Endlagersuche, AtommĂŒll

AtommĂŒll-Endlager: BGE grenzt Suche auf unter fĂŒnf Prozent ein

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die BGE hat die geologisch grundsĂ€tzlich geeigneten FlĂ€chen weiter reduziert. FĂŒnf BundeslĂ€nder gehören nicht mehr zur laufenden Suche; eine verbindliche Standortentscheidung steht aber noch aus.

Zwischenlager bleiben bis zur Standortwahl nötig

  • Die BGE hatte 2020 zunĂ€chst 90 Gebiete mit knapp 54 Prozent der deutschen FlĂ€che ausgewiesen.
  • Rheinland-Pfalz schied 2025 aus, Sachsen, Berlin und Hessen wurden 2026 neu aussortiert.
  • Der Bundestag entscheidet nach den weiteren PrĂŒfungen ĂŒber die Regionen fĂŒr die zweite Phase.
Wo soll der deutsche AtommĂŒll auf Dauer lagern? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage ist wieder ein kleines StĂŒck nĂ€hergekommen (Archivbild). - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

BGE grenzt Suche auf weniger als fĂŒnf Prozent ein

Die Bundesgesellschaft fĂŒr Endlagerung hat die Suche nach einem Standort fĂŒr hochradioaktiven AtommĂŒll auf weniger als fĂŒnf Prozent der deutschen LandesflĂ€che eingegrenzt. Die Fachleute halten die dortigen geologischen Bedingungen grundsĂ€tzlich fĂŒr geeignet, wie die BGE in Peine mitteilte.

Damit ist die gesamte LandesflÀche in Bearbeitung oder bewertet.

FĂŒnf BundeslĂ€nder scheiden aus

Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland sind nicht mehr Teil der laufenden Suche. Das letzte Wort bei der Auswahl des Standortes hat der Bundestag.

Das Saarland war bereits 2020 ausgeschieden, Rheinland-Pfalz folgte 2025. Sachsen, Berlin und Hessen wurden in diesem Jahr neu aussortiert.

Von 54 Prozent auf weniger als fĂŒnf Prozent

Im Jahr 2020 hatte die BGE zunĂ€chst 90 Gebiete ausgewiesen, bei denen eine weitere PrĂŒfung lohnenswert erschien. Diese FlĂ€chen umfassten knapp 54 Prozent Deutschlands; inzwischen ist nur noch deutlich weniger als fĂŒnf Prozent der LandesflĂ€che im Auswahlverfahren.

Die Ergebnisse veröffentlicht die BGE auf ihrer Internetseite als interaktive Karte. Bei den laufenden PrĂŒfungen werden zunĂ€chst ausschließlich geologische Faktoren berĂŒcksichtigt.

Sicherheitsanforderungen steigen

Die geologische Sicherheit wird in einem wissenschaftsbasierten Verfahren schrittweise analysiert. Mit jedem PrĂŒfschritt steigen die Anforderungen, sodass weitere Gebiete ausscheiden, wenn sie eine HĂŒrde nicht ĂŒberwinden.

Ein wichtiges Werkzeug sind reprĂ€sentative vorlĂ€ufige Sicherheitsuntersuchungen. Dabei wird anhand vorhandener Geologie- und Geodaten geprĂŒft, ob der sichere Einschluss des hochradioaktiven Abfalls unter den jeweiligen Bedingungen erwartet werden kann.

Granit, Salz und Ton im Fokus

Als potenziell geeignete Gesteinsarten gelten grundsĂ€tzlich Granit, Salz und Ton. Erst in einem spĂ€teren Verfahrensschritt soll berĂŒcksichtigt werden, wie nahe eine geeignete Region etwa an Ballungszentren liegt.

Gebiete mit beschĂ€digtem oder gefĂ€hrdetem Untergrund kommen nicht infrage. Dazu zĂ€hlen unter anderem Bergbaugebiete sowie Regionen mit frĂŒherem Vulkanismus oder erhöhter Erdbebengefahr.

Standortregionen sollen Ende 2027 feststehen

Auch Wasserpfade zur ErdoberflÀche und die WÀrmeabgabe des Abfalls sind entscheidend. Das Endlager soll durch eine mindestens 300 Meter mÀchtige Gesteinsschicht von der OberflÀche getrennt sein.

