Commerzbank, Aktie

Commerzbank Aktie: Knof büßt, UniCredit nervt

20.05.2026 - 20:31:35 | boerse-global.de

UniCredits Übernahmepläne überschatten die Commerzbank-Hauptversammlung. Vorstand und Aufsichtsrat raten vom Tauschangebot ab.

Commerzbank Aktie: Knof büßt, UniCredit nervt - Foto: über boerse-global.de
Commerzbank Aktie: Knof büßt, UniCredit nervt - Foto: über boerse-global.de

Die Hauptversammlung der Commerzbank in Wiesbaden hatte heute einen ungebetenen Gast — der zwar nicht erschien, aber das gesamte Treffen dominierte. UniCredit-Chef Andrea Orcel blieb der Halle fern, doch seine Übernahmepläne bestimmten nahezu jede Wortmeldung. Vor dem Eingang hielten Mitarbeiter Transparente mit "UniCredit go away" hoch, drinnen trugen Beschäftigte T-Shirts mit "We own yellow".

Klares Signal gegen das Angebot

Aufsichtsratschef Jens Weidmann nutzte die Bühne für eine detaillierte Warnung: Wer seine Aktien zum aktuellen Tauschangebot — 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie — abgebe, erwerbe damit Mitverantwortung für ein erhöhtes Exposure gegenüber italienischen Staatsanleihen, eine höhere Quote notleidender Kredite und ein nach wie vor bedeutendes Russlandgeschäft der Mailänder Bank.

UniCredit kontrolliert inzwischen 38,87 Prozent der Stimmrechte und sammelt noch bis zum 16. Juni weitere Anteile ein, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Vorstandschefin Bettina Orlopp hält das Angebot für zu niedrig, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft — sofern UniCredit eine echte Prämie auf den Tisch lege. Mit dem Plan, weitere 3.000 Stellen abzubauen und den KI-Einsatz auszuweiten, will die Bank bis 2030 ihren Wert aus eigener Kraft steigern.

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Eine pikante Nebenfrage warf DWS-Vertreter Hendrik Schmidt auf: UniCredit kassiert als Großaktionärin knapp 350 Millionen Euro aus der Rekorddividende von 1,10 Euro je Aktie — und finanziert damit indirekt ihren eigenen Übernahmeversuch.

Knofs Bonus geschrumpft

Randnotiz der Hauptversammlung, aber mit einigem Symbolgehalt: Weidmann bestätigte, dass der Aufsichtsrat die variable Vergütung von Ex-CEO Manfred Knof für 2024 um 30 Prozent gekürzt hat. Grund ist ein Treffen mit Orcel im September 2024, das Knof weder Vorstand noch Aufsichtsrat meldete. Ein externes Gutachten bewertete das als Pflichtverletzung. Knof hatte argumentiert, Orcel sei unangekündigt erschienen und das Gespräch sei ohne Erkenntnisgewinn gewesen.

Die Aktionäre selbst ließen sich von der Atmosphäre kaum aus der Ruhe bringen: Sie stimmten allen Tagesordnungspunkten mit großer Mehrheit zu — darunter die Dividende von 1,10 Euro je Aktie sowie Ermächtigungen für weitere Aktienrückkäufe von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals. Die Commerzbank-Aktie legte im XETRA-Handel rund 1,5 Prozent zu.

Die entscheidende Weiche fällt bis zum 16. Juni: Bis dahin läuft UniCredits Frist, ohne Pflichtangebot weitere Anteile einzusammeln — und die Frage, ob genügend freie Aktionäre das Tauschangebot annehmen, wird maßgeblich über den weiteren Verlauf entscheiden.

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