Audi-US-Werk, Gernot Döllner

Audi baut erstes US-Werk mit 4.500 Arbeitsplätzen

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Audi plant in Georgia Investitionen von vier Milliarden Dollar und will dort ab Anfang der 2030er Jahre jährlich 200.000 SUVs produzieren. Der gemeinsame Auftritt mit Donald Trump sorgt kurz vor den US-Zwischenwahlen für heftige Kritik von Arbeitnehmervertretern und Politikern.

Audi-Projekt und Konzernvorbehalt

  • Trump kündigte den Bau des Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia am Samstag an.
  • In Georgia sollen jährlich 200.000 SUVs entstehen und 4.500 Arbeitsplätze geschaffen werden.
  • Die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat will erst nach einer Gesamtplanung zu den Standorten über eine Zustimmung entscheiden.
  • Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
  • VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Kritik nach Audi-Ankündigung in Georgia

Audi-Chef Gernot Döllner hat bei einem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump den Bau eines Audi-Werks in Perry im Bundesstaat Georgia angekündigt. VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo, die IG Metall und Grünen-Politiker Anton Hofreiter kritisieren den Auftritt und werfen dem Manager unter anderem aktive Wahlkampfhilfe vor.

Cavallo spricht von Wahlkampfhilfe

Cavallo sagte in einem internen Interview, Döllner sei nach einer Rede Trumps mit Aussagen zu Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Transfeindlichkeit und Demokratieverachtung zum aktiven Teil der Veranstaltung geworden. Sie kritisierte auch den VW-Konzernvorstand um Oliver Blume und verwies auf die historische Verantwortung des Unternehmens.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete Döllners Präsentation als politisch inakzeptabel und dem Unternehmen sowie den Beschäftigten nicht würdig. Nach ihrer Einschätzung verletzte der Auftritt die Unternehmensregeln zur politischen Neutralität vor Wahlen.

Zwischenwahlen stehen kurz bevor

Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Nach den von Cavallo zitierten Richtlinien sind in den letzten drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit kandidierenden Politikern und entsprechende Sponsorings untersagt.

Werk soll 2027 gebaut werden

Audi plant Investitionen von vier Milliarden Dollar, eine Jahresproduktion von 200.000 Sportgeländewagen und 4.500 Arbeitsplätze. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre anlaufen.

Es wäre das erste Werk der Volkswagen-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten. Hofreiter bezeichnete die Pläne als kurzsichtige Schadensbegrenzung und kritisierte, Audi habe bei der Elektromobilität wertvolle Zeit verloren.

Gremien müssen noch zustimmen

Cavallo bewertet eine stärkere Fertigung in den USA betriebswirtschaftlich grundsätzlich als nachvollziehbar. Der US-Markt sei groß und lukrativ, zugleich blieben Fragen zu möglichen Zollerleichterungen für den Konzern und zur Dauerhaftigkeit politischer Zusagen offen.

Eine abschließende Zustimmung der zuständigen Unternehmensgremien liegt noch nicht vor. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat will nach Cavallos Worten erst Klarheit über die Folgen für die übrigen Standorte, besonders in Deutschland, und einen Gesamtblick auf die Konzernplanung erhalten.

Der Auftritt fällt in eine Phase, in der Audi seine Präsenz auf dem US-Markt ausbauen will. Das geplante Werk wäre die erste eigene Produktionsstätte der Marke in den Vereinigten Staaten und soll Fahrzeuge für einen wichtigen Absatzmarkt direkt vor Ort fertigen.

Die wirtschaftliche Logik steht dabei neben einem politischen Risiko. Eine Produktion in den USA kann Lieferketten verkürzen, Wechselkursschwankungen begrenzen und die Belastung durch US-Zölle reduzieren. Zugleich verleiht der gemeinsame Auftritt mit Trump der Investitionsankündigung eine politische Wirkung, weil er unmittelbar bei einer Wahlkampfveranstaltung erfolgte.

Standortentscheidung mit Vorbehalt

Für die Beschäftigten in Deutschland ist entscheidend, wie das US-Projekt in die Gesamtplanung des Volkswagen-Konzerns eingebettet wird. Die Arbeitnehmerseite verlangt deshalb Klarheit über mögliche Folgen für die übrigen Werke, bevor sie einer neuen Fabrik zustimmt.

Auch wirtschaftlich ist das Vorhaben noch nicht abgeschlossen: Nach der Ankündigung stehen die Zustimmung der zuständigen Gremien und konkrete Antworten zu Finanzierung, Zöllen, Standortumfang und langfristiger Auslastung aus. Der geplante Baubeginn 2027 und der Produktionsstart Anfang der 2030er Jahre markieren daher eine mehrjährige Umsetzungsphase.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Erste Produktionsstätte in den USA: Audi macht den Trump-Deal“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Ankündigung als ersten eigenen Audi-Standort in den USA ein und hebt die geplante Kapazität, die Arbeitsplätze und die Bedeutung des US-Marktes hervor. Anders als die dpa-Meldung legt er zusätzlich den Schwerpunkt auf Lieferketten, Zölle und die industrielle Rolle Georgias.

ntv: „Scharfe Kritik an Audi-Chef für Wahlkampfauftritt mit Trump“ (26.10.2026)

Der Artikel bestätigt die Kritik Cavallos und der IG Metall sowie die offenen Fragen zur Zustimmung der VW-Gremien. Zusätzlich berichtet er über weitere politische Kritik und stellt den Gegensatz zwischen der US-Investition und der Beschäftigungslage in Deutschland heraus.

Übereinstimmend steht der politische Auftritt Döllners im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung: Während Euronews stärker die Industrie- und Marktstrategie beleuchtet, konzentriert sich ntv auf die innerbetriebliche und politische Kritik; offen bleibt insbesondere die endgültige Zustimmung zu dem Projekt.

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