MordanschlÀge auf Juden geplant? Zwei MÀnner angeklagt
21.05.2026 - 14:57:41 | dpa.de
Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen einen Mann erhoben, der im Auftrag des Irans Juden und Freunde Israels fĂŒr Mord- und BrandanschlĂ€ge ausgespĂ€ht haben soll. Darunter waren den Angaben nach der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie der PrĂ€sident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck.Â
Die Karlsruher Behörde wirft dem DĂ€nen mit afghanischen Wurzeln geheimdienstliche AgententĂ€tigkeit vor. Mitangeklagt ist ein mutmaĂlicher Komplize, der dem verdĂ€chtigten Spion seine UnterstĂŒtzung fĂŒr eine mögliche Anschlagsvorbereitung zugesagt haben soll. Der Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg muss nun entscheiden, ob er die Anklage gegen die beiden MĂ€nner zulĂ€sst und wann es gegebenenfalls zum Prozess kommt.
Festnahme in DĂ€nemark
DĂ€nische Polizeibeamte hatten den damals 53 Jahre alten Hauptbeschuldigten am 26. Juni 2025 in der zweitgröĂten dĂ€nischen Stadt Aarhus festgenommen. Wenige Wochen spĂ€ter wurde er nach Deutschland ĂŒberstellt und in Karlsruhe einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgefĂŒhrt. Seitdem sitzt er in deutscher Untersuchungshaft.
Anfang 2025 soll der mutmaĂliche Spion den Auftrag erhalten haben, Informationen ĂŒber Schuster und Beck einzuholen. «Zudem sollte er zwei jĂŒdische LebensmittelhĂ€ndler in Berlin ausspĂ€hen», so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. AuftragsgemÀà habe der DĂ€ne im FrĂŒhjahr 2025 in Berlin diverse Orte ausgekundschaftet.
Beck fordert Konsequenzen
Den Auftrag sollen ihm nach frĂŒheren Informationen die sogenannten Al-Kuds-Brigaden erteilt haben - die Auslandseinheit der einflussreichen Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht. Zu ihren Aufgaben gehören verdeckte Geheimdienstoperationen im Ausland.
Volker Beck forderte, der Vorgang dĂŒrfe nicht ohne Konsequenzen bleiben: «JĂŒdisches Leben und der Einsatz fĂŒr den jĂŒdischen und demokratischen Staat werden vom Regime der Islamischen Republik Iran auf deutschem Boden mit Ermordung bedroht und angegriffen â immer wieder.» Unter anderem fordert die Deutsch-Israelische Gesellschaft, dass Berlin den iranischen Botschafter ausweisen soll. Zudem sollten weitere iranische Diplomaten zu unerwĂŒnschten Personen erklĂ€rt und sie aufgefordert werden, Deutschland zu verlassen.
Vorbereitungen fĂŒr BrandanschlĂ€ge
Der erste Hinweis auf den mutmaĂlichen Spion kam laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem befreundeten Nachrichtendienst aus dem Ausland. Man habe mit mehreren auslĂ€ndischen Diensten in der Sache kooperiert, sagte er nach der Festnahme im vergangenen Jahr. Eine mit dem Thema vertraute Quelle bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.
Der Festgenommene stehe im Verdacht, Vorbereitungen fĂŒr BrandanschlĂ€ge getroffen zu haben, sagte Dobrindt damals weiter. Unter anderem soll er versucht haben, Menschen anzuheuern, die diese AnschlĂ€ge ausfĂŒhren. Das AuswĂ€rtige Amt bestellte nach der Festnahme den iranischen Botschafter ein.
Iran spricht von «Kampagne», die vom Krieg ablenken solle
Der Iran hatte die VorwĂŒrfe damals entschieden zurĂŒckgewiesen. Die iranische Botschaft in Berlin sprach von «unbegrĂŒndeten und gefĂ€hrlichen Behauptungen», wie die regierungsnahe Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die VorwĂŒrfe seien Teil einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen den Iran abzulenken.
Israel hatte am 13. Juni 2025 den Iran angegriffen und landesweit Ziele bombardiert. Als BegrĂŒndung fĂŒhrte die Regierung die Bedrohung durch Irans umstrittenes Atomprogramm an - Israel befĂŒrchtet, die Islamische Republik könnte eine Atombombe bauen. Der Iran bestreitet dies und reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen. SpĂ€ter bombardierten die USA iranische Atomanlagen. Im Februar brach der Krieg erneut aus, inzwischen gilt eine Waffenruhe.
Weitere Festnahme im November
Im November hatte die Bundesanwaltschaft in DÀnemark dann den nun Mitangeklagten festnehmen lassen. Der Afghane soll dem DÀnen zugesagt haben, einem unbekannten Dritten eine Waffe zu verschaffen und ihn zu einem Mordanschlag auf Volker Beck zu veranlassen, teilte die Behörde mit. Auch er sitzt seit seiner Auslieferung nach Deutschland in Untersuchungshaft.
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte der «Rheinischen Post»: «Einmal mehr wird deutlich, wie zentral die Arbeit unserer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen jene ist, die die Grundfesten der Demokratie zerstören wollen und dabei vor offensichtlich antisemitisch motivierten MordanschlĂ€gen nicht zurĂŒckschrecken».
Beifall im BundestagÂ
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, sprach wĂ€hrend einer Bundestagsdebatte den beteiligten Sicherheitsbehörden seine Anerkennung aus. Gleichzeitig drĂŒcke er â im Namen des Bundestags â seine SolidaritĂ€t mit den Betroffenen aus, sagte er, was mit Applaus quittiert wurde.
Die Konferenz der EuropĂ€ischen Rabbiner (CER) verschĂ€rfte ihre Kritik am Umgang Europas mit der iranischen FĂŒhrung: «SpĂ€testens jetzt darf niemand mehr von EinzelfĂ€llen sprechen», verlangte GeneralsekretĂ€r Gady Gronich. «Das iranische Regime fĂŒhrt einen systematischen Terrorkrieg gegen Juden, gegen Israel und gegen demokratische Gesellschaften â auch mitten in Europa und auf deutschem Boden.» SĂ€mtliche Finanzierungs-, Tarn- und Einflussstrukturen in Europa mĂŒssen kompromisslos offengelegt und zerschlagen werden. Ăhnliche Forderungen erhob auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft.
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