Zverev verliert Wimbledon-Finale gegen Sinner
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 20:57 Uhr, dpa.deErst klopfte Alexander Zverev seinem Kontrahenten Jannik Sinner anerkennend auf die Brust. Dann saß die deutsche Nummer eins nach seiner Wimbledon-Finalniederlage mit verschränkten Armen enttäuscht auf seinem Stuhl. Zverev hat die Krönung seines starken Wimbledon-Turniers verpasst. Der French-Open-Sieger verlor das Endspiel des prestigeträchtigen Rasenturniers im Südwesten Londons trotz eines eindrucksvollen Beginns gegen den italienischen Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner nach 3:46 Stunden mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6.
«Jannik, ich mag dich nicht mehr», sagte Zverev mit einem Schmunzeln über seinen Angstgegner Sinner im Interview nach dem Spiel: «Er hat einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist.»
Zverev verpasst zweiten Grand-Slam-Titel
Die Hoffnungen auf den zweiten Grand-Slam-Titel nur fünf Wochen nach dem Premieren-Triumph in Paris und auf den ersten deutschen Wimbledon-Gewinner seit Michael Stich vor 35 Jahren erfüllten sich nicht. Auch mit dem Selbstbewusstsein von Paris und dem gewandelten offensiveren Spiel steckte Zverev die zehnte Niederlage in Serie gegen Sinner ein. Der Italiener, der in den früheren Runden des Turniers verwundbar schien, triumphierte zum zweiten Mal nacheinander in Wimbledon und holte seinen fünften Grand-Slam-Titel.
«Er spielt gegen den besten Spieler der Welt, der einmal mehr zeigt, warum er da steht», sagte Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Experte bei Prime Video. «Wenn man alle vier Sätze nimmt: Ich glaube, dann ist es schon so, dass Jannik vielleicht für zwei, drei, vier Prozent der etwas bessere und konstantere Spieler war.»
Zverev wäre dritter deutscher männlicher Sieger gewesen
In seinem fünften Grand-Slam-Finale musste sich Zverev zum vierten Mal geschlagen geben. Seine beste Wimbledon-Auflage reichte dem US-Open-Finalisten von 2020 somit nicht, um sich als erst dritter deutscher männlicher Tennisspieler in den Siegerlisten zu verewigen. Nur Boris Becker (1985, 1986 und 1989) und Michael Stich (1991) stehen auf der Ehrentafel.
Nach zahlreichen Rückschlägen in Wimbledon in den vergangenen Jahren hatte der Hamburger den Schwung von Paris mit nach London genommen. Mit herausragenden Aufschlägen, Entschlossenheit und aggressivem Spiel setzte Zverev als erster deutscher männlicher Finalist seit Becker 1995 den Topfavoriten Sinner zunächst unter Druck. Der Italiener steigerte sich aber, Zverev gelang im gesamten Match kein Break.
Königlich besetzte Tribüne
Prinzessin Kate und Prinz William sowie ihre Kinder George und Charlotte sowie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sahen, wie Zverev am wichtigsten Tag seines Wimbledon-Wegs einen erfolgreichen Start hinlegte. Mit seinen Aufschlägen brachte er das Publikum mehrmals zum Raunen.
Emotionaler Jubel über ersten Satzgewinn
Im Tiebreak setzte der Spitzenspieler mit einer unerreichbaren Vorhand zum Satzgewinn das erste Ausrufezeichen - jubelnd ging er in die Knie. Es war sein erster Satzgewinn gegen den Südtiroler seit Oktober 2025. In sechs Duellen in Serie war es ihm nicht gelungen, nur einen Durchgang zu holen.
Sobald sich Sinner zum Seitenwechsel setzte, wickelte er ein kühlendes Eis-Handtuch um seinen Nacken. Bei den French Open hatte Zverev davon profitiert, dass der Italiener in der Hitze körperlich eingebrochen und sensationell in der zweiten Runde ausgeschieden war.
Bei unter 30 Grad Celsius war das Wetter am Wimbledon-Finaltag nicht der entscheidende Faktor. Zverev spielte weiter aggressiv, ging ins Risiko. Gegen die Aufschläge des 1,98 Meter großen Hamburgers fand Sinner lange kein Mittel - bis zum zweiten Tiebreak, in dem Zverev sein Niveau nicht halten konnte und deutlich den Kürzeren zog.
Zu Beginn des dritten Satzes nahm Zverev gleich mehrere Energiegels beim Seitenwechsel zu sich. Sinner wirkte frischer, kam zunehmend besser in die Partie und besser mit den Aufschlägen des Hamburgers zurecht.
Schrecksekunde und Schlägerwurf
Doch plötzlich wackelte Sinner. Bei seiner ersten Breakchance im gesamten Match sorgte Zverev allerdings für einen Schreckmoment, rutschte aus, blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, fasste sich ans Knie. Sinner eilte herüber, und half dem Kontrahenten auf - und Zverev konnte weiterspielen. Nachdem er zweieinhalb Sätze kein Break kassiert hatte, gab die deutsche Nummer eins kurz darauf erstmals den Aufschlag zum 3:5 ab. Enttäuscht schleuderte der 29-Jährige seinen Schläger zur Seite.
Nach dem nächsten Satzverlust verschwand Zverev vom Centre Court. Der Weg zum Triumph war nun noch weiter geworden. Mit dem Aufschlagverlust im vierten Satz war das Endspiel entschieden.
