Audi-Werk in Georgia, Daniela Cavallo

Audi-Werk in Georgia: Cavallo kritisiert Döllners Trump-Auftritt

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Audi will in Georgia ein Werk für jährlich 200.000 SUVs errichten und dafür vier Milliarden Dollar investieren. Die VW-Konzernbetriebsratschefin kritisiert den gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner und Donald Trump scharf und sieht interne Leitlinien verletzt.

VWs US-Pläne und offene Zustimmung

  • Trump kündigte am Samstag in Perry im Bundesstaat Georgia den Bau eines Audi-Werks an.
  • Audi plant jährlich 200.000 SUVs und Investitionen von vier Milliarden Dollar.
  • Der VW-Aufsichtsrat hat über die neue Fabrik noch nicht entschieden.
  • VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa
VW-Betriebsratschefin Cavallo wirft Döllner «aktive Wahlkampfhilfe» vor. (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Trump und Audi-Chef Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung. (Archivbild) - Bild: Mike Stewart/AP/dpa

Cavallo kritisiert Döllners Auftritt bei Trump

VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Trump hatte dort den Bau eines Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia angekündigt, anschließend trat Döllner auf die Bühne und dankte dem Präsidenten für dessen Unterstützung.

Kritik am Konzernvorstand

Cavallo sagte in einem internen Interview, Döllner habe mit seinem Auftritt aktive Wahlkampfhilfe geleistet. Sie kritisierte auch den VW-Konzernvorstand um Vorstandschef Oliver Blume und warf ihm vor, sich für eine politische Propaganda-Show instrumentalisieren zu lassen.

Die Betriebsratschefin verwies dabei auf die deutsche Geschichte von Volkswagen. Der Konzern war in der Nazi-Zeit gegründet worden und hatte dem Regime von Adolf Hitler als Vorzeigeunternehmen gedient.

Vier Milliarden Dollar für neues Werk

Audi will in Perry im Bundesstaat Georgia jährlich 200.000 Sportgeländewagen produzieren. Geplant sind Investitionen von vier Milliarden Dollar, rund 3,6 Milliarden Euro, sowie 4.500 Arbeitsplätze.

Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre starten. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten.

Interne Leitlinien im Mittelpunkt

Nach Angaben Cavallos untersagen interne Audi-Leitlinien in den letzten drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Politikern. Döllner habe diese Grundsätze erst vor wenigen Monaten unterschrieben.

Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Cavallo bewertete die US-Produktion unabhängig vom Auftritt grundsätzlich als wirtschaftlich nachvollziehbar, verwies aber auf offene Fragen zu Zöllen und möglichen Zusagen der US-Regierung.

Arbeitnehmerseite verlangt Gesamtbild

Eine Zustimmung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat steht nach Cavallos Darstellung noch aus. Sie verlangt zunächst Klarheit über die Auswirkungen der US-Fabrik auf die übrigen Volkswagen-Standorte, insbesondere in Deutschland.

Ob die Arbeitnehmervertreter dem Neubau am Ende zustimmen, sei offen. Cavallo fordert außerdem Antworten auf die Frage, ob mögliche Zollerleichterungen dem gesamten VW-Konzern zugutekommen und über einen Regierungswechsel hinaus Bestand hätten.

Die Auseinandersetzung verbindet eine industriepolitische Entscheidung mit der Frage, wie Unternehmen in einem polarisierten Wahlkampf auftreten. Audi plant in Georgia ein Werk mit hoher Kapazität und erheblichem Investitionsvolumen. Für den Volkswagen-Konzern kann eine stärkere Produktion in den USA helfen, den dort bislang geringen Marktanteil auszubauen und Handelsrisiken zu begrenzen.

Gleichzeitig erhöht der öffentliche Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung die politische Sichtbarkeit des Vorhabens. Nach den internen Audi-Leitlinien sollen in den letzten drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit Kandidaten vermieden werden. Die US-Zwischenwahlen am 3. November rücken diesen zeitlichen Zusammenhang in den Mittelpunkt.

Folgen für Volkswagen und Deutschland

Für die Arbeitnehmerseite steht deshalb nicht nur die Investition selbst im Fokus. Entscheidend ist, welche Auswirkungen eine zusätzliche US-Fertigung auf die deutschen Standorte, die Produktionsplanung und die Verteilung künftiger Modelle haben könnte. Der Aufsichtsrat muss die Option noch beraten; eine Zustimmung liegt nach Cavallos Angaben bislang nicht vor.

Offen bleibt zudem, welche wirtschaftlichen Vorteile mit dem Projekt tatsächlich verbunden sind. Dazu zählen mögliche Zollentlastungen für den Konzern ebenso wie die Dauerhaftigkeit politischer Zusagen. Für Audi wäre das Werk der erste eigene Produktionsstandort in den USA und damit ein langfristiger Schritt, dessen Nutzen an Marktchancen, Kosten und der künftigen Handelspolitik gemessen werden dürfte.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Vier Milliarden für Produktionsstätte in den USA: Audi ...“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordne die Ankündigung als milliardenschwere US-Investition ein und stelle den Auftritt bei Trumps Wahlkampfveranstaltung in den Mittelpunkt. Im Vergleich zur dpa-Meldung liege der Schwerpunkt stärker auf dem Investitionsvorhaben als auf der innerbetrieblichen Kritik.

Deutschlandfunk: „Audi lässt Trump im Wahlkampf Bau eines US-Werks verkünden“ (26.10.2026)

Der Beitrag berichte ebenfalls über die Verkündung des Audi-Werks durch Trump und stelle den möglichen Verstoß gegen interne Konzernrichtlinien heraus. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf die politische Bewertung des Auftritts; die Folgen für den VW-Aufsichtsrat blieben dabei offen.

Gemeinsam sei den Beiträgen die Darstellung des geplanten US-Werks und des Auftritts von Döllner bei Trump. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung von Investitionsumfang, Wahlkampfbezug und internen Konsequenzen.

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