutschland erwĂ€gt einen Beitrag zur MinenrĂ€umung und SeeaufklĂ€rung.
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