Adis Ahmetovic: Ermittler durchsuchen Bundestagsbüro und Wohnungen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 17:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie drei SPD-Politiker im Verfahren
- Die Ermittler durchsuchten Ahmetovics Bundestagsbüro sowie zwei Wohnungen in Hannover und eine Wohnung in Berlin.
- Gegen Ahmetovic wird wegen Beihilfe zu wettbewerbsbeschränkenden Absprachen und Verletzung von Geschäftsgeheimnissen ermittelt.
- Gegen Krach geht es unter anderem um den Verdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen, gegen Politze sind die Vorwürfe nicht öffentlich genannt.
Ermittler durchsuchen Ahmetovics Bundestagsbüro
Nach der Aufhebung der Immunität des SPD-Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetovic haben Ermittler dessen Parlamentsbüro sowie drei Wohnungen in Hannover und Berlin durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte erstmals, dass die Maßnahmen mit der Ausschreibung eines ehemaligen Klinikgeländes in Lehrte zusammenhängen.
Elektronische Daten werden ausgewertet
Betroffen waren zwei Wohnungen in Hannover und eine in Berlin. Die Ermittler sicherten elektronische Daten, die nun ausgewertet werden, und erhielten von Ahmetovic ein Smartphone.
Gegen den 33-Jährigen wird wegen des Verdachts der Beihilfe zu wettbewerbsbeschränkenden Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen ermittelt. Welche konkreten Handlungen ihm vorgeworfen werden, teilte die Behörde zunächst nicht mit.
Verteidigung kündigt Beschwerde an
Ahmetovic weist die Vorwürfe über seinen Anwalt zurück. Die Verteidigung kündigte Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss an und bezeichnete die Maßnahme als rechtswidrig, überflüssig und unverhältnismäßig.
Die SPD Hannover betonte die Unschuldsvermutung und erklärte, sie wünsche sich eine schnelle Klärung der Vorwürfe. Eine Durchsuchung in der hannoverschen SPD-Geschäftsstelle fand nicht statt, weil Ahmetovic dort nach Angaben der Staatsanwaltschaft kein Büro hat. Auch sein Wahlkreisbüro war nicht betroffen.
Auch Krach und Politze stehen im Fokus
In dem Verfahren spielen zudem der frühere Regionspräsident Steffen Krach und der zurückgetretene niedersächsische SPD-Landtagsfraktionschef Stefan Politze eine Rolle. Gegen Krach ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie wegen möglicher wettbewerbsbeschränkender Absprachen und Verletzungen von Geschäftsgeheimnissen und Geheimhaltungspflichten.
Krach war als Regionspräsident Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Region Hannover. Er erklärte, ein Unternehmer habe Ende Dezember des vergangenen Jahres 9.900 Euro an die Berliner SPD gespendet. Nach seiner Darstellung veranlasste er nach der Information darüber die Rücküberweisung. Den Zuschlag für das Klinikgelände habe ein anderer Bewerber erhalten; bei der Abstimmung habe er sich enthalten.
Politze trat als Fraktionschef zurück
Auch gegen Politze bestätigte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen. Die Behörde machte zunächst keine Angaben zum konkreten Gegenstand. Politze trat inzwischen als niedersächsischer SPD-Landtagsfraktionschef zurück und erklärte, er sei von seiner Unschuld überzeugt.
Die Ermittlungen verbinden kommunale Immobilienpolitik, Parteispenden und die parlamentarische Arbeit eines Bundestagsabgeordneten. Im Zentrum steht der Verkauf eines früheren Klinikgeländes in Lehrte. Nach Darstellung von Steffen Krach erhielt die Berliner SPD Ende Dezember des vergangenen Jahres eine Spende von 9.900 Euro eines Unternehmers, die er nach seiner Darstellung zurücküberweisen ließ. Den Zuschlag habe schließlich ein anderer Bewerber erhalten.
Der Vorgang erhält durch die Durchsuchung des Bundestagsbüros eine besondere politische Dimension. Die Aufhebung der Immunität ermöglicht den Vollzug gerichtlicher Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse gegen Adis Ahmetovic. Die Ermittler sicherten elektronische Daten und erhielten ein Smartphone; welche konkreten Handlungen dem Abgeordneten vorgeworfen werden, ist weiterhin nicht öffentlich erläutert.
Ermittlungen mit Folgen für die SPD
Für die SPD in Niedersachsen und Berlin stehen damit mehrere politische Ebenen nebeneinander: Ahmetovic ist Co-Vorsitzender der SPD Hannover, Krach führt die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, und Politze ist als niedersächsischer SPD-Landtagsfraktionschef zurückgetreten. Die Unschuldsvermutung gilt für alle Betroffenen. Politisch dürfte der Fall vor allem dann an Gewicht gewinnen, wenn sich aus den ausgewerteten Daten konkrete Hinweise auf Absprachen, Einflussnahme oder den Umgang mit Geschäftsgeheimnissen ergeben.
Für Bürgerinnen und Bürger ist der Fall auch deshalb relevant, weil öffentliche Klinikimmobilien und kommunale Vergabeverfahren erhebliche Vermögenswerte berühren. Entscheidend werden nun die Auswertung der beschlagnahmten Daten, die angekündigte Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss und die weiteren Entscheidungen der Staatsanwaltschaft Hannover sein.
