Krankenversicherung, Gesundheitspolitik

SoVD zum Gesetzesentwurf zur GKV-Reform: Hier muss Vieles nachgebessert werden

17.04.2026 - 15:57:31 | presseportal.de

Berlin - Der SoVD kritisiert den vorliegenden Gesetzesentwurf zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deutlich. Aus Sicht des Verbandes verfehlt der Entwurf zentrale sozialpolitische Zielsetzungen und belastet einseitig die Versicherten. "Die geplanten Maßnahmen gehen an den tatsĂ€chlichen Herausforderungen vorbei und drohen, die solidarische Gesundheitsversorgung weiter auszuhöhlen", erklĂ€rt die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Der SoVD weist darauf hin, dass die Finanzierung der GKV bereits heute maßgeblich von den Versicherten und ihren Arbeitgebenden getragen wird. In den vergangenen Jahren seien die ZusatzbeitrĂ€ge erheblich gestiegen - im Jahr 2026 liegen sie je nach Krankenkasse zwischen 2,18 und 4,39 Prozent. Vor diesem Hintergrund sei es "falsch und irrefĂŒhrend", den Versicherten nun einen zusĂ€tzlichen "besonderen Beitrag" zur Schließung der FinanzierungslĂŒcke abzuverlangen. Zugleich kritisiert der Verband die im Gesetzentwurf angelegte stĂ€rkere Orientierung der Ausgaben an den Einnahmen. Dies berge die Gefahr einer "Gesundheit nach Kassenlage". Stattdessen brauche es eine konsequente Ausrichtung der Versorgung an den tatsĂ€chlichen Bedarfen der Patientinnen und Patienten. "Eine bedarfsgerechte, evidenzbasierte Versorgung kann nicht nur die QualitĂ€t verbessern, sondern auch ineffiziente und renditegetriebene Ausgaben reduzieren", so Engelmeier.

SoVD zum Gesetzesentwurf zur GKV-Reform: Hier muss Vieles nachgebessert werden - Foto: presseportal.de

WidersprĂŒchlich bewertet der SoVD zudem einzelne Maßnahmen im Entwurf: Einerseits sei die außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze grundsĂ€tzlich zu begrĂŒĂŸen, da dadurch höhere Einkommen stĂ€rker zur Finanzierung herangezogen wĂŒrden. Der Verband fordert jedoch, diesen Schritt konsequent weiterzugehen und die Bemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung anzuheben. Deutliche Kritik ĂŒbt der Verband an der geplanten Erhöhung der Zuzahlungen fĂŒr Arzneimittel um 50 Prozent. "Hier werden ausgerechnet kranke Menschen zusĂ€tzlich belastet. Das widerspricht dem Solidarprinzip und verschĂ€rft soziale Ungleichheiten", betont Engelmeier. Auch darĂŒber hinaus sieht der SoVD erhebliche soziale Schieflagen im Gesetzentwurf. So drohten Belastungen etwa durch EinschrĂ€nkungen bei der Familienversicherung, die insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen treffen wĂŒrden. Problematisch sieht der Verband zudem die VerkĂŒrzung des Krankengeldes. Sie ist unsolidarisch und wird die Diskussion um die Mehrklassensystemversorgung nur noch mehr befeuern. Gleichzeitig fehle weiterhin eine angemessene Beteiligung des Bundes an den Gesundheitskosten, etwa fĂŒr BĂŒrgergeldbeziehende. Kritisch bewertet der Verband zudem das geplante Tempo des Gesetzgebungsverfahrens. Eine Reform dieser Tragweite dĂŒrfe nicht im Eilverfahren beschlossen werden. "Es braucht ausreichend Zeit fĂŒr eine fundierte Debatte und die Beteiligung der VerbĂ€nde sowie der Öffentlichkeit", so Engelmeier.

Pressekontakt:

SoVD
Sozialverband Deutschland e. V.
Peter-Michael Zernechel
Pressesprecher (V. i. S. d. P.)
Stralauer Straße 63
10179 Berlin
Tel.: 030 72 62 22-333
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