Berlin, Koalitionsverhandlungen

Berlin: SPD, Grüne und Linke starten Koalitionsverhandlungen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Linke, Grüne und SPD wollen nach der Wahl eine gemeinsame Landesregierung bilden. Die Gespräche werden von Spitzenvertretern und Facharbeitsgruppen geführt, ein Abschluss ist aber nicht sicher.

Berliner Regierungsbildung im Verfahren

  • Die Dachgruppe vereint Spitzenvertreter von Linken, Grünen und SPD im Abgeordnetenhaus.
  • Zusätzlich sollen Facharbeitsgruppen einzelne Themenbereiche vertiefen.
  • Bei der Linken stimmte eine breite Mehrheit des Parteitags für die Verhandlungen.
SPD, Linke und Grünen haben den Start der Koalitionsverhandlungen bekanntgegeben. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

SPD, Grüne und Linke starten Gespräche in Berlin

Gut sechs Wochen nach der Wahl haben Linke, Grüne und SPD in Berlin Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer gemeinsamen Landesregierung aufgenommen. Beim Auftakt im Abgeordnetenhaus kamen die Spitzenvertreter der drei Parteien in einer Dachgruppe zusammen.

Fachgruppen sollen Details klären

Zu einzelnen Themenbereichen sind Facharbeitsgruppen vorgesehen, in denen vor allem Experten der Parteien beraten sollen. Grundlage ist das Ergebnis der Sondierungsgespräche, in denen jedoch zahlreiche Detailfragen offen geblieben sind.

Antisemitismus belastet Gespräche

Erschwert wurden die bisherigen Gespräche durch die Debatte über den richtigen Umgang mit Antisemitismus. Anlass waren mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken, die bundesweit und auch innerhalb der beteiligten Parteien Kritik ausgelöst hatten.

Die Linke hatte auf einem Parteitag mit breiter Mehrheit für die Aufnahme der Verhandlungen gestimmt. SPD und Grüne hatten bereits zuvor zugestimmt.

Ausgang der Verhandlungen offen

Wie lange die Gespräche dauern werden, ist nicht absehbar. Ein Scheitern bleibt möglich, auch wenn die drei Parteien nun offiziell über die Bildung einer gemeinsamen Landesregierung beraten.

Mit dem Beginn der Koalitionsverhandlungen wechselt das Berliner Regierungsprojekt von der Sondierungs- in die Detailphase. Die drei Parteien müssen nun aus allgemeinen Verständigungen konkrete Vorhaben, Zuständigkeiten und Finanzierungen für einen Koalitionsvertrag entwickeln.

Besonders sensibel ist der Umgang mit Antisemitismus und dem Nahostkonflikt. Die Debatte darüber belastet die Linke und berührt zugleich die politische Grundlage eines möglichen Bündnisses. Eine gemeinsame Erklärung zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels soll deshalb in die weiteren Gespräche einfließen.

Offene Themen und Verfahren

Inhaltlich dürfte auch die Wohnungs- und Mietenpolitik eine zentrale Rolle spielen. Die Linke verbindet ihren Wahlerfolg mit dem Anspruch, die hohen Wohnkosten in Berlin zu begrenzen; die Frage nach dem Umgang mit großen Immobilienbeständen gilt als besonders konfliktträchtig.

Die Verhandlungen laufen in einer Dachgruppe der Parteispitzen und mehreren Facharbeitsgruppen. Ein Abschluss bis Dezember wird angestrebt, ist aber nicht sicher. Selbst bei einer Einigung müssen anschließend die vorgesehenen Mitglieder- beziehungsweise Parteigremienentscheidungen bestanden werden. Für die Berlinerinnen und Berliner entscheidet sich damit in den kommenden Wochen, ob aus dem Wahlergebnis tatsächlich eine neue Landesregierung entsteht oder erneut nach einer anderen Mehrheit gesucht werden muss.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Elif Eralp will 'nicht aufgeben': Rot-Grün-Rot in Berlin rückt näher“ (01.11.2026)

Der Beitrag ordne den Start der Gespräche in den Wahlerfolg der Linken ein und hebe Elif Eralps Anspruch auf die Führung des Senats hervor. Einen Schwerpunkt bilde außerdem die Debatte über Antisemitismus sowie die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände.

taz: „Rot-grün-rote Regierung in Berlin: Die Koalitionsverhandlungen starten“ (02.11.2026)

Die taz konzentriere sich stärker auf das Verfahren: Eine Dacharbeitsgruppe und rund ein Dutzend Facharbeitsgruppen sollen die Gespräche führen. Als möglicher Abschluss werde Dezember genannt, während die späteren Entscheidungen von Parteimitgliedern und Parteitag offenblieben.

Beide Beiträge bestätigten den Beginn der Verhandlungen und die offene Dauer. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Während der eine Beitrag politische Konfliktlinien und die Rolle der Linken hervorhebe, stelle der andere Ablauf und mögliche nächste Entscheidungen in den Mittelpunkt.

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