AttentÀter war Salafist und schon in der Schule auffÀllig
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 14:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer islamistische AttentĂ€ter von Berlin, Abdul B., hat sich offensichtlich schon jahrelang radikalisiert. Seit 2021 sei bei ihm ein zunehmender Prozess der Radikalisierung festzustellen gewesen, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.Â
Dem Berliner Verfassungsschutz war Abdul B. demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Er habe hier zeitweise einer Gruppe angehört, die missionierend unterwegs gewesen sei - ihr ging es also um Anwerbung weiterer AnhĂ€nger. Bei der Polizei fiel Abdul B. demnach seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.Â
Viele Islamisten in BerlinÂ
Auf die Frage nach der Anzahl der Àhnlich gefÀhrlichen Islamisten, die Kontakte zum IS hÀtten und in die Kategorie «Hochrisikofall» gehören, sprach Spranger von einer einstelligen Zahl. Insgesamt gebe es laut Verfassungsschutz 2.590 Islamisten in Berlin, sagte Spranger. 1.250 Menschen gehörten zur salafistischen Szene. Davon seien 350 gewaltorientiert. «Es gibt weiterhin eine hohe GefÀhrdungslage im Bereich des islamistischen Terrorismus», stellte die Senatorin fest. «Wir wissen alle, dass wir solche Ereignisse nicht mit absoluter Sicherheit verhindern können.»
Auch Spranger plĂ€dierte fĂŒr eine bessere Ăberwachung von GefĂ€hrdern durch eine elektronische FuĂfessel. Bei Personen, deren FĂ€lle im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum behandelt wĂŒrden, könnte automatisch ein entsprechender Antrag bei Gericht gestellt werden. «Dann gibt es eine klare MaĂnahme des Gesetzgebers.»
Opposition: weiterhin zahlreiche offene Fragen
Die Oppositionsfraktionen von GrĂŒnen, Linke und AfD kritisierten, trotz einer stundenlangen Befragung seien viele Fragen noch offen. Man wisse von Senat und Polizei immer noch nicht viel mehr, als das, was Medien schon berichtet hĂ€tten. Die Frage sei, warum der Anschlag nicht verhindert wurde.
Bei dem Terroranschlag am Samstag am Rande des Christopher Street Days (CSD) hatte der 21-jĂ€hrige AttentĂ€ter mit einem Auto mehrere Menschen angefahren, bevor er - vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, 7 davon schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen.Â
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AttentÀter als «Hochrisikofall» eingestuft
Berlins PolizeiprĂ€sidentin Barbara Slowik Meisel berichtete, die Polizei habe Abdul B. Mitte Mai nach dem Urteil seiner Entlassung aus U-Haft als «Hochrisikofall» eingestuft. Dann sei er observiert und mit einer Kamera ĂŒberwacht worden, sein Telefon sei abgehört worden.Â
«Wir haben nichts, aber auch gar nichts gefunden, was uns zu einer Prognose gebracht hĂ€tte, die zu einer FuĂfessel oder PrĂ€ventivhaft gefĂŒhrt hĂ€tte», beteuerte sie. «Das war fĂŒr uns so nicht erkennbar.» Eine durchgehende Observation rund um die Uhr sei kaum möglich und werde nur gemacht, «wenn man sehr klare und konkrete Hinweise auf eine Straftat hat».Â
«Observation kein Allheilmittel»
Slowik Meisel sagte weiter: «Aber wir haben diesen Mann ĂŒberhaupt nicht aus dem Blick gelassen, in keiner Weise und schon gar nicht aus RessourcengrĂŒnden.» Observationen hĂ€tten das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen und Bewegungsbilder zu erstellen und nicht, Taten zu verhindern. «Selbst wenn man jemanden ganz eng begleitet, wenn der in einen Bus steigt, ist das LKA im Auto dahinter und könnte eine Tat in einem Bus nicht verhindern. Das ist also kein Allheilmittel.»
Auch LKA-Vizechef Stefan Redlich sagte: «Das ist nicht geeignet, um jemanden in den Arm zu fallen, wenn er etwas tut. Die Observation ist nur ein Baustein von sehr vielen.» Das fĂŒr Ăberwachungen zustĂ€ndige Mobile Einsatzkommando (MEK) habe Abdul B. nach seiner Entlassung anfangs besonders eng observiert.Â
Der junge Mann habe aber selten die Wohnung verlassen, daher habe man ihn spĂ€ter nur tageweise mit Fahndern ĂŒberwacht. Die Polizei habe ihm die Ausreise untersagt und seinen Pass eingezogen. Mehrfach sei mit ihm gesprochen worden. Redlich betonte: «Den Eindruck, wir haben ihn uns durch die Finger gleiten lassen, den habe ich nicht.»
Aggressiver SchĂŒler ohne Abschluss
Nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» fiel Abdul B. schon als junger SchĂŒler mit aggressivem Verhalten auf. Den Recherchen zufolge wurden bereits ab der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens gefertigt. Die Eltern hĂ€tten nicht mit den Lehrern kooperiert. Die Grundschule wechselte er demnach zweimal, danach besuchte er eine weiterfĂŒhrende Schule in einem Förderzentrum.Â
Abdul B. hatte dem Bericht zufolge Schwierigkeiten auch im emotionalen und sozialen Bereich und Anspruch auf sonderpĂ€dagogische Förderung. Er habe sich in der Folge zu einem Schulverweigerer entwickelt. Die Senatsverwaltung fĂŒr Bildung bestĂ€tigte auf Anfrage den «Morgenpost»-Bericht hinsichtlich der Fakten zur Schulzeit. «Demnach wurde die betreffende Person im Berliner Schulsystem beschult, es wurden bereits frĂŒh UnterstĂŒtzungs- und Förderbedarfe festgestellt, und sie verlieĂ die Schule ohne Schulabschluss.»
Neuer PolizeieinsatzÂ
Unterdessen lief am Anschlagsort im Berliner Tiergarten wie schon am Dienstag ein Polizeieinsatz, bei dem zahlreiche Polizisten offenbar etwas suchten. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestĂ€tigte der dpa, dass die MaĂnahme im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen der Behörde stehe. Nach Informationen des RBB wird nach der Tatwaffe gesucht, mit der Abdul B. nach der Anschlagsfahrt Menschen angegriffen haben soll.
Die Sprecherin der Karlsruher Behörde bestÀtigte zudem, dass Ermittler nach dem Anschlag DNA-Spuren vom TÀter in dem Tatwagen feststellten. Es sei die DNA von Abdul B., sagte sie. Es seien keine weiteren DNA-Spuren in dem Fahrzeug entdeckt worden. Somit sei klar, dass B. den Wagen höchstwahrscheinlich gesteuert habe. ZunÀchst hatte der RBB berichtet.
