USA, Zollregime

USA bauen globales Zollregime auf neuen SĂ€ulen auf

15.04.2026 - 09:34:13 | boerse-global.de

Die USA ersetzen ihre verfassungswidrige Zollpolitik durch zwei umfassende Handelsermittlungen zu ÜberkapazitĂ€ten und Zwangsarbeit, die fast alle Handelspartner betreffen und ein dauerhaftes Strafzollsystem etablieren sollen.

USA bauen globales Zollregime auf neuen SĂ€ulen auf - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Heute endet die Frist fĂŒr Stellungnahmen zu zwei gigantischen Handelsermittlungen, die das RĂŒckgrat eines dauerhaften globalen Zollregimes bilden sollen.

Hintergrund ist ein schwerer RĂŒckschlag fĂŒr das Weiße Haus. Im Februar kippte der Oberste Gerichtshof die bisherige Rechtsgrundlage fĂŒr breite Strafzölle als verfassungswidrig. Diese Entscheidung gefĂ€hrdet rund 175 Milliarden Dollar bereits eingenommener Zolleinnahmen. Die Regierung reagierte umgehend: Seit Januar gilt ein temporĂ€rer Pauschalzoll von 10 Prozent auf fast alle Importe. Doch dieser Notfallmechanismus lĂ€uft Ende Juli aus.

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Zwei beispiellose Ermittlungen als Ersatz

Um nahtlos in ein dauerhaftes System ĂŒberzugehen, leitete die US-Handelsvertretung (USTR) im MĂ€rz zwei umfassende Section-301-Ermittlungen ein. Diese gelten als robuster gegen Klagen. Die erste Untersuchung prĂŒft staatlich geförderte Industrie-ÜberkapazitĂ€ten in 16 Volkswirtschaften, darunter die EU, Japan und SĂŒdkorea. Sie verzerrten den Wettbewerb zu Lasten amerikanischer Produkte, so die Anklage.

Die zweite, noch breitere Ermittlung richtet sich gegen angebliche systematische Zwangsarbeit in 60 HandelspartnerlĂ€ndern, die 99 Prozent aller US-Importe abdecken. Selbst LĂ€nder mit Due-Diligence-Gesetzen wie die EU stehen auf der Liste. Analysten vermuten dahinter Druckmittel, um „Gegenseitige Handelsabkommen“ (ARTs) durchzusetzen, die strengere Kontrollen im Austausch gegen niedrigere US-Zölle versprechen.

China im Fokus, globale Auswirkungen

Der Handelskonflikt mit China spitzt sich weiter zu. Der Basiszollsatz fĂŒr chinesische Waren stieg Anfang April auf 145 Prozent, zusĂ€tzlich zu sektorspezifischen Abgaben. Peking reagierte mit eigenen Pauschalzöllen von 125 Prozent auf US-Produkte. Ökonomen warnen vor einem spĂŒrbaren Einbruch des globalen Warenhandels.

Die neuen Ermittlungen treffen jedoch fast alle Handelspartner. FĂŒr Importeure bedeutet das massive Compliance-Herausforderungen. Statt Pauschalzöllen drohen nun lĂ€nderspezifische Strafen. Unternehmen mĂŒssen ihre Lieferketten dringend auf Zwangsarbeit ĂŒberprĂŒfen. Ein begrenztes Ausnahmeverfahren fĂŒr Produktionsmaschinen bietet nur temporĂ€re Erleichterung bis Mai 2025.

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Zeitplan bis zum neuen Zoll-Sommer

Nach dem heutigen Ende der schriftlichen Stellungnahmen folgen ab dem 28. April öffentliche Anhörungen. Das USTR will die Ermittlungen noch vor Auslaufen der Notfallzölle im Juli abschließen. Das Ziel ist klar: Die Einnahmen aus der Zollpolitik sollen trotz des Gerichtsurteils stabil bleiben.

Bis zum SpĂ€tsommer könnte so ein komplexes, abgestuftes Zollsystem den einfachen 10-Prozent-Satz ersetzen. FĂŒr „nicht kooperative“ Partner könnten die SĂ€tze sogar das bisherige Niveau ĂŒbersteigen. Handelsexperten raten Unternehmen zu höchster Wachsamkeit – der Sommer am Welthandel wird turbulent.

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