Berlin-Wahl, Sondierungen

Berlin-Sondierungen: SPD und GrĂŒne stoppen GesprĂ€che mit Linken

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

SPD und GrĂŒne pausieren die GesprĂ€che mit der Linken nach einer ErklĂ€rung der neuen Fraktion. Die Linke weist den Vorwurf zurĂŒck, von der gemeinsamen VerstĂ€ndigung abgewichen zu sein.

  • Die Linke-Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp will in Berlin Regierende BĂŒrgermeisterin werden, im Hintergrund steht der zweite Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze. - Bild: Soeren Stache/dpa
    Die Linke-Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp will in Berlin Regierende BĂŒrgermeisterin werden, im Hintergrund steht der zweite Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze. - Bild: Soeren Stache/dpa
  • Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von Linke, SPD und GrĂŒnen in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild)  - Bild: Annette Riedl/dpa
    Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von Linke, SPD und GrĂŒnen in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
  • Bei der Fraktionssitzung der Linken herrscht großer Andrang von Medienvertretern.     - Bild: Soeren Stache/dpa
    Bei der Fraktionssitzung der Linken herrscht großer Andrang von Medienvertretern. - Bild: Soeren Stache/dpa
Die Linke-Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp will in Berlin Regierende BĂŒrgermeisterin werden, im Hintergrund steht der zweite Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze. - Bild: Soeren Stache/dpa Der Sondierungsprozess zwischen den Spitzen von Linke, SPD und GrĂŒnen in Berlin ist ins Stocken geraten. (Archivbild)  - Bild: Annette Riedl/dpa Bei der Fraktionssitzung der Linken herrscht großer Andrang von Medienvertretern.     - Bild: Soeren Stache/dpa

44 Abgeordnete unterzeichnen ErklÀrung

  • Die konstituierende Sitzung der Linke-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus fĂŒhrte zur Unterbrechung der Sondierungen.
  • Alle 44 anwesenden Linke-Abgeordneten unterzeichneten eine eigene ErklĂ€rung zu Antisemitismus und jĂŒdischem Leben.
  • Die ErklĂ€rung bezieht sich auch auf das Existenzrecht Israels und soll Grundlage der Fraktionsarbeit sein.

SPD und GrĂŒne haben die Sondierungen mit der Linken in Berlin nach einer Woche guter GesprĂ€che ĂŒberraschend unterbrochen.

Gemeinsame Vereinbarung auf dem PrĂŒfstand

Die beiden Parteien teilten mit, zunĂ€chst mĂŒsse bewertet werden, ob die in der Vorwoche geschlossene Vereinbarung zum Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen weiterhin gelte.

Diese Vereinbarung sieht eine gemeinsame Befassung mit möglichen VorfÀllen und Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Fraktion vor.

SPD und GrĂŒne verlangen Klarheit

Die GrĂŒnen-Spitzenkandidaten Werner Graf und der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklĂ€rten, die Linke mĂŒsse deutlich machen, inwiefern sie die getroffenen Absprachen ernst nehme und umsetzen wolle.

Nach ihrer Darstellung habe die Linke-Fraktion andere Verabredungen getroffen. Beide Parteien richteten ihre Forderung damit an den Wahlsieger der Abgeordnetenhauswahl.

Linke weist Vorwurf zurĂŒck

Co-Fraktionschef Tobias Schulze sagte, aus Sicht der Linken gelte die Vereinbarung der Vorwoche weiterhin. Die neue ErklÀrung sei teilweise wortgleich mit der gemeinsamen VerstÀndigung.

Die Linke-Fraktion bekannte sich nach Angaben Schulzes zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels. Der ErklĂ€rung war eine lange Debatte der Abgeordneten vorausgegangen.

Vanessa Emde in der Fraktion

Unter den Unterzeichnern ist auch Vanessa Emde, die neu ins Abgeordnetenhaus gewÀhlt wurde. Sie hatte im Wahlkampf die SolidaritÀt mit PalÀstina betont und mit israelkritischen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst.

