Berlin-Wahl: Linke gewinnt Prognosen und greift nach dem Roten Rathaus
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 18:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach der Wahl zum Abgeordnetenhaus steht in Berlin ein Regierungswechsel an. Nach den Prognosen von ARD und ZDF hat die Linke vor der CDU überraschend deutlich gewonnen und kann erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen.
Enges Rennen um die Spitze
Für die Regierungsbildung kommen nach den Prognosen nur Dreierkoalitionen infrage. Möglich sind ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD oder eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD.
Linke setzt auf Wohnen und Mieten
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs standen Wohnungsmangel und hohe Mieten. Die Linke kündigte an, einen Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungskonzerne umzusetzen, um mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt zu gewinnen.
CDU und SPD unter Druck
Die CDU wollte das Rote Rathaus verteidigen, liegt den Prognosen zufolge aber hinter der Linken. Die SPD fällt deutlich zurück und wird damit zum möglichen Königsmacher, ebenso wie die Grünen.
Koalitionsverhandlungen werden schwierig
Die Gespräche dürften vor allem an der Frage der Vergesellschaftung und an der künftigen Linie in der Wohnungspolitik hängen. Auch die CDU könnte profitieren, falls Grüne und SPD ein Bündnis mit der Union bevorzugen.
Die Wahl in Berlin markiert einen seltenen Machtwechsel mit offenem Ausgang, weil nach den Prognosen nur Dreierbündnisse tragfähig sind. Damit verschiebt sich das Gewicht von der klaren Siegerfrage auf die anschließenden Gespräche zwischen Linken, Grünen, SPD und CDU.
Koalitionen statt einfacher Mehrheiten
Für die politische Praxis bedeutet das: Nicht nur das stärkste Ergebnis entscheidet, sondern die Bereitschaft, zentrale Konflikte bei Wohnen, Finanzen und Verteilung politisch auszutarieren. Gerade in Berlin ist das heikel, weil Wohnungsmangel, hohe Mieten und der Streit um Vergesellschaftung seit Jahren zu den prägenden Themen gehören.
Signal über Berlin hinaus
Ein Erfolg der Linken würde über die Hauptstadt hinaus wirken, weil er die Partei nach Jahren wechselnder Stärke wieder als regierungsfähige Kraft sichtbar machen könnte. Zugleich bleibt die CDU im Spiel, weil sie über eine andere Dreierkonstellation weiter an die Regierung kommen könnte. Für die SPD und die Grünen wird die Entscheidung damit zu einer strategischen Weichenstellung zwischen programmatischer Nähe, Machtoption und dem Risiko neuer Konflikte in einer ohnehin polarisierten Stadtpolitik.
