Haftbefehl beantragt? Israels Minister Smotrich reagiert mit RĂ€umungsorder
19.05.2026 - 14:01:52 | dpa.deSmotrich sagte vor Journalisten, er reagiere damit auf Informationen, dass die Anklage des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag einen Haftbefehl gegen ihn beantragt habe. Von dem Gericht gab es dafĂŒr bisher keine BestĂ€tigung. Medien wie die israelische Zeitung "Haaretz" hatten in den vergangenen Tagen ĂŒber die Sache berichtet.
Ort liegt in strategisch wichtigem Gebiet E1
Die Beduinensiedlung befindet sich östlich von Jerusalem in dem strategisch wichtigen Gebiet E1, das das Westjordanland in eine Nord- und eine SĂŒdhĂ€lfte unterteilt. Es gehört zu den 60 Prozent des Westjordanlandes, die unter voller israelischer Kontrolle stehen. Internationaler Druck und Petitionen vor dem Höchsten Gericht in Jerusalem hatten die immer wieder angekĂŒndigte RĂ€umung des Ortes bisher verhindert.
Smotrich sagte vor Journalisten zu Informationen ĂŒber einen möglichen Haftbefehl gegen ihn: "Der ungeschickte Versuch, uns durch Sanktionen und Haftbefehle eine selbstmörderische Sicherheitspolitik aufzuzwingen, wird nicht gelingen." Israel werde "keine heuchlerischen Diktate von parteiischen Einrichtungen akzeptieren, die sich immer, ein ums andere Mal, gegen den Staat Israel stellen und gegen unsere biblischen, historischen und juristischen Rechte in unserem Heimatland".
Harte VorwĂŒrfe gegen die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde
Smotrich warf der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde, die er als "Terrororganisation" bezeichnete, vor, sich hinter den Kulissen fĂŒr Haftbefehle gegen fĂŒhrende israelische Politiker eingesetzt zu haben. Er sprach von einer "KriegserklĂ€rung" der PalĂ€stinenserbehörde, die Folgen haben werde. "Die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde hat einen Krieg eröffnet und sie wird einen Krieg bekommen." Er werde fortan "alle Ziele angreifen", die in seinem Machtbereich als Finanzminister liegen. Als erstes Ziel werde er sofort eine Order zur RĂ€umung von Chan al-Ahmar im besetzten Westjordanland unterzeichnen, im Rahmen seiner Befugnisse als Minister im Verteidigungsministerium.
Smotrich forciert seit Jahren eine aggressive Siedlungspolitik im Westjordanland. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalĂ€stinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.
Position des Internationalen Strafgerichtshofs
Der Strafgerichtshof Ă€uĂerte sich nicht zur Frage, ob ein weiterer Haftbefehl gegen einen Israeli erlassen wurde oder ob die Anklage dazu einen Antrag gestellt hat. Nach den Regeln des Gerichts mit Sitz in Den Haag sind Haftbefehle und auch AntrĂ€ge auf Haftbefehle der AnklĂ€ger unter Verschluss, es sei denn es gibt eine richterliche VerfĂŒgung fĂŒr die Veröffentlichung. Jeder Antrag auf einen Haftbefehl muss von Richtern genehmigt werden.
Dass Haftbefehle nicht veröffentlicht werden, geschieht hĂ€ufiger beim Weltstrafgericht. Dadurch sollen VerdĂ€chtige nicht vorgewarnt werden. Wenn dann ein Gesuchter zum Beispiel in einen Vertragsstaat reist, kann ein Haftbefehl veröffentlicht werden. Vertragsstaaten des Gerichts sind verpflichtet, Haftbefehle auszufĂŒhren.
2024 hatte das Gericht Haftbefehle gegen Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu und den frĂŒheren Verteidigungsminister Joav Galant erlassen wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem 8. Oktober 2023 im Gazastreifen.
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