Bärbel Bas, SPD-Führung

Bärbel Bas gibt Ministeramt und SPD-Vorsitz sofort auf

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 17:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bärbel Bas gibt ihre beiden Spitzenämter nach dem Tod ihrer Stieftochter und wegen öffentlicher Angriffe ab. Alexander Schweitzer soll das Arbeitsministerium übernehmen, während die SPD ihre gesamte Führung neu wählen will.

  • Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Klingbeil bedauert den Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Klingbeil bedauert den Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Bärbel Bas (SPD) (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Klingbeil bedauert den Rücktritt der SPD-Co-Vorsitzenden.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Schweitzer soll Arbeitsministerium übernehmen

  • Alexander Schweitzer soll auf Vorschlag von Friedrich Merz neuer Bundesminister für Arbeit und Soziales werden.
  • Lars Klingbeil kündigt für Dezember oder Januar einen Parteitag zur Neuwahl der gesamten SPD-Führung an.
  • Bärbel Bas will ihr Bundestagsmandat für Duisburg behalten und beide Ämter mit sofortiger Wirkung aufgeben.

Bärbel Bas gibt ihr Amt als Bundesarbeitsministerin und den SPD-Parteivorsitz auf und begründet den Schritt mit einem persönlichen Trauerfall sowie Angriffen aus der Union.

Rückzug aus Regierung und Parteiführung

Die 58-jährige Duisburgerin erklärte, sie brauche nach dem Tod ihrer Stieftochter ausreichend Zeit für die Trauer. Zugleich verwies sie auf öffentliche Angriffe, die auch aus den Reihen des Koalitionspartners CDU gekommen seien.

Bas sagte, sie könne momentan nicht die Kraft aufbringen, ihre Regierungs- und Parteiarbeit kurzfristig vollständig auszuüben. Ihr Mandat im Bundestag will sie behalten.

SPD plant Neuwahl der gesamten Spitze

Der verbliebene SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil kündigte einen Parteitag um den Jahreswechsel an. Dort solle die gesamte Führungsriege neu gewählt werden; am Prinzip einer Doppelspitze wolle er festhalten. Ob Klingbeil selbst erneut kandidiert, ließ er offen.

Der Rücktritt erfolgte während einer mehrtägigen CDU-Krisenklausur in Berlin. In der Union war Bas zuletzt vor allem vorgeworfen worden, Gesetzentwürfe zur Rente und zu einem flexibleren Arbeitsmarkt nicht schnell genug vorzulegen.

Merz weist Kritik zurück

Bundeskanzler Friedrich Merz wies den Vorwurf persönlicher Angriffe zurück. Er erklärte, er habe mit Bas stets nur in Sachfragen diskutiert und in den vergangenen Wochen Rücksichtnahme auf ihre persönliche Situation eingefordert.

Aus der SPD kamen dagegen scharfe Reaktionen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete die Attacken als unmenschlich und rücksichtslos; Klingbeil nannte sie unanständig.

Nachfolger soll Alexander Schweitzer werden

Merz will Alexander Schweitzer dem Bundespräsidenten als neuen Arbeitsminister vorschlagen. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz gilt als pragmatisch, lehnt eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aber ab.

Merz erwartet vom Wechsel eine Beschleunigung der Prozesse. Der erste Teil der Rentenreform wurde in Koalitionskreisen zuletzt für Oktober erwartet; den Beschluss im Bundestag verschob der Kanzler in der vergangenen Woche von Jahresende auf das Frühjahr.

Rücktritt trifft Koalition im Reformstreit

Bärbel Bas verlässt die Bundesregierung in einer Phase, in der die schwarz-rote Koalition bei zentralen Vorhaben unter Zeitdruck steht. Besonders die Reform der gesetzlichen Rente und die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit sind politisch umkämpft. Im Arbeitsministerium liegen damit nicht nur Personalfragen, sondern auch Vorhaben mit erheblicher Bedeutung für Beschäftigte, Unternehmen und künftige Rentner.

Alexander Schweitzer soll das Ressort übernehmen. Er gilt als pragmatisch, hat sich bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aber ebenfalls gegen eine vollständige Abschaffung positioniert. Der Wechsel könnte die Abstimmung mit dem Kanzleramt erleichtern, beseitigt den grundlegenden Konflikt zwischen den Koalitionspartnern jedoch nicht. Die Union drängt auf rasche Entscheidungen, während Teile der SPD auf Schutzregelungen und sozialpolitische Verlässlichkeit pochen.

SPD muss Führung und Kurs klären

Politisch schwerer wiegt für die SPD der Verlust ihrer Co-Vorsitzenden. Ein Parteitag um den Jahreswechsel soll die gesamte Führung neu wählen. Damit verbindet sich die Personalfrage unmittelbar mit der programmatischen Ausrichtung der Partei: Sie muss in der Regierung kompromissfähig bleiben und zugleich ihr Profil bei Rente, Arbeit und sozialer Sicherheit behaupten.

Für die Bundesregierung hängt die nächste Phase daher an zwei parallelen Prozessen. Das Kabinett muss das Arbeitsprogramm fortsetzen, während die SPD ihre Führung neu ordnet. Der Rücktritt verschärft die öffentliche Debatte über den Umgang innerhalb der Koalition und erhöht den Druck, die offenen Reformen ohne weitere personelle Auseinandersetzungen voranzubringen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Persönliche Mitteilung Bas tritt als Arbeitsministerin und SPD-Chefin zurück“ (12.10.2026)

Der Bericht bestätige den sofortigen Rücktritt aus persönlichen Gründen und wegen öffentlicher Angriffe. Er setze zusätzlich einen Schwerpunkt auf die bereits laufende Frühkoordinierung von Gesetzentwürfen im Kanzleramt und auf respektvolle Reaktionen aus der CDU.

WDR: „Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bas tritt zurück“ (12.10.2026)

Der Beitrag bestätige die persönlichen und politischen Gründe und rücke stärker die Bedeutung des Rücktritts für die NRW-SPD in den Mittelpunkt. Zudem verweise er auf die Kritik an Bas wegen der Rentenreform und auf die noch offene Nachfolge an der SPD-Spitze.

Beide Berichte stimmten beim Rücktritt, den Gründen und der vorgesehenen Nachfolge im Ministerium überein. Unterschiede gebe es vor allem bei der regionalen Perspektive und bei der Gewichtung des Rentenstreits; offen bleibe die personelle Neuaufstellung der SPD.

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