ROUNDUP, KI-Siri

iPhones in EU ohne KI-Siri - Apple greift EU-Kommission an

09.06.2026 - 13:30:19 | dpa.de

CUPERTINO - Apple US0378331005 wirft der EU-Kommission vor, mit Forderungen nach einer vollstĂ€ndigen Öffnung seiner iPhones und iPads fĂŒr KI-Assistenten anderer Anbieter die PrivatsphĂ€re der europĂ€ischen Nutzer zu gefĂ€hrden.

(neu: Stellungnahme der EU-Kommission ergÀnzt.)

CUPERTINO (dpa-AFX) - Apple US0378331005 wirft der EU-Kommission vor, mit Forderungen nach einer vollstĂ€ndigen Öffnung seiner iPhones und iPads fĂŒr KI-Assistenten anderer Anbieter die PrivatsphĂ€re der europĂ€ischen Nutzer zu gefĂ€hrden. Der Konzern entschied, stattdessen die neue Version seiner Assistenzsoftware Siri mit KĂŒnstlicher Intelligenz auf iPhone und iPad nicht in der EuropĂ€ischen Union verfĂŒgbar zu machen. Auf Mac-Computern und der Computer-Brille Vision Pro werden auch europĂ€ische Nutzer darauf zugreifen können, weil Apple in diesen Segmenten nicht als "Gatekeeper" mit viel Marktmacht eingestuft wurde.

Apple habe der Kommission die Risiken eines "wirklich uneingeschrĂ€nkten" Zugangs von Assistenten anderer Anbieter zum gesamten Betriebssystem und allen Informationen erklĂ€rt, sagte Marketingchef Greg Jozwiak. "Aber sie haben unsere Bedenken komplett zurĂŒckgewiesen." Apple habe auch bereits im vergangenen Jahr einen konkreten Vorschlag fĂŒr eine technische Lösung vorgelegt, mit der aus Sicht des Konzerns die Zugangsanforderungen erfĂŒllt und zugleich der Datenschutz gewahrt geblieben wĂ€re. Die Kommission habe ihn jedoch abgelehnt, ohne sich damit auseinanderzusetzen.

EU-Kommission weist Kritik scharf zurĂŒck

Ein Sprecher der BrĂŒsseler Behörde widersprach deutlich: Anstatt nach einer Lösung zur Einhaltung der Vorschriften zu suchen, habe Apple die EuropĂ€ische Kommission einfach gebeten, das Unternehmen fĂŒr mindestens 18 Monate von seinen Verpflichtungen zu befreien. "Das ist keine Option, denn es wĂŒrde bedeuten, dass kein anderer KI-Assistent als Siri - der ĂŒbrigens von Google US02079K1079 betrieben wird - die gleiche Chance hĂ€tte, von iPhone-Nutzern ausgewĂ€hlt zu werden", sagte der EU-Kommissionssprecher. "EU-Recht ist nicht verhandelbar", fĂŒge er hinzu.

Das EU-Digitalgesetz DMA (Digital Markets Act) schreibt unter anderem vor, dass als Gatekeeper eingestufte Unternehmen Konkurrenten den gleichen Zugang zu ihren Plattformen bieten mĂŒssen wie ihren eigenen Diensten. Apple argumentiert, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst dabei keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme. Der Apple-Vorschlag fĂŒr andere Anbieter sieht demnach vor, dass nach einem Ă€hnlichen Muster deren KI-Modelle zwar Anfragen der Nutzer erfĂŒllen könnten, aber keine Daten behielten. Dieser Plan sei weiterhin auf dem Tisch.

NĂŒtzlich durch Personalisierung

Apple stellte die neue Siri mit KĂŒnstlicher Intelligenz am Montag auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC vor. Die Software soll sich von anderen KI-Angeboten dadurch abheben, dass sie besonders tief ins Leben der Nutzer eingebettet ist.

