Berlin: GrĂŒne und SPD stoppen Sondierungen mit der Linken
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Fraktionsdebatte ĂŒber antisemitische VorfĂ€lle
- GrĂŒne und SPD pausieren die GesprĂ€che mit der Linken zur Berliner Regierungsbildung.
- Am Dienstag unterzeichneten alle 44 anwesenden Linke-Abgeordneten eine eigene ErklÀrung.
- Die Parteien hatten zuvor Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss vereinbart.
GrĂŒne und SPD in Berlin haben die SondierungsgesprĂ€che mit dem Wahlsieger Linke zur Regierungsbildung unterbrochen.
Bewertung der ErklÀrung steht aus
Die beiden Parteien wollen zunĂ€chst prĂŒfen, ob eine in der Vorwoche getroffene Vereinbarung zum Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen weiterhin gilt. Die Spitzenkandidaten Werner Graf von den GrĂŒnen und Steffen Krach von der SPD erklĂ€rten, die Linke sei in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen.
Die Unterbrechung solle klÀren, ob die Linke die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen ernst nehme und umsetzen wolle. Die Parteien hatten vor Aufnahme der Sondierungen festgelegt, wie sie auf antisemitische VorfÀlle in den Reihen der Linken reagieren wollen.
Linke-Fraktion bekennt sich zu Israel
Vorgesehen sind auch Konsequenzen bis hin zum Ausschluss aus der Fraktion. Am Dienstag unterzeichneten die Mitglieder der Linke-Fraktion geschlossen eine ErklÀrung zum Umgang mit Antisemitismus.
Bei ihrer konstituierenden Sitzung im Berliner Abgeordnetenhaus bekannte sich die neue Fraktion zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels. Nach Angaben des Co-Fraktionschefs Tobias Schulze unterzeichneten alle 44 anwesenden Abgeordneten die ErklĂ€rung.
ErklÀrung soll Grundlage der Arbeit sein
Die Abgeordneten verpflichten sich darin, sich in ihrem politischen Wirken an die BeschlĂŒsse der Partei zu diesen Themen zu halten. Schulze bezeichnete die ErklĂ€rung als Grundlage der gemeinsamen Fraktionsarbeit.
Vanessa Emde im Zentrum der Debatte
Unter den Unterzeichnern ist auch die neu gewÀhlte Abgeordnete Vanessa Emde. Sie hatte im Wahlkampf einen Schwerpunkt auf das Thema PalÀstina-SolidaritÀt gelegt und mit israelkritischen Positionen wiederholt Debatten ausgelöst.
Kritiker werfen Emde vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Deshalb war spekuliert worden, dass sie möglicherweise nicht in die Linke-Fraktion aufgenommen werden könnte. Diese Erwartung erfĂŒllte sich nicht.
Antisemitismus als Belastungsprobe
Der Streit berĂŒhrt nicht nur eine einzelne ErklĂ€rung, sondern die politische Grundlage eines möglichen DreierbĂŒndnisses. Linke, GrĂŒne und SPD hatten vor Beginn der Sondierungen vereinbart, antisemitische VorfĂ€lle in den eigenen Reihen zu prĂŒfen und bei Bedarf Konsequenzen bis hin zum Fraktionsausschluss zu ermöglichen. Damit sollte eine gemeinsame politische Mindestlinie festgelegt werden.
Die nun verlangte Bewertung zeigt, dass die praktische Umsetzung dieser Vereinbarung entscheidend ist. FĂŒr GrĂŒne und SPD reicht ein allgemeines Bekenntnis offenbar nicht aus, wenn zugleich innerparteiliche Positionen oder Strukturen als unvereinbar mit der Absprache wahrgenommen werden. Die Linke muss deshalb klĂ€ren, wie die ErklĂ€rung ihrer Fraktion zur vorherigen Vereinbarung steht und welche Verbindlichkeit daraus im parlamentarischen Alltag folgt.
Mehrere Konfliktfelder bleiben
Der Antisemitismusstreit trifft auf weitere offene Fragen der möglichen Koalition. Dazu zĂ€hlen die innere Sicherheit, die Finanzierbarkeit linker Wahlversprechen sowie die Mieten- und Wohnungspolitik. Auch bei der Bewertung des Verfassungsschutzes und beim Umgang mit der Vergesellschaftung groĂer Wohnungskonzerne liegen die Positionen auseinander.
Das BĂŒndnis hĂ€tte nach dem amtlichen Wahlergebnis eine Mehrheit von 91 Sitzen und damit 14 Sitze mehr als die absolute Mehrheit. Die Unterbrechung macht jedoch deutlich, dass rechnerische Mehrheiten allein keine tragfĂ€hige Regierung sichern. FĂŒr die weiteren GesprĂ€che kommt es nun darauf an, ob die drei Parteien ihre Vereinbarung zum Schutz jĂŒdischen Lebens in eine von allen Seiten akzeptierte politische Praxis ĂŒbersetzen können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: âLinkenchef Pantisano weicht Fragen zu »Yallah Intifada«-Plakat mit Linkenlogo ausâ (12.10.2026)
Der Bericht stelle den innerparteilichen Konflikt ĂŒber israelkritische Positionen und den Umgang mit dem Begriff âIntifadaâ in den Mittelpunkt. Er bestĂ€tige, dass die Debatte ĂŒber Positionen und Strukturen der Berliner Linken die geplante Zusammenarbeit mit GrĂŒnen und SPD belaste, setze den Schwerpunkt aber auf einen konkreten Protest und die Reaktion des Linken-Landeschefs.
Tagesspiegel: âNach der Wahl: Parteien-Trio in Berlin sondiert unter Zeitdruck weiterâ (12.10.2026)
Der Artikel habe neben dem Streit ĂŒber Antisemitismus weitere Hindernisse beschrieben, darunter Differenzen bei innerer Sicherheit, Wohnungspolitik und der Finanzierung von Wahlversprechen. Zugleich habe er auf den Zeitdruck bis zu den Berliner Herbstferien sowie auf die rechnerische Mehrheit von 91 Sitzen verwiesen.
MedienĂŒbergreifend bestehe Einigkeit, dass die Sondierungen durch innerparteiliche Konflikte der Linken belastet wĂŒrden. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: WĂ€hrend der eine Bericht die Auseinandersetzung ĂŒber israelkritische Symbolik betone, rĂŒcke der andere die zusĂ€tzlichen Sachfragen und den engen Zeitplan in den Vordergrund.
