Berliner Sondierungen: SPD und GrĂŒne stoppen GesprĂ€che mit Linken
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFraktionsaufnahme löst PrĂŒfung aus
- Vanessa Emde wurde in die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus aufgenommen.
- Die GrĂŒnen und die SPD erklĂ€rten am Dienstag, die Sondierungen mit der Linken deshalb zu unterbrechen.
- GeprĂŒft werden soll, ob die Vereinbarung der drei Parteien aus der vergangenen Woche weiterhin gilt.
Die GrĂŒnen und die SPD haben am Dienstag die Berliner Sondierungen mit der Linken unterbrochen. Hintergrund ist die Aufnahme der Abgeordneten Vanessa Emde in die Linksfraktion.
SPD und GrĂŒne verlangen Klarstellung
Werner Graf fĂŒr die GrĂŒnen und Steffen Krach fĂŒr die SPD erklĂ€rten, die Linke sei in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen. Deshalb mĂŒsse man die GesprĂ€che an dieser Stelle unterbrechen und bewerten, ob die Vereinbarung der vergangenen Woche noch gelte.
Von der Linken erwarten SPD und GrĂŒne eine deutliche ErklĂ€rung, inwiefern sie die getroffenen Vereinbarungen ernst nehmen und umsetzen wolle. Damit rĂŒckt der Umgang mit der neuen Fraktionsmitgliedschaft unmittelbar in den Mittelpunkt der weiteren GesprĂ€che.
Gemeinsame ErklÀrung zum Existenzrecht
Die Linken-Abgeordneten hatten zuvor in der konstituierenden Sitzung der Fraktion eine gemeinsame ErklÀrung unterzeichnet. Darin bekennen sie sich unter anderem zum Existenzrecht Israels und zum Existenzrecht PalÀstinas.
Emde steht in der Kritik, weil sie Berichten zufolge im Mai 2026 gesagt hatte, es gebe kein Existenzrecht fĂŒr Staaten, Menschen hĂ€tten ein Recht zu existieren.
Vereinbarung umfasst acht Punkte
Linke, GrĂŒne und SPD hatten am Donnerstag eine Vereinbarung zum Start von SondierungsgesprĂ€chen vorgelegt. Das dreiseitige Papier umfasst acht Punkte und konzentriert sich auf Vielfalt, den Schutz und die StĂ€rkung jĂŒdischen Lebens, die Erinnerung an den Holocaust, das Existenzrecht Israels sowie die BekĂ€mpfung von Antisemitismus.
Die Parteien erklĂ€rten darin, Berlin solle eine Stadt sein, in der Menschen sicher leben und ihre Religion und Zugehörigkeit offen zeigen könnten. Sie verwiesen zugleich auf die besondere Verantwortung Deutschlands zum Schutz jĂŒdischen Lebens.
Regeln fĂŒr mögliche VerstöĂe
In der Vereinbarung lehnen die drei Parteien Gewalt, Hetze, VerschwörungserzÀhlungen sowie die Leugnung und Relativierung der Shoah ab. Israelbezogener Antisemitismus solle klar benannt werden; generelle Boykott- und undifferenzierte Sanktionsaufrufe gegen Israel, israelische Institutionen oder Personen allein wegen ihrer Staatsangehörigkeit, Herkunft oder Zugehörigkeit lehnen sie ab.
Die Parteien vereinbarten zudem, dass die Fraktionen bei VerstöĂen eigene Verfahren beschlieĂen. Die Regularien sehen Konsequenzen bis zum Ausschluss von Mitgliedern vor; die betroffene Fraktion soll ihre Entscheidung transparent kommunizieren. Antisemitische VorfĂ€lle in den Reihen der Koalitionsfraktionen sollen gemeinsam bearbeitet werden.
Die Unterbrechung trifft die Sondierungen an einem Punkt, an dem die drei Parteien ihre Zusammenarbeit ausdrĂŒcklich an gemeinsame GrundsĂ€tze zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zur BekĂ€mpfung von Antisemitismus gebunden haben. Die Aufnahme Vanessa Emdes in die Linksfraktion macht damit nicht nur eine Personalfrage, sondern die Verbindlichkeit dieser politischen Vereinbarung zum zentralen PrĂŒfstein.
FĂŒr SPD und GrĂŒne steht insbesondere die Frage im Raum, ob die Fraktion die am Donnerstag vereinbarten Leitlinien geschlossen trĂ€gt. Das Papier sieht bei VerstöĂen eigene Verfahren der Fraktionen und mögliche Konsequenzen bis zum Ausschluss von Mitgliedern vor. Die aktuelle Unterbrechung verschiebt den Fokus deshalb von den weiteren Sachthemen der Regierungsbildung auf den Umgang der Linken mit ihrer neuen Abgeordneten.
Politischer Druck innerhalb der Linken
Bereits vor der Unterbrechung war die Vereinbarung innerhalb der Berliner Linken umstritten. Der Streit reicht von der Bewertung der Israel-bezogenen Passagen bis zur Frage, wie weit die Partei ihre bisherigen Positionen in einer möglichen Dreierkoalition anpassen kann. Die Debatte verbindet sich mit der konstituierenden Fraktionssitzung und erhöht den innerparteilichen Entscheidungsdruck.
FĂŒr die Regierungsbildung bedeutet der Schritt zunĂ€chst eine Verzögerung und eine neue Bedingung fĂŒr die GesprĂ€che. Die Linke muss darlegen, wie sie die gemeinsame ErklĂ€rung und den vereinbarten Mechanismus bei möglichen VerstöĂen praktisch anwenden will. Erst danach können SPD und GrĂŒne bewerten, ob die Grundlage der Sondierungen weiterhin trĂ€gt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
rbb24: âSondierungen in Berlin: Wie eine wĂŒtende Basis die Berliner Linkspartei vor sich hertreibtâ (12.10.2026)
Der Beitrag beschreibt den innerparteilichen Widerstand gegen die Sondierungsvereinbarung und die Debatte ĂŒber einen möglichen Ausschluss Vanessa Emdes. Er setzt den Schwerpunkt auf den Druck der Parteibasis und die Konflikte innerhalb der Linken, wĂ€hrend die aktuelle Unterbrechung der GesprĂ€che den institutionellen Konflikt zwischen den drei Parteien sichtbar macht.
tagesschau: âBerliner Sondierungen sorgen fĂŒr Ărger in der Koalitionâ (11.10.2026)
Die tagesschau ordnet die geplante Zusammenarbeit vor allem in den bundespolitischen Streit ĂŒber ein rot-grĂŒn-rotes BĂŒndnis ein und berichtet ĂŒber Widerstand gegen die Antisemitismus-Vereinbarung. Gemeinsam ist beiden BeitrĂ€gen der Fokus auf die umkĂ€mpften GrundsĂ€tze; offen bleibt, ob die Linke den Konflikt intern so löst, dass SPD und GrĂŒne die Sondierungen fortsetzen.
Die Berichte verdeutlichen damit zwei Ebenen des Vorgangs: innerparteilichen Widerstand bei der Linken und politischen Druck von auĂen. Die Aufnahme Emdes in die Fraktion verbindet beide Konflikte unmittelbar mit der Zukunft der Berliner Sondierungen.