Als ein Beispiel einer Frage, die man der neue Siri stellen könne, nennt Apple etwa: "Wie hieß der Podcast, den mir meine Schwester neulich empfohlen hat?" Um dies zu beantworten, muss die Software unter anderem die E-Mail oder Textnachricht kennen, in der der Name des Podcasts gefallen sein könnte, richtig die Unterhaltung verstehen - und zunĂ€chst einmal wissen, wer in den Kontakten die Schwester ist. Ein weiterer Vorteil vieler Angebote aus einer Hand: Danach kann man Siri auch gleich bitten, den Podcast abzuspielen.

Apple schĂŒrt Nutzer-Erwartungen

"Wenn das alles funktioniert, ist es die KI, die die Leute wollen", sagt Branchenexperte Avi Greengart von der Analysefirma Techsponential. Die Vorsicht ist nicht unbegrĂŒndet: UrsprĂŒnglich kĂŒndigte Apple eine Siri mit Ă€hnlichen FĂ€higkeiten bereits auf der WWDC vor zwei Jahren an. Doch im Jahr darauf musste der Konzern einrĂ€umen, dass die Software nicht verlĂ€sslich genug sei. Danach wurde die technische Basis umgebaut - unter anderem mit Verwendung von KI-Modellen des Rivalen Google. Apple betont aber, dass der Internet-Riese dabei keinen Zugang zu Nutzerdaten bekomme.

Analyst Francisco Jeronimo von der Marktforschungsfirma IDC sieht in der neuen KI-Siri eine strategische Weichenstellung fĂŒr Apple: Sie könne der neue Weg werden, ĂŒber den Nutzer mit iPhones und kĂŒnftigen GerĂ€tekategorien des Konzerns interagieren. Zugleich mĂŒsse Apple nun aber auch die Erwartungen der Nutzer erfĂŒllen: Kunden werden Siri danach bewerten, ob sie sie verstehe, und die Personalisierung sich nĂŒtzlich und nicht aufdringlich anfĂŒhle.

Eine App fĂŒr Siri

Erstmals bekommt Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf iPhones kam, eine eigenstÀndige App. Apple-Manager Mike Rockwell zeigte in einer aufgezeichneten Demonstration, wie die neue Siri den Termin des nÀchsten Konzerts einer Musikerin in der NÀhe sowie Informationen zum Ticket-Verkauf heraussuchen, eine Erinnerung erzeugen und danach auf Wunsch einen ihrer neuen Songs abspielen kann.

ZunĂ€chst wird die neue KI-Siri nur auf Englisch angeboten. Weitere Sprachen sollen "schnell" folgen, sagte Software-Chef Craig Federighi. ZunĂ€chst gibt es eine Testversion der neuen Software fĂŒr Entwickler. Allgemein eingefĂŒhrt werden die neuen Programme und Funktionen traditionell ab Herbst.

Nutzer kauften Apple-GerÀte trotz KI-Verzögerung

WĂ€hrend Apple mit den Siri-Problemen kĂ€mpfte, ĂŒberboten sich Google als Entwickler des konkurrierenden Mobil-Betriebssystems Android und der große iPhone-Rivale Samsung KR7005930003 mit AnkĂŒndigungen immer neuer KI-Assistenzfunktionen. Gemessen daran wirkte Apple im RĂŒckstand - den Kunden schien das jedoch egal zu sein. Die VerkĂ€ufe der Apple-GerĂ€te stiegen weiter und das iPhone schubste nach Berechnungen von Marktforschern Samsung nach vielen Jahren vom Smartphone-Thron. Federighi erlaubte sich zugleich einen Seitenhieb gegen Unternehmen die in einem Wettlauf "KI im Namen von KI" verfolgten und dabei nicht die Interessen der Nutzer beachteten.

Abschiedsrunde fĂŒr Cook

Es ist die letzte WWDC fĂŒr Tim Cook als Konzernchef. Im September soll der bisher fĂŒr GerĂ€te zustĂ€ndige Top-Manager John Ternus die FĂŒhrung ĂŒbernehmen.

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