Berlin, Sondierungen

Berlin: GrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linken

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

SPD und GrĂŒne setzen die GesprĂ€che mit der Linken nach einer abweichenden ErklĂ€rung der neuen Fraktion vorerst aus. Die Linke hĂ€lt an der Vereinbarung der Vorwoche fest und muss nun ihre Position erlĂ€utern.

  • Nach der konstituierenden Sitzung der Linke-Fraktion hatten GrĂŒne und SPD am Dienstagabend ĂŒberraschend die Sondierungen unterbrochen. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Nach der konstituierenden Sitzung der Linke-Fraktion hatten GrĂŒne und SPD am Dienstagabend ĂŒberraschend die Sondierungen unterbrochen. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
  • Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von GrĂŒnen, SPD und Linke in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild)  - Bild: Annette Riedl/dpa
    Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von GrĂŒnen, SPD und Linke in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
  • GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr erwartet von der Linken eine ErklĂ€rung, «was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist». (Archivbild) - Bild: Sven Kaeuler/dpa
    GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr erwartet von der Linken eine ErklĂ€rung, «was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist». (Archivbild) - Bild: Sven Kaeuler/dpa
Nach der konstituierenden Sitzung der Linke-Fraktion hatten GrĂŒne und SPD am Dienstagabend ĂŒberraschend die Sondierungen unterbrochen. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von GrĂŒnen, SPD und Linke in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild)  - Bild: Annette Riedl/dpa GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr erwartet von der Linken eine ErklĂ€rung, «was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist». (Archivbild) - Bild: Sven Kaeuler/dpa

44 Abgeordnete unterzeichnen eigene ErklÀrung

  • Die neue Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus unterzeichnete am Dienstag geschlossen eine ErklĂ€rung zum Umgang mit Antisemitismus.
  • Alle 44 anwesenden Abgeordneten bekannten sich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels.
  • Unter den Unterzeichnern ist auch die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde.

SPD und GrĂŒne haben die Sondierungen mit der Linkspartei in Berlin unterbrochen und verlangen eine ErklĂ€rung zu einer abweichenden fraktionsinternen Vereinbarung.

GrĂŒne erwarten Klarheit von der Linken

Die GrĂŒnen-Landeschefin Nina Stahr sagte dem RBB-Inforadio, in der vergangenen Woche sei eine gemeinsame Vereinbarung zum Thema Antisemitismus getroffen worden. Am Dienstag sei die Partei ĂŒberrascht gewesen, dass die Linkspartei ihrer Fraktion ein anderes Papier zur Unterzeichnung vorgelegt habe.

Stahr erwarte nun eine ErklĂ€rung der Linken, was in der Fraktionssitzung geschehen sei. Offen ließ sie, welche Rolle die Aufnahme Emdes in die neue Fraktion spiele. Die gemeinsame ErklĂ€rung mĂŒsse jedoch die Grundlage der Zusammenarbeit sein.

Sondierungen bleiben vorerst offen

Nach der konstituierenden Sitzung der Linksfraktion hatten SPD und GrĂŒne die seit knapp einer Woche laufenden GesprĂ€che am Dienstagabend unterbrochen. Sie wollen zunĂ€chst bewerten, ob die Vereinbarung der Vorwoche weiterhin gilt.

Stahr betonte zugleich, SPD und GrĂŒne hĂ€tten die Sondierungen nicht abgebrochen. Man sitze weiter am Tisch und warte darauf, dass die Linke zurĂŒckkomme, damit auf Grundlage der gemeinsamen Verabredung weitergesprochen werden könne.

Linke verweist auf eigene Verantwortung

Der Co-Fraktionschef der Linken, Tobias Schulze, zeigte sich ĂŒberrascht und sagte, aus Sicht seiner Partei gelte die Vereinbarung der Vorwoche weiterhin. Es gehe darum, Vertrauen herzustellen und gemeinsam dafĂŒr zu arbeiten, dass jĂŒdische Menschen in Berlin sicher leben könnten.

