Audi-Werk in Georgia: Döllner erntet Kritik nach Trump-Auftritt
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 15:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAudis US-Pläne und die Reaktionen
- Trump kündigte am Samstag in Perry im Bundesstaat Georgia den Bau eines Audi-Werks an.
- Audi plant dort jährlich 200.000 SUVs und Investitionen von vier Milliarden Dollar.
- Der Produktionsstart soll Anfang der 2030er Jahre erfolgen; Baubeginn ist für 2027 genannt.
Audi-Chef Döllner gerät nach Trump-Auftritt unter Druck
Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Donald Trump, bei dem Audi-Chef Gernot Döllner den Bau eines US-Werks angekündigt hat, prasselt Kritik von Arbeitnehmerseite und Politik auf den Manager ein. Linken-Chef Luigi Pantisano fordert sogar Döllners Rücktritt.
Kritik von Betriebsrat und IG Metall
Trump hatte am Samstag bei einer Veranstaltung in Perry im US-Bundesstaat Georgia überraschend den Bau eines Audi-Werks angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung.
VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner aktive Wahlkampfhilfe vor und kritisierte den gesamten Konzernvorstand um Oliver Blume. Sie verwies zugleich auf die Unternehmensgeschichte und warnte vor einem Spiel mit dem Feuer.
Rücktrittsforderung von Pantisano
Pantisano sagte dem Nachrichtenportal t-online, Döllner müsse seinen Hut nehmen. Gerade bei Volkswagen, an dem das Land Niedersachsen beteiligt ist, müsse der Auftritt Konsequenzen haben.
Auch die IG Metall kritisierte Döllners Präsentation als politisch inakzeptabel und dem Unternehmen nicht würdig. Der bayerische Bezirksleiter Horst Ott warf dem Audi-Chef vor, sich für Trumps Wahlkampf instrumentalisieren zu lassen.
Vorwurf eines Regelverstoßes
Nach Darstellung der Gewerkschaft verletzt Döllner die Unternehmensregeln zur politischen Neutralität. Diese sehen vor Wahlen in den letzten drei Monaten keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien oder Politikern und keine entsprechenden Sponsorings vor.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, kritisierte den Auftritt. Eine Wahlkampfveranstaltung sei nicht der richtige Ort, um eine Investition dieser Größenordnung zu verkünden.
Vier Milliarden Dollar für Georgia
Audi will in Georgia jährlich 200.000 SUVs produzieren. Geplant sind Investitionen von vier Milliarden Dollar, rund 3,6 Milliarden Euro, sowie 4.500 Arbeitsplätze.
Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der Produktionsstart für Anfang der 2030er Jahre. Es wäre das erste eigene Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten.
Entscheidung noch nicht gefallen
Lies bezeichnete eine stärkere Erschließung des US-Markts als strategisch richtig, sofern Arbeit und Wertschöpfung in Deutschland gesichert blieben. Zugleich betonte er, über eine Investition dieser Größenordnung müssten die zuständigen Konzerngremien entscheiden.
Die Grünen kritisierten die Pläne als kurzsichtige Schadensbegrenzung. Offen bleiben damit unter anderem die Auswirkungen auf andere Volkswagen-Standorte und die Bedingungen, unter denen der Konzern das Vorhaben umsetzen will.
Die Ankündigung des Audi-Werks fällt in eine Phase, in der deutsche Autobauer ihre Produktion stärker an den US-Markt und an die dortigen politischen Rahmenbedingungen anpassen. Eine Fertigung in den Vereinigten Staaten kann Transportwege verkürzen, lokale Wertschöpfung schaffen und Unternehmen weniger abhängig von Importen machen. Für Audi wäre der Standort zugleich ein Schritt, um die bisherige Präsenz im US-Markt auszubauen.
Politisch heikel ist der Ort der Verkündung. Döllners Auftritt auf einer Wahlkampfveranstaltung verbindet eine unternehmerische Investitionsentscheidung mit der öffentlichen Inszenierung des US-Präsidenten. Dadurch richtet sich die Kritik nicht gegen die Investition als solche, sondern gegen die Form ihrer Präsentation und die mögliche Nähe zu politischen Botschaften.
Folgen für Volkswagen
Für Volkswagen berührt der Vorgang mehrere Ebenen: die Beziehungen zur US-Regierung, die strategische Positionierung von Audi und die Interessen der Beschäftigten in Deutschland. Die geplanten Milliardeninvestitionen und neuen Arbeitsplätze in Georgia stehen der Forderung gegenüber, die deutschen Standorte und ihre Beschäftigung abzusichern. Entscheidend werden deshalb die konzerninternen Genehmigungen, die konkrete Finanzierung und die Auswirkungen auf bestehende Werke sein.
Auch die zeitliche Nähe zu den US-Zwischenwahlen erhöht den Druck auf die Unternehmensführung. Der Konflikt dürfte damit über die Personalie Döllner hinausreichen und die Frage aufwerfen, wie Unternehmen politische Neutralität, Standortinteressen und staatliche Industriepolitik miteinander vereinbaren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Scharfe Kritik an Audi-Chef für Wahlkampfauftritt mit Trump“ (26.10.2026)
Der Beitrag stelle die Kritik der VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo an Döllners Auftritt heraus. Im Mittelpunkt stehe damit stärker die politische Wirkung des Bühnenauftritts als die wirtschaftliche Begründung des geplanten Werks.
Stern: „'Peinlich': Auftritt von Audi-Chef Döllner in den USA schlägt weiter hohe Wellen“ (26.10.2026)
Der Artikel ordne die anhaltende Kritik in die geplante Audi-Investition in Georgia ein und hebe die genannte Größenordnung von 4,2 Milliarden Dollar hervor. Anders als der n-tv-Beitrag verbinde er die Debatte stärker mit den wirtschaftlichen Eckdaten des US-Werks.
Beide Beiträge verbänden die Kritik am Wahlkampfauftritt mit den Plänen für das Audi-Werk. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von politischer Kontroverse und Investitionsumfang; offen blieben die weiteren konzerninternen Entscheidungen.
