Berliner Linke fordert Vanessa Emde zum Mandatsverzicht auf
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 19:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEmdes Mandat und die Berliner Koalitionspläne
- Vanessa Emde gewann am 20. September in Neukölln ein Direktmandat mit 46,2 Prozent.
- Die Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus umfasst 44 Abgeordnete; ein Ausschluss erfordert eine Zwei-Drittel-Mehrheit.
- Die Linke erreichte bei der Wahl 25,7 Prozent und wurde stärkste Kraft vor CDU, AfD, Grünen und SPD.
Berliner Linke setzt Vanessa Emde unter Druck
Die Berliner Linke fordert die Abgeordnete Vanessa Emde wegen ihres eigenständigen Kurses und ihrer Positionen zum Nahost-Konflikt auf, ihr Mandat zurückzugeben. Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer erklärten nach einer Sitzung des Landesvorstands, sie vertrauten Emde nicht mehr.
Eine Woche Frist für die Abgeordnete
Emde soll innerhalb einer Woche zur Partei zurückkehren, ihren Instagram-Beitrag löschen, sich für ihren Auftritt am Rand des Parteitags entschuldigen und eine konstruktive Zusammenarbeit auf Grundlage der Parteibeschlüsse zusagen. Ob sie ihr Mandat abgibt, ist offen.
Lehnt Emde den Mandatsverzicht ab, könnte sie aus der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschlossen werden. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der 44 Abgeordnete zählenden Fraktion erforderlich.
Streit über Nahost-Positionen
Emde war am 20. September neu ins Landesparlament gewählt worden und holte in ihrem Neuköllner Wahlkreis 46,2 Prozent der Erststimmen. Wegen ihrer Äußerungen zum Nahost-Konflikt steht sie seit längerem in der Kritik.
Am 13. Oktober unterschrieb sie zunächst eine Erklärung zum Antisemitismus, die den Schutz jüdischen Lebens und das Existenzrecht Israels bekräftigte. Kurz darauf distanzierte sie sich in einem Instagram-Video davon. Die Fraktionsspitze erklärte anschließend, sie sehe keine gemeinsame Arbeitsgrundlage mehr.
Konflikt belastet Koalitionsbildung
Die Auseinandersetzung erschwert seit Wochen die geplante Bildung einer rot-grün-roten Koalition unter Führung der Linken. Grüne und SPD erwarten von der Partei, den Umgang mit radikalen Israel-Kritikern bis hin zu Antisemiten zu klären.
Am vergangenen Wochenende demonstrierte Emde am Rand eines Parteitags gemeinsam mit etwa 80 Menschen gegen die eigene Parteiführung. Sie warnte vor einer Kriminalisierung und Dämonisierung der Palästina-Solidarität und erklärte sich solidarisch mit einem umstrittenen propalästinensischen Aktivisten.
Vereinbarung gegen Judenhass
Linke, Grüne und SPD hatten vor Beginn ihrer Sondierungen eine Vereinbarung zum Kampf gegen Judenhass geschlossen. Sie soll im Fall einer Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden.
Bei der Abgeordnetenhaus-Wahl wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit.
Der Konflikt um Vanessa Emde verbindet innerparteiliche Disziplin, den Umgang mit Israel-bezogenen Positionen und die Stabilität der geplanten Regierungsbildung in Berlin. Die Linke war bei der Wahl am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden und führt Gespräche über ein Bündnis mit Grünen und SPD.
Für die Parteiführung geht es deshalb nicht nur um eine einzelne Abgeordnete. Emde gewann in Neukölln ein Direktmandat mit 46,2 Prozent und verfügt damit über eine eigene demokratische Legitimation. Zugleich beruft sich die Landespartei auf gemeinsame Beschlüsse und die Mandatsträgervereinbarung, an die sich Kandidatinnen und Kandidaten gebunden hätten.
Koalitionsbildung unter Druck
Besonders sensibel ist der Streit wegen der von Linke, Grünen und SPD vereinbarten Maßnahmen gegen Judenhass. Die Vereinbarung soll Teil eines möglichen Koalitionsvertrags werden. Ein offener Konflikt über antisemitische Positionen und den Umgang mit propalästinensischen Akteuren erhöht den politischen Druck auf die Linke, vor Beginn einer möglichen Regierungsarbeit klare Grenzen zu setzen.
Gibt Emde ihr Mandat nicht zurück, könnte ein Ausschluss aus der 44 Abgeordnete zählenden Fraktion folgen. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Die Entscheidung würde den Streit daher nicht automatisch beenden, sondern in ein formalisiertes Verfahren überführen und zugleich die Mehrheitsverhältnisse sowie die Koalitionsgespräche belasten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Berliner Linke will umstrittene Abgeordnete Emde zum Mandatsverzicht auffordern“ (06.11.2026)
Der Beitrag bestätigt die Aufforderung der Berliner Linken zum Mandatsverzicht und ordnet sie als Reaktion auf den länger andauernden Streit um Emde ein. Der Schwerpunkt liegt auf dem aktuellen Schritt der Parteiführung.
Focus: „Gysi über Emde: 'Ich hoffe, dass wir sie ausschließen'“ (06.11.2026)
Der Artikel hebt die mögliche nächste Eskalationsstufe hervor: Emde könnte aus der Fraktion ausgeschlossen werden, wofür eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich wäre. Damit setzt er einen anderen Akzent als der n-tv-Beitrag, der die Aufforderung zum Mandatsverzicht in den Mittelpunkt stellt.
Beide Beiträge stellen den Mandatskonflikt und die mögliche Fraktionsentscheidung heraus. Offen bleibt, ob Emde der Forderung nachkommt und ob die Fraktion anschließend ein Ausschlussverfahren einleitet.
