Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 19:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMandat und Regierungsbildung in Berlin
- Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer erklärten nach der Vorstandssitzung, der Linken fehle das Vertrauen in Vanessa Emde.
- Die Aufforderung richtet sich an die Abgeordnete wegen ihrer umstrittenen Positionen zum Nahost-Konflikt.
- Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben.
Berliner Linke zieht Konsequenz im Streit um Emde
Die Führung der Berliner Linken fordert die wegen ihrer Positionen zum Nahost-Konflikt umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde auf, ihr Mandat zurückzugeben. Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer erklärten nach einer Sitzung des Landesvorstands am Abend: „Wir vertrauen ihr nicht mehr.“
Vertrauensentzug nach Vorstandssitzung
Mit der Forderung verschärft die Parteiführung den Konflikt mit der Abgeordneten. Anlass sind ihre Positionen zum Nahost-Konflikt, die innerhalb der Berliner Linken seit Längerem für Auseinandersetzungen sorgen.
Emde ist Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Entscheidung der Parteiführung zielt nicht auf einen Ausschluss aus dem Parlament, sondern auf die Rückgabe des gewonnenen Mandats.
Streit belastet Regierungsbildung
Die Personalie spielt auch in den Gesprächen über eine mögliche Regierungsbildung in Berlin eine Rolle. Die Linke hatte bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 25,7 Prozent der Stimmen erhalten und war stärkste Kraft geworden.
Gemeinsam mit SPD und Grünen verhandelt die Partei über ein rot-grün-rotes Bündnis. Der Streit um Emde erschwert diese Gespräche, weil ihr Verbleib in der Linksfraktion insbesondere innerhalb der SPD als Hindernis für eine Koalition gilt.
Mandat stammt aus Neukölln
Emde zog mit einem Direktmandat aus Neukölln in das Abgeordnetenhaus ein. Bei der Wahl erreichte sie dort 46,2 Prozent der Erststimmen.
Ein freiwilliger Mandatsverzicht wäre von einem Ausschluss aus der Fraktion zu unterscheiden. Für die weitere Regierungsbildung hängt deshalb auch davon ab, wie Emde auf die Forderung der Parteiführung reagiert.
Der Streit um Vanessa Emde fällt in die laufenden Bemühungen um eine Regierungsbildung in Berlin. Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden und verhandelt über ein Bündnis mit SPD und Grünen.
Emde verfügt über ein Direktmandat aus Neukölln. Nach Berichten über ihre Positionen zum Nahost-Konflikt war sie bereits vor der nun veröffentlichten Entscheidung innerhalb und außerhalb der Partei umstritten. Im Zentrum steht dabei der Vorwurf, sie stelle das Existenzrecht Israels infrage.
Konflikt mit Folgen für Koalitionsgespräche
Die Personalie belastet die Gespräche über ein rot-grün-rotes Bündnis, weil insbesondere in der SPD ein Verbleib Emdes in der Linksfraktion als Hindernis für eine gemeinsame Regierung gilt. Ein Mandatsverzicht würde den Konflikt entschärfen, wäre aber eine persönliche Entscheidung der Abgeordneten.
Ein Ausschluss aus der Fraktion wäre davon zu unterscheiden und würde ein eigenes innerfraktionelles Verfahren voraussetzen. Für die Berliner Politik geht es deshalb zugleich um den Umgang mit kontroversen Positionen, die Bindungswirkung parteiinterner Vereinbarungen und die Frage, ob die Koalitionsverhandlungen fortgesetzt werden können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Berliner Linken-Abgeordnete Emde: Auf Crashkurs“ (06.11.2026)
Der Beitrag ordne den Konflikt als mögliches Hindernis für ein rot-grün-rotes Bündnis ein. Im Schwerpunkt stehe die politische Bedeutung von Emdes Verbleib in der Linksfraktion und der innerparteiliche Streit über einen möglichen Fraktionsausschluss.
Stern: „Regierungsbildung in Berlin: Bericht: Linke könnte Mandatsverzicht von Emde fordern“ (06.11.2026)
Der Artikel habe den Druck der Parteiführung auf Emde und ihre Vorgeschichte im Berliner Abgeordnetenhaus beschrieben. Anders als die nun vorliegende Meldung habe er zuvor über eine mögliche Aufforderung berichtet; offen geblieben sei zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis der Sitzung.
Beide Beiträge hätten den Zusammenhang mit der Regierungsbildung und dem Nahost-Streit betont. Der aktuelle Schritt der Berliner Linken verschärfe damit einen Konflikt, der über Emdes persönliches Mandat hinaus die Koalitionsbildung berühre.
