AfD-Verbotsverfahren: Haseloff lehnt Parteiverbot ab und stÀrkt Merz
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 07:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSReiner Haseloff, ehemaliger MinisterprÀsident von Sachsen-Anhalt, lehnt ein Verbotsverfahren gegen die AfD ab, obwohl er die Partei scharf kritisiert. Zugleich stellt sich der CDU-Politiker nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und traut ihm einen politischen Kurswechsel zu.
Haseloff hĂ€lt AfD-Verbot fĂŒr unrealistisch
In einem Interview mit der âWelt am Sonntag" sagte Haseloff, ein AfD-Verbotsverfahren sei nicht erfolgsversprechend und politisch problematisch. Auf die Frage, ob er angesichts seiner EinschĂ€tzung fĂŒr ein Parteiverbot sei, antwortete er klar mit Nein und nannte ein solches Vorgehen unrealistisch. Zwar sei die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem aus seiner Sicht richtig, daraus folge jedoch nicht automatisch, dass ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Aussicht auf Erfolg oder politischen Sinn habe.
Respekt vor WĂ€hlerstimmen in Sachsen-Anhalt
Haseloff verwies darauf, dass man eine Partei, die 43,8 Prozent der Stimmen erhalten habe, nicht einfach wahltechnisch eliminieren könne. Die Menschen mit ihren Ăberzeugungen blieben ebenso wie ihre Probleme bestehen. Statt juristischer MaĂnahmen fordert er politische Antworten auf den Frust jener WĂ€hler, die sich wegen konkreter Belastungen der AfD zugewandt hĂ€tten.
UnterstĂŒtzung fĂŒr Kanzler Merz
Gleichzeitig stĂ€rkt Haseloff Bundeskanzler Friedrich Merz den RĂŒcken. Er rĂ€umt ein, dass Merz gesellschaftliche VerĂ€nderungen ĂŒber lĂ€ngere Zeit nur von der Seitenlinie erlebt habe und sich politische Handlungsmöglichkeiten in der Regierungsverantwortung anders darstellten als im Wahlkampf. GrundsĂ€tzlich beschreibt er den Kanzler jedoch als klugen und erfahrenen Mann.
Merz und der Umgang mit politischen Versprechen
Als Beispiel nennt Haseloff Merzâ Wahlkampfversprechen, das Verbrennerverbot abzuschaffen. Merz habe spĂ€ter feststellen mĂŒssen, dass dieser Weg lang sei und maĂgeblich in BrĂŒssel entschieden werde. Aus Sicht des ehemaligen MinisterprĂ€sidenten zeigt dies, wie komplex die Umsetzung politischer AnkĂŒndigungen im europĂ€ischen Rahmen ist.
Erwartung eines Kurswechsels nach der Wahl
Haseloff ist ĂŒberzeugt, dass Merz aus dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt Konsequenzen ziehen wird. Auf die Frage, ob der Kanzler noch lernfĂ€hig sei, antwortete er mit Ja und verwies auf dessen Ehrgeiz und den langen Weg zur aktuellen Gestaltungsmacht. Der CDU-Politiker erwartet eine inhaltliche und empathische Neuausrichtung: Merz werde nach dieser Wahl âein neues Kapitel" aufschlagen.
Forderung nach schnellen Ergebnissen der Bundesregierung
Von der Bundesregierung verlangt Haseloff nun schnelle und spĂŒrbare Ergebnisse. Vor allem jene Menschen, die aus Frust ĂŒber konkrete Belastungen fĂŒr die AfD gestimmt hĂ€tten, mĂŒssten wieder erreicht werden. Die BĂŒrger sollten nach seiner Vorstellung klar wahrnehmen, dass die Regierung die Warnsignale verstanden habe und darauf mit konkretem Handeln reagiert.
Die klare Absage Reiner Haseloffs an ein Verbotsverfahren gegen die AfD fĂ€llt in eine Phase, in der in Deutschland erneut ĂŒber juristische Schritte gegen die Partei diskutiert wird. Hintergrund sind hohe AfD-Ergebnisse in mehreren ostdeutschen LĂ€ndern und die Einstufung als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz. Haseloff stellt sich dennoch gegen ein Parteiverbot und verweist auf die politische RealitĂ€t: Millionen WĂ€hlerstimmen lieĂen sich nicht durch einen Gerichtsentscheid aus der Welt schaffen.
Juristische HĂŒrden und politischer Konflikt
Ein Parteiverbot durch das Bundesverfassungsgericht ist an besonders hohe rechtliche HĂŒrden geknĂŒpft. FrĂŒhere Verfahren, etwa gegen die NPD, haben gezeigt, dass selbst bei klarer Verfassungsfeindlichkeit ein Verbot nicht automatisch gelingt. Zugleich warnen Kritiker eines Verbots vor einer weiteren Polarisierung, weil sich AfD-AnhĂ€nger in ihrer Ablehnung des "Establishments" bestĂ€tigt fĂŒhlen könnten. Haseloff greift diesen Punkt auf, indem er betont, dass die zugrunde liegenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Menschen politisch gelöst werden mĂŒssten.
Signal an Merz und die Bundesregierung
Bemerkenswert ist, dass Haseloff seine Kritik an der AfD mit einer UnterstĂŒtzung fĂŒr Friedrich Merz verbindet. Er traut dem Kanzler ausdrĂŒcklich einen Kurswechsel zu und fordert âschnelle und spĂŒrbare Ergebnisse" der Bundesregierung. Damit erhöht er den Druck, gerade in Sachsen-Anhalt und anderen ostdeutschen LĂ€ndern zĂŒgig MaĂnahmen zu ergreifen, die Einkommenssorgen, hohe Energie- und Lebenshaltungskosten sowie Unzufriedenheit mit staatlichen Leistungen mindern. FĂŒr Leser bedeutet dies: Die Auseinandersetzung mit der AfD wird zunehmend weniger juristisch und stĂ€rker politisch gefĂŒhrt â ĂŒber konkrete Politikangebote, wirtschaftliche StabilitĂ€t und Vertrauen in staatliches Handeln.
