Alexander Zverev stürmt ins US-Open-Finale und greift nach zweitem Grand-Slam-Titel
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAlexander Zverev hat bei den US Open das Finale erreicht und sich damit eine große Chance auf seinen zweiten Grand-Slam-Titel erarbeitet.
Klarer Halbfinal-Sieg gegen Chatschanow
Im Halbfinale von New York ließ der an Nummer eins gesetzte Hamburger dem russischen Außenseiter Karen Chatschanow keine Chance. Zverev gewann die Partie nervenstark mit 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6) und bestätigte seine starke Form bei Grand-Slam-Turnieren. Er präsentierte sich im Arthur-Ashe-Stadium konzentriert und legte vor allem in den entscheidenden Momenten zu.
Vor den Augen der früheren Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng und Ronaldo kontrollierte Zverev das Match über weite Strecken. Gegen Chatschanow hatte er sich bereits im olympischen Finale von Tokio 2021 die Goldmedaille gesichert, nun setzte er seine Erfolgsserie gegen den Russen fort.
Erstes deutsches US-Open-Finale seit Becker möglich
Mit dem Finaleinzug kann Zverev als erster Deutscher seit Boris Becker 1989 den Titel im Männer-Einzel bei den US Open gewinnen. Am Sonntag trifft er in seinem zweiten US-Open-Endspiel auf den Sieger des Duells zwischen den Amerikanern Ben Shelton und Frances Tiafoe. Im Vergleich zu seinem ersten Finale 2020, als ihm gegen Dominic Thiem nach einer 2:0-Satzführung nur zwei Punkte zum Titel fehlten, will der Hamburger es diesmal besser machen.
Durch das sechste Grand-Slam-Finale seiner Karriere hat Zverev mehrere deutsche Bestmarken übertroffen. Als erster deutscher Profi im Herrenbereich steht er in einem zweiten US-Open-Finale und lässt Boris Becker, Michael Stich und Gottfried von Cramm hinter sich. Drei Grand-Slam-Finals in Serie hatte vor ihm ebenfalls noch kein deutscher Spieler geschafft.
Rekorde und Ranglisten-Druck auf die Spitze
Nach seinem Triumph bei den French Open und der Finalniederlage in Wimbledon könnte Zverev seine herausragende Saison in New York krönen. Durch den erneuten Finaleinzug hat er in der Jahreswertung bereits den verletzten Jannik Sinner überholt. Auch dessen Spitzenposition in der Weltrangliste gerät damit zunehmend in Reichweite.
Der Weg ins Finale war für Zverev trotz vieler Spielstunden im Turnierverlauf beeindruckend souverän. Vor der Partie gegen Chatschanow hatte er bereits mehr als 16,5 Stunden auf dem Platz gestanden – mehr als jeder andere Halbfinalist in New York seit Beginn der Zeitmessung. Dennoch wirkte der physisch starke Hamburger frisch und legte sofort ein Break zu Beginn des zweiten Satzes nach.
Prominente Kulisse und kurzer Schreckmoment
Die Ticketpreise für das Halbfinale waren auf dem Zweitmarkt nach Feststehen der Paarung deutlich gefallen, dennoch verfolgten zahlreiche prominente Gäste das Match im größten Stadion der Anlage. Direkt hinter Zverevs Bank saßen die US-Schauspieler Woody Harrelson und Matthew McConaughey.
Die Zuschauer sahen zunächst ein eher verhaltenes Halbfinale, in dem beide Spieler vor allem mit ihrem Aufschlag dominierten. Mitte des ersten Satzes verlor Chatschanow jedoch seine Sicherheit beim Service, Zverev nutzte die Fehler des Gegners und holte sich das entscheidende Break. Nach 37 Minuten ging der erste Satz an den Deutschen, der deutlich weniger leichte Fehler produzierte als sein Kontrahent.
