Treibt Trump die Energiewende voran?
08.06.2026 - 14:23:21 | dpa.deDie UN-Klimakonferenz in Bonn, an der bis nĂ€chste Woche Donnerstag mehr als 6.500 Delegierte aus 186 LĂ€ndern teilnehmen, könnte diese Entwicklung fĂŒr sich nutzen.
"Die Konferenz findet statt in einer Phase, in der weltweit gesehen wird, dass wir eine fossile Preiskrise haben, hervorgerufen durch den Iran-Krieg", sagte Greenpeace-Chef Martin Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. "Als Folge davon boomen Solar und Wind weltweit. Bei uns geht die Zulassung von WĂ€rmepumpen und Elektroautos durch die Decke."
Auch das Bundesumweltministerium sieht eine verĂ€nderte Ausgangslage: "Erneuerbare Energien wachsen weltweit so schnell wie nie zuvor. Gleichzeitig fĂŒhren geopolitische Krisen und massive Preisschwankungen gerade bei fossilen EnergietrĂ€gern vor Augen, wie groĂ die Risiken einer anhaltenden AbhĂ€ngigkeit von diesen mittlerweile geworden sind."
UN-Klimachef: BewÀltigung der Klimakrise wichtigste Aufgabe
Noch direkter formuliert es UN-Klimachef Simon Stiell, als er die zehntĂ€gige Bonner Konferenz eröffnet. "Der Krieg im Nahen Osten verursacht unermessliches menschliches Leid und löst eine Kostenkrise bei fossilen Brennstoffen aus, die Volkswirtschaften ĂŒberall in den WĂŒrgegriff nimmt", sagt der Chef des in Bonn angesiedelten UN-Klimasekretariats. "Es ist glasklar: Eine Fortsetzung unserer AbhĂ€ngigkeit von fossilen Brennstoffen bedeutet, weiterhin Inflation und wirtschaftliche InstabilitĂ€t zu importieren."
Die Staatengemeinschaft mĂŒsse in der Klimapolitik jetzt endlich weiter gehen und schneller vorankommen, fordert Stiell. "Wir mĂŒssen unsere Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen und die im Rahmen des Abkommens beschlossenen PlĂ€ne vollstĂ€ndig umsetzen." Die BewĂ€ltigung der globalen Klimakrise sei die schwierigste, aber auch wichtigste Aufgabe, die die Menschheit jemals gemeinsam in Angriff genommen habe.
Gegenmodell zu den GeschÀftsideen von Trump und Putin
FĂŒr Greenpeace-Chef Kaiser bietet Bonn die ideale Gelegenheit, alle LĂ€nder mit einer progressiven Klima-Agenda an einem Tisch zu versammeln. "Die Bonn-Konferenz ist die Chance, die offizielle Roadmap zum Ausstieg aus den Fossilen in der neuen Allianz als Gegenmodell zu den fossilen GeschĂ€ftsmodellen von Trump und Putin festzuzurren." Auch der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig erwartet, dass der Ausstieg aus den fossilen Energien in den nĂ€chsten zehn Tagen in Bonn eine groĂe Rolle spielen wird.
Kaiser warnt die Bundesregierung zudem davor, den Klimaschutz zurĂŒckzustellen - nach dem Motto "Jetzt hat erst einmal die Wirtschaft Vorrang". "Das wĂ€re ein groĂes MissverstĂ€ndnis, denn beides gehört zusammen. Die ökonomischen Risiken einer verfehlten Klimapolitik sind extrem hoch.", sagt Kaiser. "Die Industrien, die auf Fossile setzen, haben Schwierigkeiten und werden irgendwann weg sein, wenn sie die Transformation jetzt nicht zĂŒgig gestalten. Insofern muss Kanzler Merz seine Wirtschaftsagenda jetzt zukunftsfĂ€hig machen, sonst wird es auch nichts mit dem viel versprochenen Aufschwung."
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt in einer Pressemitteilung zu, sich in Bonn dafĂŒr einzusetzen, das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren zu erhöhen. "Wer heute in Klimaschutz investiert, investiert zugleich in wirtschaftliche StĂ€rke, Sicherheit und Wohlstand."
Die Zeit drÀngt. "1,5 Grad ist keine Zahl - es ist eine Rettungsleine" steht auf einer WerbesÀule im World Conference Center, in dem die Verhandlungen stattfinden. Im Pariser Klimaabkommen ist festgeschrieben, dass der Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Bei der letzten Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém sei man diesem Ziel aber kaum nÀhergekommen, sagt Oxfam-Klimaexperte Kowalzig. Man steuere jetzt eher auf drei Grad an globaler ErwÀrmung zu.
Auch bei der FuĂball-WM dĂŒrfte der Klimawandel zuschlagen
Die Verhandlungen in Bonn sind komplex und langwierig - was kaum anders sein kann, wenn im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt mit am Tisch sitzt. Aber nebenbei versucht das im alten Regierungsviertel von Helmut Schmidt und Helmut Kohl angesiedelte Klimasekretariat immer wieder, konkret zu werden und die Menschen ganz direkt anzusprechen.
JĂŒngstes Beispiel dafĂŒr: die FuĂball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Auch sie dĂŒrfte die ErwĂ€rmung der ErdatmosphĂ€re mit voller Wucht zu spĂŒren bekommen. Erwartet wird, dass etwa jedes vierte Spiel bei einer Hitze ausgetragen werden wird, die als gefĂ€hrlich eingestuft wird. In Fan-Zonen, Warteschlangen, auf ParkplĂ€tzen und bei Partys können die Besucher stundenlang extremer Hitze ausgesetzt sein.
"Es ist heiĂ und wird immer heiĂer", konstatiert Klima-Chef Stiell. "Das ist kein Zufall. Das ist der Klimawandel."
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