Ukraine-Krieg, EuropÀer

Ukraine-Krieg: EuropÀer drÀngen an den Verhandlungstisch

07.06.2026 - 07:26:28 | dpa.de

Der neue Vorstoß des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj fĂŒr GesprĂ€che mit Russland ĂŒber ein Ende des Ukraine-Krieges ist zunĂ€chst ins Leere gelaufen.

Der russische Staatschef Wladimir Putin hat ihn am Freitag abgeblockt. Trotzdem setzt man im Berliner Kanzleramt und anderen europĂ€ischen Regierungszentralen darauf, dass sich Putin langfristig Verhandlungen nicht entziehen kann. Und eins ist fĂŒr die EuropĂ€er klar: Wenn es dazu kommt, wollen sie mit am Tisch sitzen.

Um sich darauf vorzubereiten, kommen heute in London Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische PrÀsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer mit dem ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen.

Wie ist der derzeitige Stand der diplomatischen BemĂŒhungen?

Die USA bemĂŒhen sich seit Anfang vergangenen Jahres um Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine. US-PrĂ€sident Donald Trump hat sich dazu im vergangenen August mit Putin in Alaska getroffen, es wurde ein Friedensplan ausgearbeitet und es gab intensive Pendeldiplomatie. Inzwischen sind die BemĂŒhungen aber weitgehend zum Erliegen gekommen und die Amerikaner scheinen das Interesse daran zu verlieren. US-Außenminister Marco Rubio sagte vor zwei Wochen, aus US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Wie waren die EuropÀer bisher beteiligt?

Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren als sogenannte E3 schon im vergangenen Jahr involviert und nahmen die Rolle der europĂ€ischen UnterhĂ€ndler ein. Zuletzt waren sie aber nur noch Zuschauer. Angesichts des schwindenden Engagements der US-Amerikaner sehen sie nun eine Chance, zurĂŒck ins Spiel zu kommen. "Langsam öffnet sich ein Fenster fĂŒr GesprĂ€che der europĂ€ischen Seite mit Russland", heißt es aus deutschen Regierungskreisen.

Wie sehen Merz und Co. ihre Rolle?

Anders als die USA sehen die EuropĂ€er sich nicht als Vermittler, sondern als VerbĂŒndete der Ukraine. Sie unterstĂŒtzen das Land massiv mit Waffenlieferungen und belegen Russland gleichzeitig mit Sanktionen, um Druck auf Moskau aufzubauen, den Krieg zu beenden. Wenn sie in die Verhandlungen einsteigen, werden sie an der Seite der Ukraine stehen und nicht als Moderator auftreten.

Wie sieht Putin eine Beteiligung Europas?

Er steht ihr grundsĂ€tzlich offen gegenĂŒber, hat aber seine eigenen Vorstellungen. So brachte er den frĂŒheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als europĂ€ischen UnterhĂ€ndler ins Spiel und traf sich mit ihm diese Woche im Moskauer Kreml. Schröder war nach seiner Kanzlerschaft als Lobbyist bei russischen Energieunternehmen eingestiegen. Er hat sich zwar vom russischen Angriff auf die Ukraine distanziert, seine freundschaftliche Verbindung zu Putin aber weiter aufrecht gehalten.

Kommt Schröder fĂŒr die EuropĂ€er als UnterhĂ€ndler in Frage?

Auf deutscher Seite wird der Vorstoß Putins als Provokation gesehen und nicht ernst genommen. Auch andere VorschlĂ€ge wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel oder der frĂŒhere EZB-Chef Mario Draghi dĂŒrften fĂŒr die Bundesregierung nicht in Frage kommen. Sie ist der Auffassung, dass Regierungen den Prozess steuern sollten. "Es spricht einiges dafĂŒr, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden", heißt es aus deutschen Regierungskreisen.

Wie sehen die EuropÀer die Rolle der Amerikaner?

Sie sollen aus Sicht der Bundesregierung auf jeden Fall im Boot bleiben. Man wolle "Koordinierung statt Konkurrenz" mit den Amerikanern, heißt es. Und mit den anderen EuropĂ€ern strebe man eine "grĂ¶ĂŸtmögliche Abstimmung" an.

WorĂŒber wird in London geredet?

Bevor es darum geht, wer die UnterhĂ€ndler sind, soll die inhaltliche Linie fĂŒr mögliche Verhandlungen geklĂ€rt werden. Aus deutscher Sicht braucht es fĂŒr den weiteren Prozess einen "klaren politischen Kompass" und ein "klares Zielbild". Darum wird es in London wohl in erster Linie gehen.

Wie ist die zeitliche Perspektive fĂŒr Verhandlungen?

Das ist die große Frage. Derzeit nehmen die Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu. Aber gerade die heftigen KĂ€mpfe mit großen Verlusten auf beiden Seiten könnten die Bereitschaft zu Verhandlungen erhöhen. Auf deutscher Seite erwartet man aber, dass dies "nicht Wochen, sondern Monate dauern" werde.

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