Forscher warnen vor 'Welt der Warlords'
08.06.2026 - 12:15:30 | dpa.de"Demokratien stehen weltweit unter Druck: Sowohl ihre Zahl als auch ihre QualitÀt nehmen weltweit ab", sagte der Konfliktforscher Conrad Schetter bei der Vorstellung des sogenannten Friedensgutachtens 2026. Nur noch sieben Prozent der globalen Bevölkerung lebten in freien Demokratien. "Zugleich zerfÀllt die regelbasierte Ordnung", sagte Schetter.
Vereinte Nationen am Scheideweg
Die Vereinten Nationen (UN) befinden sich laut Gutachten in einer tiefen strukturellen Krise. Die UN sind eine internationale Organisation. Ihre Mitgliedstaaten verpflichten sich dazu, den Frieden durch internationale Zusammenarbeit und kollektive Sicherheit zu erhalten. Mit 193 LÀndern gehören derzeit fast alle Staaten der Welt den UN an.
RivalitĂ€ten zwischen GroĂmĂ€chten blockierten zentrale Entscheidungsprozesse, insbesondere im Sicherheitsrat, schreiben die Wissenschaftler im Gutachten. Gleichzeitig werde die AutoritĂ€t der internationalen Organisation durch finanzielle KĂŒrzungen und konkurrierende Politikformate untergraben.
Dennoch gebe es keine tragfĂ€hige Alternative zur UN. Die Institute fordern die Bundesregierung deshalb auf, sich zusammen mit mittleren und kleineren Staaten fĂŒr eine stabile Finanzierung und Reformen einzusetzen.
Konflikte auf Rekordniveau
Der Zeitraum zwischen 2021 und 2024 markiert die gewalttĂ€tigste Phase seit Ende des Kalten Krieges, wie es in dem Gutachten heiĂt. Demnach wurden 61 bewaffnete Konflikte in 36 LĂ€ndern verzeichnet, an denen mindestens ein staatlicher Akteur beteiligt war. Gleichzeitig stieg die Zahl der weltweit Vertriebenen im April 2025 auf ĂŒber 120 Millionen.
MilitĂ€rische Gewalt habe sich als regulĂ€res Mittel internationaler Politik etabliert. Regierungen agierten wie staatliche Warlords, die internationale Regeln missachteten und Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzten. Dies zeige sich besonders deutlich in den Interventionen der USA, Russlands und Israels, aber auch in den regionalen Machtprojektionen Pakistans, der TĂŒrkei, Ăthiopiens oder der Golfmonarchien.
Entwicklungszusammenarbeit unter Druck
Zugleich stĂŒnden Entwicklungszusammenarbeit und besonders die humanitĂ€re Hilfe wegen drastischer KĂŒrzungen enorm unter Druck. KĂŒrzungen internationaler Hilfe begĂŒnstigten die InstabilitĂ€t fragiler Staaten und erschwerten eine wirksame PrĂ€vention von Gewaltkonflikten, warnen die Institute.
Um Frieden zu sichern, brauche es zudem glaubwĂŒrdige Sicherheitsgarantien, völkerrechtskonforme Regelungen, einen kontrollierten Umgang mit Sanktionen sowie den Aufbau stabiler staatlicher Strukturen. WaffenstillstĂ€nde alleine sicherten keinen Frieden, betonen die Forscher.
Das Friedensgutachten ist eine jĂ€hrliche Publikation des Bonn International Centre for Conflict Studies, des Leibniz-Instituts fĂŒr Friedens- und Konfliktforschung, des Instituts fĂŒr Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der UniversitĂ€t Hamburg und des Instituts fĂŒr Entwicklung und Frieden der UniversitĂ€t Duisburg-Essen.
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