Berlin: GrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linken
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
KoalitionsgesprÀche warten auf Linke
- SPD und GrĂŒne unterbrachen am Dienstag die Sondierungen mit der Berliner Linkspartei.
- In der Linken-Fraktion wurde der GrĂŒnen zufolge eine andere Vorlage als vereinbart zur Unterschrift vorgelegt.
- Die GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr verlangt eine ErklĂ€rung dazu, was in der Fraktionssitzung geschehen ist.
- Die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde bleibt Teil der Linksfraktion.
Nach einer Unterbrechung der SondierungsgesprĂ€che in Berlin verlangt GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr von der Linkspartei eine ErklĂ€rung zum Verlauf ihrer Fraktionssitzung.
Vereinbarung zum Antisemitismus
SPD und GrĂŒne hatten die GesprĂ€che mit der Linkspartei am Dienstag unterbrochen. Anlass war nach Darstellung Stahrs, dass die Linkspartei ihrer Fraktion eine andere ErklĂ€rung zur Unterzeichnung vorgelegt habe als jene, auf die sich die Parteien in der Vorwoche zum Thema Antisemitismus verstĂ€ndigt hatten.
âDeswegen erwarten wir jetzt von der Linkspartei, dass sie uns einmal erklĂ€rt, was da gestern in der Fraktionssitzung passiert istâ, sagte Stahr. Die GrĂŒnen-Landeschefin betonte zugleich, die Sondierungen seien nicht beendet, sondern lediglich unterbrochen.
Stahr hĂ€lt Fortsetzung fĂŒr möglich
Die GesprĂ€chspartner blieben nach Stahrs Darstellung grundsĂ€tzlich am Verhandlungstisch. Die Linke mĂŒsse zurĂŒckkommen und auf Grundlage der gemeinsamen Verabredung weiterreden, sagte sie.
Damit hĂ€ngt die Fortsetzung der GesprĂ€che zunĂ€chst von einer politischen ErklĂ€rung der Linkspartei ab. Einen Abbruch der Sondierungen verkĂŒndeten SPD und GrĂŒne nicht.
Rolle von Vanessa Emde bleibt offen
Stahr lieĂ offen, welche Bedeutung die Mitgliedschaft der Abgeordneten Vanessa Emde in der Linksfraktion fĂŒr die weitere Zusammenarbeit habe. Sie verwies darauf, dass Emde als Person bereits zuvor Gegenstand von Kritik gewesen sei, maĂgeblich bleibe jedoch die gemeinsame ErklĂ€rung.
Emde hatte im Wahlkampf die SolidaritĂ€t mit PalĂ€stina in den Mittelpunkt gestellt und mit israelkritischen Positionen wiederholt Debatten ausgelöst. Kritiker werfen ihr vor, das Existenzrecht Israels nicht anzuerkennen; vor diesem Hintergrund war ĂŒber ihre mögliche Aufnahme in die Linksfraktion spekuliert worden.
Antisemitismus-ErklĂ€rung als KoalitionsprĂŒfung
Die Unterbrechung trifft die Sondierungen in einer frĂŒhen, aber entscheidenden Phase. SPD, GrĂŒne und Linke hatten erst wenige Tage zuvor gemeinsame Leitlinien zum Umgang mit Antisemitismus vereinbart. Dass die Linksfraktion anschlieĂend eine eigene ErklĂ€rung zur Grundlage ihrer Arbeit machte, verschiebt den Streit von einzelnen Personalfragen auf die Verbindlichkeit gemeinsamer Absprachen.
FĂŒr SPD und GrĂŒne steht damit nicht nur die Aufnahme einer umstrittenen Abgeordneten im Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob die Linke eine gemeinsame politische Grundlage akzeptiert, die das Existenzrecht Israels und den Schutz jĂŒdischen Lebens ausdrĂŒcklich einbezieht. Die von allen 44 anwesenden Linken-Abgeordneten unterzeichnete ErklĂ€rung kann den Konflikt zwar begrenzen, ersetzt aber aus Sicht der Sondierungspartner nicht automatisch die zuvor getroffene Vereinbarung.
Folgen fĂŒr die Regierungsbildung
Die mögliche rot-rot-grĂŒne Koalition verfĂŒgt rechnerisch ĂŒber eine Mehrheit, ihre politische TragfĂ€higkeit hĂ€ngt jedoch von belastbaren gemeinsamen Positionen ab. Die Pause eröffnet der Linken die Möglichkeit, ihre Fraktionsentscheidung zu erlĂ€utern und die GesprĂ€chsbasis wiederherzustellen. FĂŒr die weiteren Verhandlungen dĂŒrften neben Antisemitismus und dem Nahostkonflikt auch strittige Sachthemen wie Verkehr, Wohnen und die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen an Bedeutung gewinnen.
FĂŒr Berlin bedeutet der Vorgang zunĂ€chst eine Verzögerung bei der Regierungsbildung. Bleibt die ErklĂ€rung der Linken aus oder ĂŒberzeugt sie SPD und GrĂŒne nicht, könnten die Sondierungen scheitern. Kehrt die Linke mit einer verbindlichen Zusage an den Tisch zurĂŒck, wĂ€re die Unterbrechung ein begrenzter Konflikt innerhalb eines weiterhin möglichen BĂŒndnisses.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âGrĂŒne und SPD in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linksparteiâ (13.10.2026)
Der Bericht stelle die Aufnahme Vanessa Emdes in die Linksfraktion und den Beschluss der Sondierungspartner heraus, die GesprĂ€che deshalb zu unterbrechen. Zugleich betone er, dass alle 44 anwesenden Linken-Abgeordneten eine ErklĂ€rung zum Existenzrecht Israels und zum Kampf gegen Antisemitismus unterzeichnet hĂ€tten; offen bleibe, ob diese ErklĂ€rung die frĂŒhere gemeinsame Vereinbarung ersetze.
BR24: âGrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierung mit Linken in Berlinâ (13.10.2026)
Der Beitrag hebe ebenfalls den Zusammenhang zwischen Emdes Aufnahme und der Unterbrechung hervor, setze den Schwerpunkt aber stĂ€rker auf ihre gleichzeitige Unterzeichnung der Antisemitismus-ErklĂ€rung. Damit bestĂ€tige er den formalen Bekenntnisbeschluss, lasse jedoch wie der Tagesschau-Bericht offen, ob die politischen Partner ihn als ausreichende Grundlage fĂŒr die Fortsetzung der GesprĂ€che anerkennen.
Beide Berichte bestĂ€tigten somit die Unterbrechung der Sondierungen und die Aufnahme Emdes. Unterschiede lĂ€gen vor allem in der Gewichtung von Fraktionsentscheidung und persönlicher Rolle; offen bleibe die von SPD und GrĂŒnen verlangte ErklĂ€rung der Linken.
