Intesa Sanpaolo Aktie: 30,6 Milliarden für MPS-Offensive
16.06.2026 - 02:43:45 | boerse-global.deDie italienische Großbank Intesa Sanpaolo geht in dieser Woche in die Offensive. Parallel zu einem Übernahmeangebot an die Konkurrenz platzierte das Institut erfolgreich eine milliardenschwere grüne Anleihe. Die Aktie notierte am Montag bei 5,92 Euro — immerhin 19,8 Prozent mehr als vor zwölf Monaten.
30,6 Milliarden für die Konkurrenz
Intesa Sanpaolo hat ein unaufgefordertes öffentliches Angebot für die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) vorgelegt. Bewertet wird der Rivale mit 30,6 Milliarden Euro. Der Kaufpreis von 10,09 Euro je Aktie liegt 12,5 Prozent über dem aktuellen Kurs. Die Offerte besteht aus einer Mischung von Bargeld und Aktien.
Gelingt der Deal, wäre Intesa Sanpaolo die zweitgrößte Bank im Euroraum — gemessen an der Marktkapitalisierung.
Kartellamt im Blick
Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, hat das Management einen Plan vorgelegt: 635 Filialen von MPS sollen an Unipol verkauft werden. Die Versicherung will die Filialen weiter an Bper reichen und so ein zweites großes Bankenzentrum in Italien schaffen.
Die italienische Regierung hält sich offiziell bedeckt. Analysten rechnen mit einer intensiven Prüfung. Das MPS-Management soll zudem über Alternativen zum Deal nachdenken.
Generali als strategischer Balanceakt
Ein neuralgischer Punkt: Mit der Übernahme würde Intesa Sanpaolo zum größten Aktionär von Assicurazioni Generali aufsteigen. Der Versicherer verwaltet 900 Milliarden Euro an Vermögenswerten und gilt als systemrelevant für die Refinanzierung der italienischen Staatsverschuldung.
CEO Carlo Messina hat der Regierung einen konsultativen Kurs zugesichert. Das Kabinett will offenbar auf das sogenannte "Golden Power"-Veto verzichten. Stattdessen setzt Rom auf eine stabile Eigentümerstruktur.
Grüne Anleihe mit Rekordniveau
Neben der Übernahmeschlacht läuft das Tagesgeschäft. Am 15. Juni platzierte Intesa Sanpaolo eine Senior-Non-Preferred-Grünanleihe über 1,25 Milliarden Euro. Die Nachfrage war hoch: Die Orderbücher erreichten rund 4,3 Milliarden Euro. Der Spread fiel bei der Emission so niedrig aus wie nie zuvor. Ein klares Signal, dass der Kapitalmarkt dem Institut vertraut.
Parallel laufen die langfristigen Vergütungsprogramme für die nächsten Jahre. Über 52.000 Mitarbeiter haben sich an der LECOIP-Initiative beteiligt — das sind 83,7 Prozent der Berechtigten. Die Bank modernisiert zudem ihre Infrastruktur, unter anderem mit Blockchain-basierten Verwahrlösungen für digitale Vermögenswerte.
Die Aktie in Zahlen
Der Schlusskurs von 5,92 Euro liegt gut drei Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Das 52-Wochen-Tief von 4,76 Euro ist damit fast ein Viertel entfernt. Allerdings notiert die Aktie noch 3,9 Prozent unter ihrem Jahreshöchst von 6,16 Euro. Der RSI von 59 zeigt eine neutrale Verfassung — weder überkauft noch überverkauft.
Am 1. Oktober 2026 folgen die nächsten Quartalszahlen. Bis dahin wird sich zeigen, ob der Coup um MPS gelingt — oder ob die Bank einen Plan B braucht.
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