Stromausfall in Reutlingen - Was wir wissen und was nicht
08.06.2026 - 13:30:12 | dpa.deDer Netzbetreiber spricht von Hinweisen auf eine Brandstiftung. Waren tatsÀchlich Saboteure am Werk? Und wie lange dauern die EinschrÀnkungen noch? Vieles bleibt bislang unklar.
Was wir wissen
* Brand: Die Feuerwehr wurde um 1.43 Uhr ĂŒber den Stromausfall informiert. Zwei Minuten spĂ€ter erhielt die Feuerwehr den Hinweis auf den Brand im Umspannwerk. Nach Angaben der EinsatzkrĂ€fte standen zwei Trafos in Flammen. Gegen 5.00 Uhr war das Feuer gelöscht. Das Umspannwerk Mitte ist laut Stadt seit 6.00 Uhr wieder in Betrieb.
* Stromausfall: Laut Netze BW begann die Störung gegen 1.37 Uhr im Umspannwerk Reutlingen-West, kurze Zeit spĂ€ter fiel das gesamte Umspannwerk aus. Das Umspannwerk wird von der Netze BW und der FairNetz, die fĂŒr die örtliche Versorgung des Stadtgebiets Reutlingen zustĂ€ndig ist, gemeinsam betrieben. Da vom Umspannwerk Reutlingen-West aus auch zwei starke Leitungen zum Umspannwerk Reutlingen-Mitte fĂŒhren, war laut Betreiber auch dieses Umspannwerk betroffen. Um 5.45 Uhr und um 7.00 Uhr waren Teile der Versorgung wiederhergestellt.
* AusmaĂ: In der Spitze waren etwa 20.000 Haushalten ohne Strom. Auch Stunden nach dem Brand waren rund 7.600 Haushalte oder rund 30.000 Menschen nicht zurĂŒck am Netz. Unter anderem waren die Stadtteile Betzingen, Ohnenhausen und das Industriegebiet Mark West ohne Strom, das gilt auch fĂŒr die Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil. Wichtig sei es vor allem, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen - auch mit Provisorien, sagte Jens Balcerek von den Reutlinger Stadtwerken.
* EinschrĂ€nkungen: Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass viele Menschen noch lĂ€nger ohne Stromversorgung bleiben. FĂŒr die Nacht wird ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte BĂŒrgermeister Roland Wintzen. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwĂ€rmen können. Die EinschrĂ€nkungen fĂŒr die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Betroffen war auch das Reutlinger Kreisklinikum. Die Notstromaggregate seien sofort angesprungen, hieĂ es dort. Insgesamt seien zehn Operationen verschoben worden.
* Spuren: Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW sind drei Brandstellen gefunden worden. AuĂerdem seien der Zaun und das GelĂ€nde vor der Anlage beschĂ€digt, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Ermittler Ă€uĂern sich dazu nicht.
Was wir nicht wissen
* Ursache: Die Polizei hĂ€lt sich mit Vermutungen zur Ursache noch zurĂŒck. "Unsere Ermittlungen sind in jeglicher Richtung", sagte Tina Rempfer vom PolizeiprĂ€sidium Reutlingen. "Wir beziehen ein, ob es eventuell ein technischer Defekt sein könnte oder eine Brandlegung, eventuell fahrlĂ€ssig oder auch vorsĂ€tzlich", sagte die Polizistin. Dem Landesamt fĂŒr Verfassungsschutz Baden-WĂŒrttemberg liegen keine weiterfĂŒhrenden Erkenntnisse zur mutmaĂlichen Brandstiftung in Reutlingen vor. Bislang wurden keine Bekennerschreiben veröffentlicht.
Nach Angaben von OberbĂŒrgermeister Thomas Keck mĂŒssten drei zeitgleiche BrĂ€nde auch nicht zwangslĂ€ufig auf eine Brandstiftung hindeuten. "Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass BrĂ€nde gleichzeitig ausbrechen."
* Dauer: Unklar ist, wann die Stadt und die umliegenden Gemeinden wieder ohne EinschrÀnkungen am Netz hÀngen. "Eine belastbare Prognose zur vollstÀndigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich", teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Angaben von Richard Huber (Netze BW) könnte es bis zur Vollversorgung rund 48 Stunden dauern.
* Schaden: Bislang wird der Schaden nach dpa-Informationen auf mehrere Millionen Euro geschÀtzt. Offizielle SchÀtzungen dazu gibt es nicht.
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