Zugleich betonte Schulze, die Linke entscheide selbst, mit welchen Personen sie ins Parlament gehe. Die neue Fraktion hatte sich bei ihrer konstituierenden Sitzung ausdrĂŒcklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekannt.

Emde bleibt politischer Streitpunkt

Emde hatte im Wahlkampf stark auf das Thema PalÀstina-SolidaritÀt gesetzt und wegen ihrer israelkritischen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst. Kritiker werfen ihr vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen.

Vor Beginn der Sondierungen hatten Linke, GrĂŒne und SPD eine gemeinsame Linie zum Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen in einer möglichen Koalition vereinbart. Vorgesehen waren auch Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Fraktion.

GesprÀche waren zunÀchst gut verlaufen

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen waren die Sondierungen vor der Unterbrechung gut vorangekommen, auch wenn schwierige Punkte offenblieben. Die Linken-Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp sprach von intensiven und guten GesprÀchen sowie vielen Gemeinsamkeiten.

Koalitionssuche unter besonderer Belastung

Die Unterbrechung trifft die geplante Regierungsbildung in Berlin an einer zentralen Vertrauensfrage. SPD und GrĂŒne verlangen nicht nur ein allgemeines Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus, sondern Klarheit darĂŒber, welche Vereinbarung fĂŒr eine mögliche gemeinsame Regierung verbindlich sein soll.

FĂŒr die Linke entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen der EigenstĂ€ndigkeit ihrer Fraktion und den politischen Erwartungen potenzieller Koalitionspartner. Die Aufnahme von Vanessa Emde verschĂ€rft dieses Spannungsfeld, weil ihre Positionen zu Israel und PalĂ€stina bereits vor der Konstituierung der Fraktion öffentlich umstritten waren. Zugleich haben alle 44 anwesenden Abgeordneten eine ErklĂ€rung unterzeichnet, die sich zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekennt.

Entscheidend ist die Auslegung

Politisch geht es deshalb weniger um die bloße Existenz einer ErklĂ€rung als um ihre Reichweite und Verbindlichkeit. Die Partner mĂŒssen klĂ€ren, ob die fraktionsinterne ErklĂ€rung die zuvor gemeinsam vereinbarten Regeln ersetzt, ergĂ€nzt oder lediglich anders formuliert.

Die GesprĂ€che sind nach Darstellung der GrĂŒnen nicht beendet. FĂŒr die Regierungsbildung bedeutet die Unterbrechung dennoch eine neue HĂŒrde: Ohne eine gemeinsame Auslegung des Umgangs mit antisemitischen VorfĂ€llen und möglichen Sanktionen dĂŒrfte das Vertrauen zwischen den drei Parteien kaum belastbar sein.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Berlin: SondierungsgesprĂ€che mit Linkspartei unterbrochen“ (13.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige die Unterbrechung und stelle die unterschiedliche ErklĂ€rung der Linksfraktion zum Umgang mit Antisemitismus als Auslöser heraus. ZusĂ€tzlich ordne er die Aufnahme Vanessa Emdes in die Fraktion als möglichen Hintergrund der Irritationen ein und verweise auf die politischen Spannungen rund um eine rot-grĂŒn-rote Koalition.

tagesschau.de: „Berlin: GrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Berliner Linken“ (13.10.2026)

Der Beitrag hebe hervor, dass die Linksfraktion ihre ErklĂ€rung ausdrĂŒcklich auf eigene ParteitagsbeschlĂŒsse stĂŒtze und nicht auf das zuvor gemeinsam vereinbarte rot-grĂŒn-rote Papier. Zugleich berichte er, die Linke sei von der Unterbrechung ĂŒberrascht und sehe die frĂŒhere Vereinbarung weiterhin als gĂŒltig an.

Beide Berichte bestĂ€tigten damit den Sondierungsstopp und den Streit ĂŒber die Verbindlichkeit der ErklĂ€rungen. Der BR24-Bericht betone stĂ€rker die politische Vorgeschichte und Emdes Rolle, wĂ€hrend tagesschau.de die unterschiedlichen Grundlagen der Dokumente und die offene Bewertung durch SPD und GrĂŒne hervorhebe.

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