Strafverfahren und Landtagsdebatte nach Essener Demo
06.11.2023 - 14:51:56 | dpa.de
Nach der umstrittenen Pro-PalÀstina-Demonstration in Essen vom Freitag ermittelt die Polizei gegen einen der Redner wegen Volksverhetzung. Das teilte die Behörde in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft mit. Bei dem Marsch wurden laut Polizei auch Symbole und Zeichen gezeigt, wie sie der «Islamische Staat» verwendet. Die SPD-Landtagsfraktion und das Innenministerium beantragten dazu beide eine Debatte im Innenausschuss.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat die ZustÀnde «unertrÀglich» genannt. «Was wir da sehen mussten, ist mit unserem VerstÀndnis von Demokratie, mit unserer Vorstellung des friedlichen Zusammenlebens in unserer demokratischen Gesellschaft nicht vereinbar», sagte Faeser der Deutschen Presse-Agentur.
In Deutschland dĂŒrfe jeder seine Meinung frei Ă€uĂern und friedlich demonstrieren. «Aber die rote Linie ist: Es gibt null Toleranz fĂŒr antisemitische und israelfeindliche Hetze, es gibt null Toleranz fĂŒr Gewalt. Wir tolerieren nicht, dass ein islamischer Gottesstaat auf unseren StraĂen propagiert wird», sagte Faeser. Wer Freiheitsrechte derart missbrauche, um Straftaten und Hass zu propagieren, könne sich nicht auf den Schutz der Meinungsfreiheit berufen. Faeser sagte: «Diese Linie muss unser Rechtsstaat konsequent durchsetzen: mit Versammlungsverboten, wenn antisemitische und islamistische Hetze droht, und hartem polizeilichen Einschreiten.»
«Nur schwer ertrÀglich»
Auch Essens OberbĂŒrgermeister Thomas Kufen (CDU) zeigte sich empört: «Nur schwer ertrĂ€glich. Islamisten, Antidemokraten und Judenhasser ziehen geschĂŒtzt durch das deutsche Grundgesetz durch Essen», erklĂ€rte Kufen. «Den Initiatoren ging es offensichtlich weniger um das Leid der Menschen im Gaza-Streifen, sondern viel mehr um die Verbreitung radikalislamistischer Parolen.»
Zu der friedlich verlaufenen Demonstration waren etwa 3000 Menschen gekommen. Die Ordner hĂ€tten eine strikte Geschlechtertrennung vorgenommen. Frauen und Kinder hĂ€tten am Ende des Aufzuges laufen mĂŒssen und bei der Abschlusskundgebung an einer anderen Stelle stehen mĂŒssen als die MĂ€nner, berichtete die Polizei. Es seien neben Pro-PalĂ€stina-Fahnen auch Symbole gezeigt worden, die den verbotenen Zeichen des Islamischen Staats und der Taliban Ă€hnelten.
Es lĂ€gen zahlreiche Bild- und Tonaufnahmen der Versammlung vom vergangenen Freitag vor, teilte die Essener Polizei mit. Diese wĂŒrden aktuell durch den Polizeilichen Staatsschutz, Islamwissenschaftler und Dolmetscher ausgewertet.
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