Xiaomi Aktie: Jefferies senkt Kursziel auf 25,49 Hongkong-Dollar
15.06.2026 - 01:02:08 | boerse-global.de
Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Unternehmensmaßnahmen und Marktreaktion weit auseinander. Das bisher größte Rückkaufprogramm der Firmengeschichte konnte den freien Fall der Aktie nicht stoppen. Der Titel notiert mit 2,89 Euro nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief.
Rekordprogramm, minimale Wirkung
Xiaomi hat ein neues Rückkaufprogramm über bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar beschlossen. Es trat am 2. Juni 2026 in Kraft und läuft bis zur Hauptversammlung 2027. Zum Auftakt erwarb das Unternehmen 10,5 Millionen Class-B-Aktien in einer einzigen Handelssitzung — für rund 298 Millionen Hongkong-Dollar.
Das Vorgängerprogramm hatte Xiaomi bereits intensiv genutzt: rund 399,6 Millionen Aktien im Wert von etwa 14,6 Milliarden Hongkong-Dollar wurden zurückgekauft. Beide Programme zusammen zeigen: Das Management setzt auf Selbstvertrauen als Signal. Der Markt antwortet bislang mit Verkäufen.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie 35,5 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar rund 50 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt mehr als 30 Prozent.
Jefferies sieht drei strukturelle Probleme
Die Investmentbank Jefferies stufte Xiaomi auf „Underperform" herab und senkte das Kursziel um 14 Prozent auf 25,49 Hongkong-Dollar. Auslöser waren schwache Quartalszahlen — und drei gleichzeitig wirkende Belastungen.
Erstens: Das Elektrofahrzeuggeschäft schreibt wieder Verluste. Zweitens: Smartphone-Margen schrumpfen. Drittens: Speicherchipkosten steigen und dürften bis Ende 2027 erhöht bleiben.
Jefferies prognostiziert für die Smartphone-Branche 2026 einen Volumenrückgang von 11,6 Prozent. Für Xiaomi erwartet das Institut sogar einen Rückgang von 15 Prozent. Der Grund: 62 Prozent der 2024 verkauften Xiaomi-Smartphones lagen unter der 200-Dollar-Marke — genau das Segment, das am stärksten unter steigenden Speicherpreisen leidet.
Q1 2026: Gewinn halbiert sich fast
Die Zahlen liefern die Grundlage für den Kursverfall. Der Konzernumsatz fiel im ersten Quartal 2026 um 10,9 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan — die Konsensschätzung lag bei 103,4 Milliarden Yuan. Der bereinigte Nettogewinn brach um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Yuan ein.
Besonders schmerzhaft: die Elektrofahrzeugsparte. Sie verzeichnete operative Verluste von 3,1 Milliarden Yuan — rund 5.600 US-Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug. Das ist ein harter Rückschritt nach zwei Quartalen mit ausgeglichenem Ergebnis. Die Bruttomarge im Automobilgeschäft sank von 23,2 auf 20,1 Prozent.
Im Kerngeschäft sind die Vertragspreise für Smartphone-DRAM auf das Fünffache gestiegen. TV-Speicherpreise haben sich sogar verzehnfacht. Kein Wunder, dass die Margen einbrechen.
Xiaomi investiert dennoch offensiv: Die F&E-Ausgaben stiegen um 33,4 Prozent auf 9,0 Milliarden Yuan. Für das Gesamtjahr plant das Unternehmen rund 40 Milliarden Renminbi für Forschung und Entwicklung.
Auslieferungsziel bleibt ambitioniert
Das Management hält am Ziel von 550.000 Fahrzeugauslieferungen für 2026 fest. Jefferies senkte die eigene Prognose auf 495.000 Einheiten. Diese Lücke zwischen Unternehmensoptimismus und Analystenerwartung spiegelt das eigentliche Spannungsfeld wider: Xiaomi baut auf Wachstum durch Investitionen, während der Markt auf Profitabilität wartet. Ob die Speicherpreise bis Jahresende nachgeben, wird darüber entscheiden, ob das Smartphone-Margenziel von 8 Prozent überhaupt erreichbar bleibt.
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