Ausrutscher ohne Folgen, Niveau steigt
Im zweiten Durchgang schimpfte Chatschanow immer wieder lautstark, kämpfte sich jedoch mit viel Emotion zurück ins Match. Zverev gab seinen Aufschlag per Doppelfehler zum 2:2 ab und rutschte kurz darauf an der Grundlinie aus, blieb aber unverletzt und nahm den Zwischenfall mit Humor.
Das spielerische Niveau stieg im weiteren Verlauf, vor allem in den Tie-Breaks wurden die Ballwechsel packender. Im zweiten Satz lag Zverev zunächst 3:5 zurück, kam jedoch zurück und entschied den Tie-Break trotz eines noch abgewehrten Satzballs durch Chatschanow für sich. Der Deutsche breitete danach die Arme aus und ließ sich feiern.
Nervenstärke im dritten Tie-Break
Auch im dritten Satz brachten beide Spieler ihre Aufschläge ohne größere Probleme durch, erneut musste der Tie-Break die Entscheidung bringen. Zverev fühlte sich durch Lichtreflexionen geblendet und kritisierte die Bedingungen auf dem Court als "Lotterie", ob man den Ball sehe oder nicht.
In der entscheidenden Phase zeigte der 29-Jährige erneut Nervenstärke, wehrte zwei Satzbälle ab und verwandelte schließlich den Matchball. Mit dem klaren Drei-Satz-Sieg sicherte sich Zverev den Platz im Finale und wahrte die Chance auf einen historischen Erfolg für das deutsche Herrentennis.
Zverevs Saison im historischen Kontext
Alexander Zverev steht mit dem Einzug in sein sechstes Grand-Slam-Finale in einer Reihe mit den größten Namen des deutschen Herrentennis. Nach dem Titel bei den French Open und dem Endspiel in Wimbledon erreicht er nun auch bei den US Open das Finale und erfüllt damit die seltene Leistung, in einem Jahr bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens das Halbfinale zu erreichen. Diese Konstanz unterstreicht seinen Status als derzeit dominierenden deutschen Spieler und als einen der prägenden Akteure auf der ATP-Tour.
Besondere Bedeutung hat der erneute Finaleinzug in New York auch im Vergleich zur deutschen Tennis-Historie. Zverev kann als erster Deutscher seit Boris Becker 1989 den Titel im Männer-Einzel bei den US Open holen und hat Becker, Michael Stich und Gottfried von Cramm bereits in mehreren statistischen Kategorien überflügelt. Dass er als erster deutscher Spieler in ein zweites US-Open-Finale einzieht und drei Grand-Slam-Endspiele in Serie erreicht, markiert einen strukturellen Sprung gegenüber der langen, eher titellosen Phase im deutschen Herrentennis seit den frühen 1990er Jahren.
Sportliche Bedeutung des Finales in New York
Sportlich geht es im Endspiel nicht nur um einen weiteren Grand-Slam-Titel, sondern auch um zentrale Weichenstellungen im Ranking. Durch den Finaleinzug hat Zverev die Jahreswertung bereits angeführt und den aktuell verletzten Jannik Sinner überholt. Ein weiterer Triumph könnte die Lücke zur Weltranglisten-Spitze weiter schließen und mittelfristig Fragen nach einer möglichen Rückkehr oder dem Sprung auf Platz eins neu stellen. Zugleich ist das Finale eine Art zweite Chance nach der dramatischen Niederlage 2020, als ihm gegen Dominic Thiem nur zwei Punkte zum Titel fehlten.
Für deutsche Tennisfans ist das Endspiel eine seltene Gelegenheit, einen Spieler aus dem eigenen Land um einen der größten Titel des Sports kämpfen zu sehen. Die Partie gegen einen US-Amerikaner im Arthur Ashe Stadium findet vor großer Kulisse und hohem medialen Interesse statt und dürfte auch für den weiteren Verlauf von Zverevs Karriere prägend sein – unabhängig vom Ausgang des Finales.
