Grüne drängen bei Brent-Preis über 100 Dollar auf Übergewinnsteuer
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Grünen fordern angesichts deutlich gestiegener Ölpreise eine Übergewinnsteuer für große Ölkonzerne in Deutschland. Sie werfen der Bundesregierung vor, die Bürger bei den hohen Spritpreisen im Stich zu lassen.
Audretsch kritisiert Ölkonzerne und fordert neue Steuer
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Audretsch sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, Ölkonzerne verdoppelten, verdreifachten oder verfünffachten ihre Gewinne derzeit – auf Kosten aller, die tanken müssten. Deutschland brauche dringend eine Übergewinnsteuer, bekräftigte der Grünen-Politiker.
Nach seiner Darstellung profitieren die Unternehmen erheblich von den aktuellen Preisbewegungen auf den internationalen Energiemärkten. Aus Sicht der Grünen sollen staatliche Eingriffe dafür sorgen, dass außergewöhnlich hohe Konzerngewinne stärker zur Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern beitragen.
Ölpreis steigt wieder über 100 US-Dollar
Die Preiskurve für Öl zeigt seit einiger Zeit wieder nach oben. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Mittwoch erstmals seit dem 24. Juli wieder mehr als 100 US-Dollar, also rund 86 Euro.
Damit kehrt die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar je Barrel zurück, die in der Vergangenheit häufig Debatten über die Belastung von Autofahrern und Unternehmen ausgelöst hat. Zugleich verschärft der erneute Anstieg den politischen Druck auf die Bundesregierung, Maßnahmen gegen hohe Energie- und Spritpreise zu prüfen.
Schwere Vorwürfe gegen Merz und Reiche
Audretsch kritisierte auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dieser sage einfach nur nein, ohne Vorschlag oder Lösung, und lasse die Menschen im Stich, sagte der Grünen-Politiker.
Zugleich sieht er Energieministerin Katharina Reiche (CDU) in der Pflicht. Diese verbünde sich nach seiner Einschätzung lieber mit großen Öl- und Gaskonzernen in den USA, statt Ölkonzerne in die Schranken zu weisen.
Grüne drängen auf Unabhängigkeit von fossilen Importen
Nach Ansicht von Audretsch treibt dieses Vorgehen Deutschland weiter in die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Man müsse Deutschland unabhängig von Preisschocks an der Tankstelle machen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.
Nötig seien dafür ein Umstieg auf E-Mobilität und günstige E-Autos „made in Germany“. Die Grünen verbinden ihre Forderung nach einer Übergewinnsteuer daher mit dem Ziel, den Verkehrssektor schneller auf elektrische Antriebe umzustellen und die heimische Industrie zu entsprechender Produktion zu bewegen.
Die Forderung der Grünen nach einer Übergewinnsteuer für Ölkonzerne knüpft an frühere Debatten in Deutschland und der EU an. In den Jahren mit stark schwankenden Energiepreisen wurde immer wieder diskutiert, ob Unternehmen mit hohen zusätzlichen Gewinnen in Krisenzeiten stärker besteuert werden sollen, um Haushalte und Wirtschaft zu entlasten. Eine solche Steuer zielt auf Gewinne, die deutlich über dem langjährigen Normalniveau liegen und aus außergewöhnlichen Marktverwerfungen entstehen.
Politischer Konflikt um Energiepreise
Die Äußerungen von Andreas Audretsch stellen die aktuelle Entwicklung der Ölpreise in den Mittelpunkt und verbinden sie mit grundsätzlicher Kritik an der Bundesregierung. Die Grünen sehen nach den jüngsten Preissteigerungen eine besondere Verantwortung der Regierung, Maßnahmen gegen hohe Spritpreise zu ergreifen. Die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz und Energieministerin Katharina Reiche zeigt einen klaren Konfliktkurs: Während die Grünen auf eine stärkere Regulierung und Besteuerung von Ölkonzernen drängen, werfen sie der Regierung vor, zu passiv zu sein und sich zu sehr an fossile Energieimporte zu binden.
Langfristige Energie- und Mobilitätspolitik
Inhaltlich verbindet Audretsch die akute Preisdebatte mit einer langfristigen Strategie für die Verkehrswende. Der geforderte Umstieg auf E-Mobilität und die Produktion günstiger E-Autos in Deutschland sollen die Abhängigkeit von Öl- und Kraftstoffpreisschocks verringern. Die Debatte um eine Übergewinnsteuer ist damit Teil einer größeren Auseinandersetzung über die Ausrichtung der Energiepolitik: Kurzfristige Entlastung an der Zapfsäule steht neben dem Ziel, die deutsche Wirtschaft und die Bürger dauerhaft unabhängiger von fossilen Energien zu machen. Für Leserinnen und Leser ist entscheidend, dass sich an den hohen Preisen die grundlegende Frage entzündet, wie die Kosten der Energiekrise verteilt und welche Rolle der Staat bei der Begrenzung unternehmerischer Gewinne spielt.