Kritiker werfen ihr vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Trotzdem wurde sie in die neue Linke-Fraktion aufgenommen.

Fortsetzung der GesprÀche offen

Schulze sagte, nun mĂŒsse Vertrauen zwischen den drei Parteien hergestellt werden. Die Linke mĂŒsse selbst entscheiden, mit welchen Personen sie ins Parlament gehe.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen waren die Sondierungen bis zur Unterbrechung gut vorangekommen, zugleich blieben schwierige Punkte offen. Die Linke-Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp berichtete von intensiven GesprÀchen und vielen Gemeinsamkeiten.

Antisemitismus als Koalitionsbedingung

Die Unterbrechung zeigt, dass der Umgang mit Antisemitismus fĂŒr SPD und GrĂŒne nicht nur ein politisches Einzelthema, sondern eine Voraussetzung fĂŒr die weitere Regierungsbildung ist. Die Parteien hatten ihre Sondierungen erst nach einer gemeinsamen VerstĂ€ndigung zu diesem Punkt aufgenommen.

Im Zentrum steht nun weniger die grundsĂ€tzliche Ablehnung antisemitischer Positionen als die Frage, welche Vereinbarung innerhalb eines möglichen RegierungsbĂŒndnisses verbindlich gelten soll. Die Linke-Fraktion verweist auf ihre eigene ErklĂ€rung und darauf, dass alle 44 anwesenden Abgeordneten sie unterschrieben haben. SPD und GrĂŒne verlangen dagegen Klarheit ĂŒber das VerhĂ€ltnis dieser ErklĂ€rung zur gemeinsamen Vereinbarung der drei Parteien.

Entscheidung mit Folgen fĂŒr Berlin

Damit wird die Fraktionsaufnahme von Vanessa Emde zum Test fĂŒr die politische VerlĂ€sslichkeit des möglichen BĂŒndnisses. Ihre israelkritischen Positionen hatten bereits im Wahlkampf Debatten ausgelöst; nun muss die Linke erklĂ€ren, wie individuelle Abgeordnetenentscheidungen und gemeinsame Koalitionsregeln zusammenpassen.

FĂŒr die Regierungsbildung bedeutet die Unterbrechung zunĂ€chst Zeitverlust und zusĂ€tzlichen Verhandlungsdruck. Die Linke muss Vertrauen bei den potenziellen Partnern herstellen, wĂ€hrend SPD und GrĂŒne ihre Anforderungen prĂ€zisieren mĂŒssen. Je lĂ€nger die GesprĂ€che pausieren, desto stĂ€rker rĂŒckt zugleich die Frage nach alternativen Mehrheiten im Abgeordnetenhaus in den Vordergrund.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „SPD und GrĂŒne in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linken“ (13.10.2026)

Der Bericht stelle die Aufnahme der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde in die Linksfraktion als unmittelbaren Anlass fĂŒr die Unterbrechung dar. Er bestĂ€tige den Streit ĂŒber die Verbindlichkeit der Vereinbarungen, setze den Schwerpunkt aber stĂ€rker auf Emde und mögliche politische Alternativen.

Frankfurter Rundschau: „Berlin: GrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linkspartei“ (13.10.2026)

Der Artikel hebe die von allen 44 anwesenden Abgeordneten unterschriebene ErklĂ€rung hervor und nenne deren Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und PalĂ€stinas. Anders als die dpa-Meldung lasse er offen, woran sich SPD und GrĂŒne im Einzelnen störten; als offene Frage bleibe damit das VerhĂ€ltnis beider Texte.

MedienĂŒbergreifend bestehe Einigkeit ĂŒber die Unterbrechung der GesprĂ€che und den Streit um die ErklĂ€rung. Unterschiedliche Schwerpunkte lĂ€gen bei der Rolle Vanessa Emdes und beim Inhalt der FraktionserklĂ€rung.

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