Beamtenbund-Chef wirft Bas und Linnemann Populismus vor
13.06.2026 - 06:36:42 | dts-nachrichtenagentur.deZugleich brachte Geyer die Kritik aus der Politik mit Ăbergriffen auf Staatsbedienstete in Verbindung. Feuerwehrleute wĂŒrden im Einsatz attackiert, Polizisten bespuckt und angegriffen, BeschĂ€ftigte in BĂŒrgerĂ€mtern bedroht. Und gleichzeitig stellten Spitzenpolitiker das Berufsbeamtentum infrage. Er frage sich manchmal, ob die sich vorstellen könnten, was das mit seinen Kollegen mache, die jeden Tag den Kopf fĂŒr dieses Land hinzuhalten, so Geyer. Wer bei Beamten von "Privilegien" spreche, habe den Kontakt zur Wirklichkeit verloren.
Die Politik glaube, mit Beamtenschelte ein paar Prozentpunkte in Umfragen gutmachen zu können. Das sei reiner Populismus, und zwar wider besseres Wissen, sagte Geyer. Die gleichen Politiker, die morgens Beamte als Privilegierte angriffen, erwarteten abends einen funktionierenden Staat.
Konkret griff Geyer die SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas und CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann an. Er warf Bas vor, ihr Vorschlag, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, sei reiner Populismus. Dieser sei verfassungswidrig und wĂŒrde den Steuerzahler jĂ€hrlich mindestens 20 Milliarden Euro mehr kosten, weil man andere Ausgaben fĂŒr Beamte bei einem Systemwechsel deutlich erhöhen mĂŒsste.
Den Vorschlag von Linnemann, das Beamtentum auf hoheitliche Kernaufgaben zu beschrÀnken, bezeichnete Geyer als griffig, aber nicht zu Ende gedacht. Das BeamtenverhÀltnis sei in vielen Bereichen angesichts des FachkrÀftemangels der einzige Wettbewerbsvorteil des Staates am Arbeitsmarkt. Linnemann hatte gefordert, nur noch dort zu verbeamten, wo ein besonderes TreueverhÀltnis zum Staat existierte, etwa bei Polizei, Feuerwehr oder Finanzbehörden.
Die von Bas und Linnemann vorgebrachten VorschlĂ€ge treffen einen sensiblen Punkt im Gerechtigkeitsempfinden vieler BĂŒrger. Sichere ArbeitsplĂ€tze, staatliche Pensionen und Gesundheitsversorgung ĂŒber die Beihilfe gelten gerade in unsicheren Zeiten als Privilegien. Das liegt auch daran, dass Pension und gesetzliche Rente grundsĂ€tzlich unterschiedlich funktionieren. Bei Arbeitnehmern hĂ€ngt die spĂ€tere Rente davon ab, was sie ĂŒber ihr gesamtes Berufsleben verdienen und einzahlen. Zeiten mit niedrigen Löhnen, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit drĂŒcken die AnsprĂŒche. Die Beamtenpension orientiert sich dagegen vor allem am letzten ausgeĂŒbten Amt und an der Dienstzeit. Beamte zahlen zudem nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ihre Pensionen werden aus den Haushalten finanziert.
Die Beamten kommen aktuell politisch unter Druck, weil im Zuge der geplanten Sozialreformen auch ĂŒber grundsĂ€tzliche Ănderungen der Systeme debattiert wird. Die Rentenkasse wird durch den demografischen Wandel belastet. Die Haushalte sind angespannt, zugleich wĂ€chst der Ărger ĂŒber eine langsame Verwaltung. Ende Juni soll die Rentenkommission ihre Reformempfehlungen prĂ€sentieren, und noch vor der Sommerpause wollen Union und SPD ihre ReformplĂ€ne in zentralen Bereichen auf den Weg bringen. Weitreichende Entscheidungen ĂŒber die geplanten Arbeits-, Sozial- und Steuerreformen sowie den Haushalt sollen bereits beim Koalitionsausschuss am 1. Juli getroffen werden.
