Berlin: SPD, GrĂŒne und Linke machen Weg fĂŒr Rot-GrĂŒn-Rot frei
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSPD, GrĂŒne und Linke in Berlin haben sich zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus auf ein Handlungspaket zum Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen verstĂ€ndigt.
Voraussetzung fĂŒr Sondierungen erfĂŒllt
Nach Informationen aus Parteikreisen rĂ€umten die drei Parteien damit ein zentrales Hindernis fĂŒr den Beginn von GesprĂ€chen ĂŒber eine mögliche Regierungsbildung aus dem Weg. Rot-grĂŒn-rote Sondierungen dĂŒrften damit beginnen können.
Umgang mit Antisemitismus im Mittelpunkt
Die VerstĂ€ndigung war zuvor insbesondere von GrĂŒnen und SPD zur Bedingung fĂŒr SondierungsgesprĂ€che gemacht worden. Hintergrund waren Debatten ĂŒber den Umgang der Berliner Linken mit antisemitischen VorfĂ€llen und Positionen.
Weitere Themen stehen an
In den VorgesprĂ€chen ging es neben Antisemitismus auch um den Umgang mit Rassismus und organisierter KriminalitĂ€t. Sondierungen sind die Vorstufe zu möglichen Koalitionsverhandlungen; dabei prĂŒfen Parteien zunĂ€chst, ob ausreichende inhaltliche Gemeinsamkeiten fĂŒr eine Zusammenarbeit bestehen.
Antisemitismus als politische SchlĂŒsselfrage
Die Einigung betrifft ein Thema, das in Berlin nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch erhebliches Gewicht hat. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin registrierte 2025 insgesamt 2.197 antisemitische VorfÀlle. Nach ihrer EinschÀtzung blieb das Meldeaufkommen auch 2026 auf hohem Niveau. Dazu zÀhlen Angriffe, Bedrohungen, Diskriminierungen sowie Schmierereien und Aufkleber.
FĂŒr die drei Parteien geht es deshalb um mehr als eine formale Voraussetzung fĂŒr GesprĂ€che. Sie mĂŒssen klĂ€ren, wie antisemitische VorfĂ€lle politisch bewertet werden, welche Konsequenzen innerhalb einer möglichen Koalition gelten und wie eine gemeinsame Linie öffentlich vertreten wird. Besonders relevant ist dabei die Abgrenzung zu antisemitischen Positionen im Zusammenhang mit den Konflikten um Israel und Gaza.
Der Weg zur Regierungsbildung
Die Linke wurde bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September mit 25,7 Prozent stĂ€rkste Kraft. CDU und SPD verloren ihre bisherige Regierungsmehrheit; eine rot-grĂŒn-rote Zusammenarbeit ist damit eine zentrale Option fĂŒr die Regierungsbildung. Sondierungen wĂŒrden zunĂ€chst klĂ€ren, ob es neben dem Umgang mit Antisemitismus auch bei Themen wie Rassismus, organisierter KriminalitĂ€t, Haushalt und Verwaltung genĂŒgend gemeinsame Grundlagen gibt.
Die jetzt ausgerĂ€umte HĂŒrde bedeutet daher noch keine Koalitionsentscheidung. Auf die Sondierungen mĂŒssten gegebenenfalls Koalitionsverhandlungen folgen, in denen politische Vorhaben, ZustĂ€ndigkeiten und Finanzierungsfragen verbindlich ausgehandelt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht habe bereits nach der dritten GesprĂ€chsrunde eine gemeinsame Linie beim Umgang mit Antisemitismus erkennen lassen. Er betone, GrĂŒne und SPD hĂ€tten diese VerstĂ€ndigung zur Voraussetzung fĂŒr Sondierungen gemacht, und verweise auf geplante letzte Abstimmungen vor einer Bekanntgabe.
tagesschau: âBerlin: Linke, GrĂŒne und SPD beenden VorgesprĂ€che zu Sondierungen ohne Ergebnisâ (07.10.2026)
Der Bericht habe den Stand der GesprĂ€che am Mittwochabend als ergebnislos beschrieben und die Themen Antisemitismus, Rassismus und organisierte KriminalitĂ€t hervorgehoben. Anders als der Tagesspiegel habe er den zeitlichen Verlauf und die wiederholten Vorbedingungen stĂ€rker betont; die spĂ€tere Einigung auf ein Handlungspaket liege auĂerhalb dieses frĂŒheren Berichtsstands.
Beide Berichte hĂ€tten ĂŒbereinstimmend dargestellt, dass der Umgang mit Antisemitismus vor dem Beginn der Sondierungen geklĂ€rt werden mĂŒsse. Unterschiede hĂ€tten vor allem den Zeitpunkt und den erreichten GesprĂ€chsstand betroffen.