Die aktuellen ArbeitsstĂ€nde sind noch nicht verbindlich. Die BGE will die Teilgebiete bis Ende 2027 auf Standortregionen fĂŒr die oberirdische Erkundung einengen und diese vorschlagen.

Bundestag entscheidet ĂŒber die nĂ€chste Phase

Nach einer PrĂŒfung durch Wissenschaftler und das Bundesamt fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung entscheidet der Gesetzgeber, also der Bundestag, ĂŒber das weitere Vorgehen.

Bis spĂ€testens 2050 soll ein Endlager fĂŒr rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven AtommĂŒll gefunden werden. Der Abfall aus mehr als 60 Jahren Atomkraft lagert derzeit in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern; die letzten deutschen Atomkraftwerke gingen im April 2023 außer Betrieb.

Die Eingrenzung auf weniger als fĂŒnf Prozent der LandesflĂ€che markiert einen weiteren Schritt in einem Verfahren, das bewusst stufenweise angelegt ist. ZunĂ€chst zĂ€hlt ausschließlich die geologische Sicherheit: Untersucht werden unter anderem Ton, Salz und Kristallingestein sowie die Frage, ob radioaktive Stoffe dauerhaft eingeschlossen und die entstehende WĂ€rme abgefĂŒhrt werden können.

Die GrĂ¶ĂŸenordnung des Problems bleibt trotz der kleinen SuchflĂ€che erheblich. Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall lagern weiterhin oberirdisch in sechzehn Zwischenlagern. Ein Endlager muss nach den gesetzlichen und fachlichen Anforderungen ĂŒber sehr lange ZeitrĂ€ume sicher sein; deshalb scheiden Gebiete bei jedem PrĂŒfschritt aus, wenn sie die wachsenden Sicherheitsanforderungen nicht erfĂŒllen.

Der nÀchste entscheidende Schritt

Die aktuelle Karte ist noch keine Standortentscheidung. Bis Ende 2027 soll die BGE Standortregionen fĂŒr die oberirdische Erkundung vorschlagen. Danach prĂŒfen das Bundesamt fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und der Gesetzgeber die Auswahl. Erst spĂ€tere Untersuchungen vor Ort können zeigen, welche Regionen tatsĂ€chlich weiterverfolgt werden.

FĂŒr die betroffenen BundeslĂ€nder bedeutet das Ausscheiden zunĂ€chst, dass dort nach dem gegenwĂ€rtigen Arbeitsstand keine weitere PrĂŒfung im laufenden Suchschritt vorgesehen ist. FĂŒr die ĂŒbrigen Regionen bleibt das Verfahren offen. Die Zwischenlagerung muss deshalb unabhĂ€ngig vom Fortschritt der Standortsuche noch ĂŒber Jahre organisiert und sicher betrieben werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „AtommĂŒllendlager-Suche: Bundesgesellschaft grenzt Gebiete weiter ein“ (27.10.2026)

Der Beitrag hebt hervor, dass die neue Karte bislang graue PrĂŒfgebiete vollstĂ€ndig einfĂ€rben soll und viele geeignete FlĂ€chen in Norddeutschland liegen könnten. Als weiterer Schwerpunkt werden die langen Verfahrensschritte bis zu einer endgĂŒltigen Entscheidung beschrieben.

stern: „Nuklear-AbfĂ€lle: Neuer Zwischenbericht bei Suche nach AtommĂŒll-Endlager“ (27.10.2026)

Der Artikel ordnet die neue Eingrenzung aus hessischer Perspektive ein und beschreibt, dass große Teile des Bundeslandes bereits zuvor nicht als nĂ€her zu prĂŒfend galten. Gemeinsam ist beiden BeitrĂ€gen der Hinweis, dass die Entscheidung ĂŒber konkrete Standortregionen erst nach weiteren PrĂŒfungen fĂ€llt.

Übereinstimmend steht damit der Fortschritt der geologischen Auswahl im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem beim regionalen Fokus: WĂ€hrend der tagesschau-Beitrag Norddeutschland und den langen Gesamtprozess betont, konzentriert sich der stern auf die Folgen fĂŒr Hessen.

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