Berlin-Koalition: Evers wartet auf Signal von SPD und Grünen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSPD und Grüne sollen über Bündnis entscheiden
- Stefan Evers führt nach eigenen Angaben regelmäßig Gespräche mit den Spitzen von SPD und Grünen.
- Die Linke ist laut Evers stärkste Kraft und die Grünen streben weiterhin ein Bündnis mit ihr an.
- Der CDU-Politiker lehnt eine Einladung ohne erkennbare Erfolgsaussichten ab.
CDU-Spitzenkandidat und Fraktionschef Stefan Evers hat seine Gesprächsbereitschaft gegenüber SPD und Grünen bekräftigt. Eine offizielle Einladung zu Koalitionsgesprächen lehnt er vorerst ab, solange kein klares Signal für ein solches Bündnis vorliegt.
Evers will sich nicht aufdrängen
„Ich spreche sehr regelmäßig mit den Spitzen von Grünen, von SPD. Ich mache deutlich, unsere Hand ist ausgestreckt, unsere Tür steht offen“, sagte Evers dem Nachrichtensender „Welt“. Sobald Bereitschaft bestehe, über ein Bündnis nachzudenken, werde die CDU in Gespräche eintreten.
Auf eine Einladung ohne erkennbare Erfolgsaussichten wolle er sich nicht einlassen. Evers verwies darauf, dass die Linke klar stärkste Kraft sei und die Grünen weiterhin eine Koalition mit ihr anstrebten.
Streit über Vereinbarungen mit der Linken
Besonders scharf kritisierte Evers jüngste Beschlüsse der Berliner Linksfraktion. Zuvor vereinbarte Bedingungen für Sondierungsgespräche seien nachträglich abgeschwächt worden.
In dem neuen Papier tauchten nach Evers’ Darstellung die Stärkung von Polizei und Verfassungsschutz nicht mehr auf. Zudem sei eine andere Antisemitismusdefinition gewählt worden.
CDU sieht Konsens aufgekündigt
Die Linke habe damit den Konsens bereits aufgekündigt, bevor die Sondierungen wirklich begonnen hätten, sagte Evers. Er wolle nicht parallel Gespräche führen, wenn diese nach seiner Einschätzung zu keinem Ergebnis führen würden.
Mehrheit und politische Optionen
Die Berliner Regierungsbildung steht nach der Wahl vor zwei rechnerisch möglichen Dreierbündnissen. Die Linke verfügt im neuen Abgeordnetenhaus über 45 der 153 Sitze, die CDU über 33, die Grünen über 25 und die SPD über 21 Mandate. Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD käme damit auf 91 Sitze und hätte einen deutlichen Abstand zur absoluten Mehrheit.
Eine Zusammenarbeit von CDU, Grünen und SPD wäre ebenfalls möglich, hätte aber nur einen knappen Vorsprung von zwei Sitzen. Diese Zahlen erklären, weshalb Evers auf ein Signal von SPD und Grünen wartet, statt ohne erkennbare Erfolgsaussicht formelle Gespräche zu verlangen. Für die beiden kleineren Parteien geht es zugleich um die Abwägung zwischen einem rechnerisch komfortablen Bündnis mit der Linken und einer Zusammenarbeit mit der CDU.
Antisemitismus als zentrale Streitfrage
Die Gespräche mit der Linken sind durch den Umgang mit Antisemitismus belastet. SPD und Grüne haben die Sondierungen unterbrochen, nachdem die Linksfraktion eine Erklärung zu diesem Thema beschlossen und die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde aufgenommen hatte. Im Raum steht damit nicht nur die politische Ausrichtung einer möglichen Koalition, sondern auch die Frage, ob zuvor vereinbarte Regeln innerhalb der Linksfraktion verbindlich gelten.
Für die CDU eröffnet der Konflikt eine Möglichkeit, sich als alternative Gesprächspartnerin von SPD und Grünen zu positionieren. Ob daraus konkrete Verhandlungen entstehen, hängt jedoch von deren Bereitschaft und von der weiteren Entwicklung der Gespräche mit der Linken ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: „Berlin: Sondierungsgespräche mit Linkspartei unterbrochen“ (14.10.2026)
Der Bericht bestätigt die Unterbrechung der Sondierungen zwischen SPD, Grünen und Linken und stellt den Streit über den Umgang mit Antisemitismus in den Mittelpunkt. Anders als Evers’ Vorstoß richtet sich der Schwerpunkt auf die Bedingungen für eine Fortsetzung der Gespräche.
n-tv: „SPD und Grüne in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linken“ (13.10.2026)
Auch n-tv berichtet über den Stillstand und nennt die Aufnahme der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde in die Linksfraktion als Auslöser. Der Beitrag rückt damit den konkreten innerparteilichen Konflikt stärker in den Vordergrund, während Evers vor allem die veränderten Vereinbarungen kritisiert.
Übereinstimmend steht die mögliche rot-grün-rote Koalition wegen des Umgangs mit Antisemitismus unter Druck. Offen bleibt, ob SPD und Grüne die Gespräche mit der Linken wieder aufnehmen oder eine Zusammenarbeit mit der CDU prüfen.
