Letzte Generation: Sind nach Razzia «stÀrker als je zuvor»
25.05.2023 - 10:47:01 | dpa.de
Nach der Razzia gegen die Klima-Protestgruppe Letzte Generation betonen die Aktivisten, dass eine Radikalisierung nicht zu befĂŒrchten ist und ihre Proteste weitergehen. Die Durchsuchungen von 15 Wohnungen am Mittwoch hĂ€tten Wunden in das Vertrauen in einen Staat geschlagen, «der friedliche Protestierende wie Schwerverbrecher behandelt», teilte die Gruppe am Donnerstag mit. Man erfahre nun viel UnterstĂŒtzung und werde Proteste, Blockaden und Demonstrationen in den nĂ€chsten Tagen und Wochen auf ganz Deutschland ausweiten.
SPD-GeneralsekretĂ€r Kevin KĂŒhnert bezweifelte, dass die Blockadeaktionen den Klimaschutz voranbringen. Die Frage sei, ob Leute mit durchschnittlichem Einkommen und Wohnsituation jetzt anders auf ihr Auto, ihr Haus, ihren Konsum blickten und zu VerĂ€nderungen bereit seien. «Und das kann ich einfach nicht erkennen», sagte er im Podimo-Podcast «Stand der Dinge», der von der Deutschen Presse-Agentur produziert wird.
Sitzblockaden auf StraĂen und Aktionen in Museen
Die Gruppe macht regelmĂ€Ăig mit Sitzblockaden und Aktionen in Museen auf die Folgen der Erderhitzung aufmerksam. Die Mitglieder kleben sich dabei hĂ€ufig fest - an StraĂen oder auch an Kunstwerken. Kernforderungen sind derzeit Tempo 100 auf allen Autobahnen und ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket fĂŒr den öffentlichen Verkehr.
CDU-Chef Friedrich Merz lehnte ein Treffen mit der Gruppe als sinnlos ab. «Das sind StraftĂ€ter und keine GesprĂ€chspartner», sagte er dem Sender n-tv. Man dĂŒrfe zwar protestieren, und das Bundesverfassungsgericht habe auch kurzfristige Blockaden des öffentlichen Lebens fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt. «Aber massive SachbeschĂ€digung, das BeschĂ€digen von Kunstwerken, das Beschmieren von Gedenktafeln, die Kleberei auf den Autobahnen, mittlerweile auf den Autos selbst, das sind ganz einfach Straftaten, und das hat mit legitimem Protest nichts mehr zu tun.»
FDP-Vize: Letzte Generation macht BĂŒrger wĂŒtend
FDP-Bundesvize Johannes Vogel sagte im ARD-«Morgenmagazin», jede Aktion der Umweltaktivisten fĂŒhre dazu, «dass eine wĂŒtende BĂŒrgerin und ein wĂŒtender BĂŒrger mehr in diesem Land entsteht und Menschen gegen das Ziel Klimaschutz aufgebracht werden.»
Rund 170 Beamte hatten bei der Razzia am Mittwochmorgen 15 Wohnungen und GeschĂ€ftsrĂ€ume der Klimaschutzgruppe in sieben BundeslĂ€ndern durchsucht, wie die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen und das bayerische Landeskriminalamt mitteilten. Der Tatvorwurf lautet auf Bildung beziehungsweise UnterstĂŒtzung einer kriminellen Vereinigung.
Der Extremismusforscher Matthias Quent sieht nun die Gefahr, dass das Vorgehen der Ermittler zu einer Radikalisierung einzelner Mitglieder fĂŒhren könnte, wie er der dpa sagte. Die Gruppe wies solche MutmaĂungen zurĂŒck und erklĂ€rte: «Wenn sich gestern Einzelne fragen, ob die Letzte Generation sich jetzt verĂ€ndert, ja gar in den Untergrund geht, dann haben sie nicht verstanden, was die Letzte Generation eigentlich ist. Die Letzte Generation kommt aus der Mitte der Gesellschaft.»
Demo in Berlin mit 300 bis 400 Menschen
An einer ersten Demonstration am Mittwochabend in Berlin hatten sich nur 300 bis 400 Menschen beteiligt. Auch der Informationskanal der Gruppe bei Telegram hat weiterhin rund 1700 Mitglieder, ohne dass sich daran zuletzt viel geÀndert hÀtte.
Berlins neue Justizsenatorin Felor Badenberg (parteilos) nannte die StraĂenblockaden der Letzten Generation «absolut unverantwortlich». Badenberg fragte: «Wer trĂ€gt die Verantwortung, wenn da jemand zu spĂ€t ins Krankenhaus kommt?» Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: «Wir als Gesellschaft können es nicht gutheiĂen, dass hier Menschen mittels Gewalt ihren Willen durchsetzen wollen.»
Scholz nennt die Aktionen «völlig bekloppt»
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte erklÀrt, die Razzia zeige, «dass der Rechtsstaat sich nicht auf der Nase herumtanzen lÀsst». Am Montag hatte Kanzler Olaf Scholz die Anklebe-Aktionen der Gruppe «völlig bekloppt» genannt.
Unter Juristen ist umstritten, ob die Letzte Generation nach Paragraf 129 des Strafgesetzbuchs als kriminelle Vereinigung eingestuft werden kann. Eine gerichtliche Feststellung dazu gibt es noch nicht. Verschiedene Staatsanwaltschaften ermitteln aber in diese Richtung. Andere wiederum sehen bisher keinen Anfangsverdacht.
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