Abschiebungen Türkei, freiwillige Ausreise

Abschiebungen: 2.025 Menschen in die Türkei zurückgeführt

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Von Januar bis September wurden insgesamt 14.324 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Zugleich stieg die Zahl der staatlich geförderten freiwilligen Ausreisen auf 14.140.

Türkei und Syrien als unterschiedliche Zielstaaten

  • Von Januar bis September wurden 2.025 Menschen in die Türkei und 883 nach Georgien abgeschoben.
  • Sechs Abschiebungen führten seit Jahresbeginn nach Syrien.
  • Mehr als 200 Männer wurden in diesem Jahr nach Afghanistan zurückgeführt.
  • Im Oktober gab es Proteste gegen Abschiebungen, denen sich mancherorts Hunderte von Menschen anschlossen. (Archivfoto) - Bild: Felix Hörhager/dpa
  • In diesem Jahr wurden schon mehr als 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben. (Archivfoto) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Wer in Spanien seinen Status legalisieren will, muss dafür Dokumente vorweisen. (Archivfoto) - Bild: Emilio Morenatti/AP/dpa
Im Oktober gab es Proteste gegen Abschiebungen, denen sich mancherorts Hunderte von Menschen anschlossen. (Archivfoto)  - Bild: Felix Hörhager/dpa In diesem Jahr wurden schon mehr als 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben. (Archivfoto) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Wer in Spanien seinen Status legalisieren will, muss dafür Dokumente vorweisen. (Archivfoto) - Bild: Emilio Morenatti/AP/dpa

Türkei wird häufigstes Abschiebeziel

Deutschland hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 14.324 Menschen abgeschoben, darunter 2.025 in die Türkei. Damit war die Türkei das häufigste Zielland, obwohl die Zahl der Abschiebungen insgesamt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 18,9 Prozent sank.

Georgien und Algerien folgen

Auf den weiteren Plätzen der Zielstaaten folgten Georgien mit 883 und Algerien mit 629 Rückführungen. Von Januar bis September 2025 hatte Deutschland noch 17.651 Menschen abgeschoben.

Weniger Asylanträge beeinflussen Rückführungen

Ein Grund für den Rückgang ist die gesunkene Zahl neuer Asylanträge. Im ersten Halbjahr stellten 39.646 Menschen erstmals einen Antrag, nach 72.818 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Weniger Rückführungen nach Frankreich

Auch die Rückführungen in EU-Staaten gingen zurück. Nach Frankreich wurden 481 Menschen abgeschoben, nachdem es im Vorjahreszeitraum 842 gewesen waren. Spanien gehörte mit 928 Rückführungen im Vorjahr diesmal nicht zu den zehn wichtigsten Zielstaaten.

Staatlich geförderte Ausreisen nehmen zu

Der Rückgang bei den Abschiebungen bedeutet nicht, dass insgesamt deutlich weniger ausreisepflichtige Menschen Deutschland verlassen haben. Über das Bund-Länder-Programm REAG/GARP reisten bis Ende September 14.140 Menschen freiwillig aus, nach 12.263 im Vergleichszeitraum 2025.

Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan

Seit Jahresbeginn wurden sechs Menschen nach Syrien abgeschoben. Nach Afghanistan brachte Deutschland in diesem Jahr mehr als 200 Männer zurück, von denen die Mehrheit in Deutschland Straftaten begangen hatte.

Kritik von Clara Bünger

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, kritisierte die Zahl der Rückführungen. Unter den in den ersten drei Quartalen abgeschobenen Menschen waren mehr als 1.500 Kinder und 380 Jugendliche.

Proteste gegen Abschiebungen

Im Oktober protestierten Initiativen und Bündnisse unter dem Motto „Bundesweit gegen Abschiebewahn“ unter anderem an den Flughäfen Leipzig/Halle, München und Frankfurt. Die Aktionen richteten sich gegen Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber, Abschiebehaft und den Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur.

Die Zahlen zeigen zwei gegenläufige Entwicklungen: Insgesamt gingen die Abschiebungen in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zurück, während die Türkei als Zielstaat an Bedeutung gewann. Mit 2.025 Rückführungen lag sie klar vor Georgien und Algerien. Das verweist auf die unterschiedliche Zusammensetzung der Ausreisepflichtigen und auf die Bedeutung funktionierender Kooperationen mit einzelnen Herkunfts- und Transitstaaten.

Der Rückgang der zwangsweisen Rückführungen steht zugleich im Zusammenhang mit weniger Asylerstanträgen. Im ersten Halbjahr wurden 39.646 Erstanträge registriert, nach 72.818 im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Weniger Verfahren können auch zu weniger Übernahmeersuchen innerhalb der EU führen. Die Entwicklung bei freiwilligen Ausreisen zeichnet jedoch ein anderes Bild: Über REAG/GARP verließen bis Ende September 14.140 Menschen Deutschland, deutlich mehr als im Vergleichszeitraum 2025.

Abschiebungen bleiben politisch umstritten

Für die politische Bewertung reicht deshalb weder der Blick allein auf Abschiebungen noch allein auf die Gesamtzahl der Ausreisen. Zur Steuerung gehören auch freiwillige Rückkehr, Rückübernahmeabkommen, EU-Zuständigkeitsregeln und die praktische Erreichbarkeit von Zielstaaten. Dass sechs Menschen nach Syrien und mehr als 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben wurden, zeigt zudem, dass Rückführungen in besonders konfliktbelastete Staaten möglich bleiben, aber politisch und organisatorisch besondere Voraussetzungen erfordern.

Für Betroffene entscheidet sich die Bedeutung der Statistik an einzelnen Verfahren: Unter den zwangsweise Ausgereisten waren mehr als 1.500 Kinder und 380 Jugendliche. Die Debatte über Rückführungen betrifft damit neben Grenz- und Migrationssteuerung auch Familieneinheit, Kindeswohl, medizinische Gründe und den Zugang zu rechtlicher Beratung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Bericht der Abschiebebeobachtung: Als ginge es nicht um Menschen“ (03.11.2026)

Die taz berichte über den aktuellen Bericht der Abschiebebeobachtung Berlin-Brandenburg und stelle dabei dokumentierte Familientrennungen, Abschiebungen von Menschen mit Einschränkungen sowie die Entwicklung am Flughafen BER in den Mittelpunkt. Anders als die vorliegende Meldung, die bundesweite Zahlen und Zielstaaten bilanziere, richte sich der Schwerpunkt auf Verfahrensabläufe und mögliche Belastungen für Betroffene.

Pressespiegel: Regionale Zahlen und freiwillige Ausreisen

n-tv: „Trend nach unten bei Zahl der Abschiebungen“ (03.11.2026)

Der Beitrag berichte für Rheinland-Pfalz über 674 Abschiebungen in den ersten neun Monaten und stelle ihnen geförderte freiwillige Ausreisen gegenüber. Damit bestätige er den im dpa-Bericht beschriebenen Unterschied zwischen zwangsweisen Rückführungen und freiwilliger Ausreise, setze aber einen regionalen Schwerpunkt.

Beide Beiträge rückten neben der Zahl der Abschiebungen auch die praktische Durchführung und freiwillige Rückkehr in den Vordergrund. Unterschiede ergäben sich vor allem aus der Perspektive: Die taz thematisiere konkrete Abläufe und Folgen, während n-tv regionale Vergleichszahlen darstelle.

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