Studie: Mundgesundheit könnte weibliche Fruchtbarkeit beeinflussen
06.06.2026 - 15:21:27 | dts-nachrichtenagentur.deMichael Klutstein vom Fachbereich Zahnmedizin der HUJI, Leiter des Labors fĂŒr Chromatin- und Alternsforschung, hat gemeinsam mit Asaf Wilensky (Parodontologie) sowie den Doktoranden Paz Kles und Stephen Ameho diesen Zusammenhang untersucht. "Wenn Paare keine Schwangerschaft erreichen, liegt es in einem Drittel der FĂ€lle an der Frau, in einem weiteren Drittel am Mann - der Rest bleibt ungeklĂ€rt", erklĂ€rte Klutstein gegenĂŒber der Jerusalem Post. "Unsere Entdeckung könnte helfen, die Ursache fĂŒr diese dritte Gruppe zu finden. Ăhnliche Effekte könnten auch die mĂ€nnliche Fruchtbarkeit beeintrĂ€chtigen, aber es gibt einen groĂen Unterschied: Frauen haben nur eine begrenzte Anzahl an Eizellen, MĂ€nner dagegen eine riesige Menge an Spermien."
Bislang ist wenig darĂŒber bekannt, wie genau eine chronische MundentzĂŒndung die weibliche Fruchtbarkeit beeinflusst - insbesondere die Eizellen. Die Forscher testeten den Zusammenhang anhand eines Mausmodells. Sie setzten den Tieren Zahnimplantate ein, um eine EntzĂŒndung zu simulieren, und beobachteten die Auswirkungen auf die Fortpflanzung.
Vier Wochen nach dem Einsetzen der Implantate wurden die weiblichen MĂ€use mit MĂ€nnchen verpaart. WĂ€hrend alle unbehandelten Kontrolltiere innerhalb von fĂŒnf Wochen Nachwuchs bekamen, brachte in der Gruppe mit Implantaten nur eines von vier Weibchen Junge zur Welt - und zwar nur ein einziges lebendes Jungtier.
Die Untersuchungen zeigten, dass die EntzĂŒndung nicht auf die Mundhöhle beschrĂ€nkt blieb, sondern eine systemische Immunantwort auslöste, die bis zu den Eierstöcken reichte. Im Eierstockgewebe fanden die Forscher erhöhte Konzentrationen entzĂŒndungsfördernder Botenstoffe sowie VerĂ€nderungen in der Zusammensetzung der Immunzellen. Hinzu kamen oxidative SchĂ€den, eine gestörte Follikelentwicklung und eine verminderte EizellqualitĂ€t.
Auf die Frage, was sie zu der Vermutung eines Zusammenhangs zwischen MundentzĂŒndung und Fruchtbarkeit brachte, sagte Klutstein: "Amos und ich erforschen seit elf Jahren chronische EntzĂŒndungen und Fruchtbarkeit. Krankheiten wie Endometriose oder Lupus gehen mit chronischen EntzĂŒndungen einher. Die Frage war, ob eine EntzĂŒndung so weit wandern kann - vom Mund zu den Eierstöcken - und wie das geschieht." Er rĂ€umte ein, dass die Beweise stĂ€rker seien als erwartet. "Wir gehörten zu den Ersten weltweit, die das untersucht haben."
Nun mĂŒssten Studien am Menschen folgen, so Klutstein. "Aber schon jetzt wĂ€re es ratsam, dass Frauen, die eine Fruchtbarkeitsbehandlung planen, zuerst ihren Zahnarzt aufsuchen, um festzustellen, ob sie unter einer MundentzĂŒndung leiden. Fruchtbarkeitsspezialisten und ZahnĂ€rzte sollten enger zusammenarbeiten. Wir suchen bereits nach einem Medikament, das Frauen vor der Behandlung verabreicht werden könnte."
Die Studie wurde im "Journal of Dental Research" unter dem Titel "Chronic Oral Inflammation Impairs Female Reproduction in a Murine Model" veröffentlicht.
