Bau-Turbo, Verena Hubertz

Bau-Turbo: Hubertz meldet Zustimmung fĂŒr mehr als die HĂ€lfte

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 10:56 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Bau-Turbos sieht Bundesbauministerin Verena Hubertz erste Erfolge. Die neuen SpielrĂ€ume werden laut Monitoring vor allem fĂŒr Bauvorhaben auf bereits genutzten FlĂ€chen eingesetzt.

Kommunen prĂŒfen neue BauantrĂ€ge

  • Das Monitoring umfasst rund 400 Kommunen, die den Einsatz des Bau-Turbos melden.
  • In 72 Prozent der teilnehmenden Kommunen wurde bereits ĂŒber entsprechende AntrĂ€ge verhandelt.
  • Acht Modellkommunen sollen Verfahren und kommunale Leitlinien nun weiterentwickeln.
Verena Hubertz am 03.11.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Kommunen nutzen SpielrÀume des Bau-Turbos

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat ein Jahr nach dem Inkrafttreten des sogenannten Bau-Turbos eine positive Zwischenbilanz gezogen. Nach einem am Dienstag vorgestellten Datenmonitoring nutzen Kommunen die neuen SpielrĂ€ume fĂŒr zusĂ€tzliche Bauvorhaben.

Mehrheit der AntrÀge erhÀlt Zustimmung

In 72 Prozent der rund 400 am Monitoring teilnehmenden Kommunen wurde bereits ĂŒber Bau-Turbo-AntrĂ€ge verhandelt. Mehr als die HĂ€lfte der gestellten AntrĂ€ge erhielt eine Zustimmung.

Nach Angaben des Bauministeriums setzen die Kommunen das Instrument vor allem fĂŒr die Weiterentwicklung bereits genutzter FlĂ€chen ein. Dazu zĂ€hlen Wohn- und Gewerbegebiete, gemischt genutzte FlĂ€chen, LeerstĂ€nde und Brachen.

Schwerpunkt auf bestehenden SiedlungsflÀchen

Fast neun von zehn zugestimmten Wohneinheiten entstehen dem Monitoring zufolge auf FlĂ€chen, die bereits genutzt werden. Rund zwölf Prozent der zugestimmten Wohneinheiten entfallen auf bisherige GrĂŒn- oder LandwirtschaftsflĂ€chen.

Acht Modellkommunen sollen Verfahren erproben

Mit MĂŒnchen, Frankfurt am Main, Duisburg, Kiel, Trier, Ratingen, RĂŒdersdorf bei Berlin und dem Landkreis Nienburg (Weser) will das Ministerium das Instrument weiterentwickeln. Die acht Modellkommunen sollen konkrete AnwendungsfĂ€lle untersuchen, kommunale Leitlinien entwickeln und beschleunigte Verfahren erproben.

Dabei soll zugleich geprĂŒft werden, wie sich stĂ€dtebauliche QualitĂ€ten sichern lassen. Die Kommunen bringen unterschiedliche Ausgangslagen und Fragestellungen in das Modellvorhaben ein.

Hubertz sieht FlÀchenschonung

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Bau-Turbo FlĂ€chen schont, etwa um BaulĂŒcken zu schließen oder GebĂ€ude aufzustocken“, sagte Hubertz. Mit den Modellkommunen wolle das Ministerium nun herausarbeiten, was vor Ort funktioniere und wo Verfahren noch einfacher werden könnten.

Die Erfahrungen sollen anschließend auch fĂŒr andere StĂ€dte und Gemeinden nutzbar gemacht werden. Ziel ist es, möglichst vielen Kommunen die Anwendung der neuen Möglichkeiten zu erleichtern.

Der Bau-Turbo ist Teil des politischen Versuchs, den Wohnungsbau in Deutschland schneller und stÀrker auf bereits erschlossenen FlÀchen zu lenken. Das Instrument soll Kommunen zusÀtzliche SpielrÀume geben, wenn sie Vorhaben innerhalb bestehender Siedlungs- und Nutzungsstrukturen ermöglichen wollen.

Die Monitoring-Zahlen legen nahe, dass der Schwerpunkt bislang auf Nachverdichtung liegt. BaulĂŒcken, Aufstockungen, Umnutzungen und die Entwicklung brachliegender oder bereits bebauter FlĂ€chen können zusĂ€tzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Siedlungsbereiche im gleichen Umfang auszuweiten. Das ist fĂŒr Kommunen mit angespannten WohnungsmĂ€rkten besonders relevant.

FlÀchendruck bleibt politischer Streitpunkt

Gleichzeitig berĂŒhrt das Verfahren Zielkonflikte zwischen schnellerem Wohnungsbau, Umwelt- und Denkmalschutz sowie einer Begrenzung des FlĂ€chenverbrauchs. Die aktuelle Debatte zeigt, dass neben beschleunigten Genehmigungen auch Anreize fĂŒr die Ausweisung von Bauland und eine bessere Nutzung vorhandener FlĂ€chen diskutiert werden.

Die acht Modellkommunen sollen deshalb praktische Leitlinien entwickeln und unterschiedliche Ausgangslagen vergleichen. FĂŒr Mieter, Wohnungssuchende und Kommunen wird entscheidend sein, ob aus den bisherigen AntrĂ€gen tatsĂ€chlich zusĂ€tzliche Wohnungen entstehen und ob schnellere Verfahren dauerhaft mit stĂ€dtebaulicher QualitĂ€t vereinbar bleiben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Marktbericht: Teurer Wohnraum bremst Deutschlands Wirtschaft“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordnet den Bau-Turbo in die weiter angespannte Wohnungsmarktlage ein und fragt nach den konkreten Ergebnissen des seit einem Jahr geltenden Gesetzes. Der Schwerpunkt liegt stÀrker auf den wirtschaftlichen Folgen hoher Wohnkosten als auf den kommunalen Monitoring-Zahlen.

taz: „Landnutzung und Mietpreise: Berater der Bundesregierung fordert mehr FlĂ€chenverbrauch“ (02.11.2026)

Der Artikel beleuchtet den Zielkonflikt zwischen zusÀtzlichem Wohnungsbau und FlÀchenschutz. Er setzt damit einen anderen Akzent als das Ministerium, das bei den zugestimmten Wohnungen den Schwerpunkt auf bereits genutzten FlÀchen hervorhebt.

Übereinstimmend steht der beschleunigte Wohnungsbau im Mittelpunkt. Unterschiede gibt es bei der Bewertung des FlĂ€chenverbrauchs und bei der Frage, wie stark Nachverdichtung allein zur Entlastung des Wohnungsmarkts beitragen kann.

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