Deutschland, Gesundheit

Ärzte fĂŒr mehr Terminsteuerung - mit Anreizen

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 14:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wohin zuerst bei einer Erkrankung? Um das System effizienter zu machen und Wartezeiten zu verringern, sollen Patientinnen und Patienten gezielter zu Spezialisten gelotst werden. Halten sie sich daran?

Der PrÀsident der BundesÀrztekammer möchte, dass Patienten bei Beschwerden zuerst zum Hausarzt gehen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Der PrÀsident der BundesÀrztekammer möchte, dass Patienten bei Beschwerden zuerst zum Hausarzt gehen. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Die geplante stĂ€rkere Steuerung zu Facharztterminen sollte aus Ärztesicht mit spĂŒrbaren Anreizen fĂŒr Patienten verbunden sein. «Die Menschen mĂŒssen erleben, dass es am besten fĂŒr sie lĂ€uft, wenn sie zuerst in die Hausarztpraxis gehen und im Bedarfsfall von dort aus eine Weiterleitung organisiert wird», sagte ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband warb fĂŒr spĂŒrbare Vorteile und forderte, Abweichungen «angemessen» zu sanktionieren.

Die schwarz-rote Koalition will ein verbindliches PrimĂ€rversorgungssystem einfĂŒhren, bei dem Patientinnen und Patienten in der Regel primĂ€r, also zuerst, in eine Hausarztpraxis gehen. Diese soll sie bei Bedarf - mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum - an FachĂ€rzte ĂŒberweisen. Kommen soll außerdem eine online-gestĂŒtzte einheitliche EinschĂ€tzung von Beschwerden noch vor Praxisbesuchen. Greifen solle das neue System voraussichtlich 2028.

«Spielregeln» mit Folgen 

Reinhardt erklĂ€rte: «Wer sich nicht an sinnvolle Spielregeln hĂ€lt, sollte erleben, dass er im Zweifel lĂ€nger wartet als jemand, der genauso krank ist, aber die Spielregeln eingehalten hat.» Am Ende könne auch die Frage nach «finanziellen Mechanismen» stehen. Ziel sei auch, Wartezeiten zu verkĂŒrzen. Mit 9,7 Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr liege Deutschland europaweit weit oben. Zudem gebe es eine der höchsten Krankenhausbehandlungszahlen weltweit. «Das sind auch Folgen unseres völlig ungeregelten Zugangs zu Gesundheitsleistungen.»

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklĂ€rte, das deutsche System sei ohne Zweifel ineffizient. Doch die Ärzte-Lobby ziehe die falschen SchlĂŒsse. «Die Patientinnen und Patienten sind nicht die alleinigen Schuldigen fĂŒr das Systemversagen», sagte Vorstand Eugen Brysch. Ärztinnen und Ärzte selbst trĂŒgen entscheidend dazu bei. «Weiterhin wird nicht BehandlungsqualitĂ€t honoriert, sondern die Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte.» Er warnte davor, Hilfesuchende zusĂ€tzlich zur Kasse zu bitten, wenn sie direkt Facharztkontakte wĂ€hlen. Eine «massive Verunsicherung der Menschen» sei dann verstĂ€ndlich.

Verband: Steuerung nicht ĂŒber Apotheken

Der HausĂ€rzteverband forderte Klarheit. Patienten sollten sich fĂŒr oder gegen eine Teilnahme an einem solchen Versorgungspfad entscheiden können. «Wer sich fĂŒr diese Vorteile entscheidet, muss sich dann aber auch an die Regeln halten», sagte der Vorsitzende Markus Blumenthal-Beier. «DafĂŒr braucht es klare und nachvollziehbare Konsequenzen fĂŒr den Fall, dass Versorgungswege bewusst umgangen werden, etwa direkt die Facharztpraxis aufgesucht wird.»

Der Verband forderte, dass Patientinnen und Patienten wĂ€hrend der regulĂ€ren Praxisöffnungszeiten immer zuerst ihre Hausarztpraxis kontaktieren mĂŒssten - ob digital, telefonisch oder direkt vor Ort. Eine digitale oder telefonische erste EinschĂ€tzung an den Hausarztpraxen vorbei sei abzulehnen. Anlaufstellen und Steuerungsinstanzen dĂŒrften auch nicht etwa Apotheken oder FachĂ€rzte sein.

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